Podiumsdiskussion der CDU Schwarmstedt

Gudrun Pieper (v.r.), Kathrin Rösel, Henrik Rump, Ernst-Ingolf Angermann, Jochen Oestmann und Stefan Rose stellen sich den Fragen der Teilnehmer an der CDU-Podiumsdiskussion über den Wolf. Foto: B. Stache
 
Ernst-Ingolf Angermann (rechts) bei seinem Impulsvortrag anlässlich der CDU-Podiumsdiskussion mit dem Titel „Wie geht es weiter mit dem Wolf?“. Foto: B. Stache
 
Zirka 80 Teilnehmer der CDU-Podiumsdiskussion im Ringhotel Bertram hören interessiert zu. Foto: B. Stache

MdL Ernst-Ingolf Angermann „Wir werden mit dem Wolf leben müssen“

Schwarmstedt (st). Wie geht es weiter mit dem Wolf? Diese Frage beschäftigte am Montagabend Teilnehmer der CDU-Podiumsdiskussion im Ringhotel Bertram in Schwarmstedt. Zirka 80 Gäste waren der Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten Kathrin Rösel gefolgt und erlebten einen informativen, von großer Sachlichkeit geprägten Abend. Der Kreistagsabgeordnete Henrik Rump hatte die Moderation übernommen. Auf dem Podium hatten auch die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper und Ernst-Ingolf Angermann, Jochen Oestmann als Vorsitzender Landvolk Lüneburger Heide sowie der Grethemer Berufsschäfer Stefan Rose Platz genommen. In ihrer Begrüßung betonte die Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel die Bedeutung des Themas, das nicht nur die Fachleute wie Weidetierhalter, Landwirte und Schäfer betrifft. „Mittlerweile interessiert und emotionalisiert das Thema Wolf auch alle Teile der Bevölkerung in unserer ländlichen Region“, erklärte sie und erinnerte an die Euphorie, als vor etwa zehn Jahren der Wolf wieder in Deutschland gesichtet wurde. Das sei von großen Teilen der Bevölkerung als ein gutes Zeichen für gesunde Natur bewertet worden. „Mittlerweile ist das gar nicht mehr so unproblematisch“, sagte die Bundestagsabgeordnete mit Hinweis auf die Ausbreitung des Wolfes, die heute differenziert gesehen wird. Kathrin Rösel erinnerte an den von der CDU-Landtagsfraktion eingebrachten 7-Punkte-Plan zur Regulierung der Wolfspopulation in Niedersachsen (siehe Kasten). In seinem sehr informativen Impulsvortrag gab der Abgeordnete und Landwirt aus dem Kreis Celle Ernst-Ingolf Angermann einen Überblick über die derzeitige Situation. Der Wolf spalte die Gesellschaft, machte er zu Beginn seiner Ausführungen deutlich. „Die Menschen im urbanen Bereich begrüßen ihn. Das ist möglicherweise auch verständlich, wenn man dort wohnt, weil sie auch nicht wissen, welche Herausforderungen in der Fläche auf uns zukommen“, erklärte er und fügte an: „Wir werden mit dem Wolf leben müssen.“ Der Wolf genießt derzeit den höchsten Schutzstatus mit dem Ziel, die Population zu erhalten. Ernst-Ingolf Angermann präsentierte Zahlen über die Ausbreitung des Wolfes. Derzeit leben zirka 600 Tiere in 69 Rudeln in Deutschland, 100 davon in Niedersachsen – Tendenz steigend, da sich die Wolfsrudel jährlich um 30 Prozent vermehren. Mit Hinweis auf die aktuellen Risszahlen machte der Abgeordnete deutlich, dass der Wolf auch vor Hobbytierhaltern nicht Halt macht und präsentierte eindrucksvolle Bilder von Übergriffen auf Rinder, Kühe und Schafe. Thematisiert wurden Schutzmaßnahmen durch höhere und Elektro-Zäune sowie Herdenschutzhunde, das Vergrämen des Wolfs bis hin zur Freigabe zur Jagd. Die Bejagung sei möglich, wenn eine Wolfspopulation die Zahl 1000 erreicht hat und damit aus dem Schutzstatus fällt. Als Beispiel nannte Ernst-Ingolf Angermann Finnland, wo es offizielle, streng kontrollierte Wolfsjagden zur Regulierung der Tierbestände gibt. Mit Nachdruck forderte er, die Beweislastumkehr für Billigkeitsleistungen bei Nutztierrissen und die Mittel für Prävention und Entschädigungen unbürokratisch auszuzahlen. „Die Herausforderungen an die Zukunft werden groß sein“, schloss der CDU-Landtagsabgeordnete seine Ausführungen zum Thema Wolf. Stefan Rose berichtete anschließend über seine Erfahrungen mit dem Wolf. Der Berufsschäfer hatte im April gleich zwei Wolfsattacken auf seine Schafe am Grethemer Deich zu beklagen, wobei insgesamt 18 Tiere gerissen wurden. Um seine Tiere sachgerecht gegen Übergriffe durch den Wolf einzuzäunen, brauchen Stefan Rose und seine Mitarbeiter das Vierfache an Zeit. „Einhundertprozentigen Schutz wird es nie geben“, prognostizierte der Schäfer. Landvolk-Vorsitzender Jochen Oestmann unterstrich in seinem Beitrag die Bedeutung der Schafe für den Hochwasserschutz im Aller-Leine-Tal. „Zur Deichschäferei gibt es keine Alternative.“ Er beklagte die schleppenden Verfahren im Umgang mit DNA-Proben nach Wolfsrissen. „Ich bin der Meinung, das ist Kalkül“, formulierte Jochen Oestmann seine Kritik an der zu großen Zeitspanne zwischen DNA-Entnahme und Veröffentlichung des Ergebnisses durch das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). In der folgenden Fragerunde kritisierte ein Teilnehmer die Besetzung des NLWKN als fachlich unzureichend. Des Weiteren wurden Fragen nach Haftung und Schadensregelungen nach Wolfsattacken auf Nutztiere gestellt, die psychologische Belastung der Nutztierbesitzer, das Einrichten von Wolfsschutzgebieten sowie Vor- und Nachteile des Einzäunens der Weidetiere angesprochen. „Ich habe aus der heutigen Veranstaltung mitgenommen, dass wir sehr sachgerecht und fachgerecht an dem Thema dranbleiben werden“, formulierte die CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper ihre abschließende Zusammenfassung. Wegen der Komplexität des Themas werde es nicht die eine schnelle Lösung geben, sondern viele, die Zeit brauchen. „Ich habe auch mitgenommen, dass man nicht per se gegen den Wolf ist, aber dennoch Konsequenzen gezogen werden müssen, sowohl die Weidetiere als auch die Menschen zu schützen, aber auch der Wolf einen gewissen Lebensraum für sich in Anspruch nehmen kann“, machte Gudrun Pieper in ihrem Schlusswort deutlich.



Kasten:

Der Sieben-Punkte-Plan für einen nachhaltigen Umgang mit dem Wolf, eingebracht von der Niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion

1. die Beweislastumkehr für Billigkeitsleistungen bei Nutztierrissen nach dem Vorbild des Freistaates Sachsen sofort umzusetzen, und die Mittel für Prävention und Entschädigungen
unbürokratisch auszuzahlen,
2. Wölfe, die sich vermehrt menschlichen Siedlungen nähern oder durch wiederholte Nutztierrisse auffallen, zu entnehmen,
3. über die Umweltministerkonferenz – abgestimmt zwischen den Bundesländern und unter
Einbeziehung der europäischen Nachbarstaaten – den niedersächsischen Beitrag zum stabilen Erhalt der Population (Anzahl der Rudel) des westeuropäischen Wolfes zahlenmäßig festzulegen,
4. die niedersächsischen Rudel, die in diesen Erhalt einbezogen werden, zu identifizieren, zu
schützen und mindestens ein Tier aus jedem Rudel (vorzugsweise Elterntiere) zu besendern,
5. den Wolf ins niedersächsische Jagdrecht aufzunehmen und die Überführung in den Anhang V der FFH-Richtlinie anzustreben,
6. die Bejagung abwandernder Jungwölfe und Einzelgänger zu gestatten und
7. Rudel, die sich – durch Senderdaten belastbar bewiesen – verstärkt Siedlungen nähern oder durch wiederholte Nutztierrisse auffallen, durch die Tötung und Entfernung eines Jungtieres aus dem Rudelverband zu konditionieren.