Ratssitzung stößt auf großes Interesse

Gyde Thönnessen stellt dem Gemeinderat das Einzelhandelskonzept für die Samtgemeinde Schwarmstedt vor. Foto: B. Stache
 
Gemeindedirektor Björn Gehrs (stehend) zieht im Beisein von Gyde Thönnessen (links), Claudia Schiesgeries und Martin Geisel ein positives Fazit nach der Präsentation des Einzelhandelskonzepts für die Samtgemeinde Schwarmstedt: „Gegenteil von Stillstand ist Schwarmstedt.“ Foto: B. Stache

Empfehlung aus Einzelhandelskonzept: „Das, was es gibt, muss gehalten werden“

Schwarmstedt (st). „Ziel ist es, die Kaufkraft hier im Ort zu halten“, brachte es Gemeindedirektor Björn Gehrs während der von Bürgermeisterin Claudia Schiesgeries geleiteten Ratssitzung im Uhle-Hof, an der auch zirka 60 interessierte Einwohner teilnahmen, auf den Punkt. Anlass war die Vorstellung eines Einzelhandelskonzepts für die Samtgemeinde Schwarmstedt. Gyde Thönnessen von der mit dem Konzept beauftragten BBE Handelsberatung GmbH aus Hamburg lieferte zu Beginn ihrer umfangreichen Präsentation Daten zum Wirtschaftsstandort Schwarmstedt. Der Pro-Kopf-Ausgabebetrag liege bei zirka 6500 Euro – das entspricht einer einzelhandelsrelevanten Kaufkraft von mehr als 81 Millionen Euro in der Samtgemeinde. Mit einem Schaubild verdeutlichte die Referentin das Kaufkraftpotential, aufgeschlüsselt in Warengruppen. Demnach fallen beispielsweise 31,1 Millionen Euro auf den Bereich Nahrungs- und Genussmittel sowie Blumen, das sind 38,2 Prozent, gefolgt von 9,6 Millionen Euro für Bekleidung, Schuhe und Sport (11,8 Prozent). Auf dem Gebiet der Samtgemeinde Schwarmstedt sind aktuell 84 Einzelhandels- und Ladenhandwerksbetriebe verzeichnet, für die ein Gesamtumsatz von zirka 78,5 Millionen Euro prognostiziert wird, hieß es in der Präsentation. Alle Betriebe zusammen verfügen über eine Verkaufsfläche von etwas mehr als 21 300 Quadratmetern, führte Gyde Thönnessen aus. Das Gemeindegebiet Schwarmstedt weist demnach 56 Betriebe mit einer Verkaufsfläche von zirka 19 000 Quadratmetern aus – mit knapp 69 Millionen prognostiziertem Gesamtumsatz. Die BBE-Repräsentantin zog folgendes Zwischenfazit: „Schwarmstedt hat insgesamt ein positiv zu bewertendes Einzelhandelsstrukturgefüge. Unter regionalen Gesichtspunkten ist das Grundzentrum Schwarmstedt in allen Himmelsrichtungen durch eine intensive Wettbewerbssituation geprägt.“ Der Ort stelle zudem eine sehr gute Einzelhandelsversorgung bereit. Seine Entwicklungspotenziale hingen im Wesentlichen davon ab, „inwieweit es gelingt, das vorhandene Kaufkraftpotenzial stärker anzusprechen und derzeit abfließende Kaufkraft zukünftig im Gemeindegebiet zu halten.“ Dazu wurden einzelne Leitziele formuliert, unter anderem „Priorität der Entwicklung des Ortszentrums sowie Sicherung und Stärkung der wohnungsnahen Versorgung.“ Neben dem Hauptzentrum Schwarmstedt als zentraler Versorgungsbereich fand auch Lindwedel als solitärer (einzelner) Nahversorgungsstandort Erwähnung bei der BBE-Präsentation. Zum Abschluss stellte Gyde Thönnessen drei Empfehlungen zur Entwicklung des Einzelhandels in Schwarmstedt vor: 1. Grundsätzlich eine weitere Konzentration und Verdichtung des Einzelhandels auf den Zentralen Versorgungsbereich. 2. Erhalt des bestehenden Nahversorgungsstandortes in Lindwedel. 3. Im Zentralen Versorgungsbereich sollten bei frei werdenden Flächen weitere Einzelhandels- und Gastronomienutzungen, gegebenenfalls auch kleinere Fachmarktkonzepte, angesiedelt werden, um die Strukturen zu verdichten und die Sortimente zu ergänzen. Gyde Thönnessen zog folgendes Fazit: „Das, was es gibt, muss gehalten werden.“ Die bestehenden Fachmärkte sollten prüfen, ihr bestehendes Sortiment gegebenenfalls auszubauen. Im Leitfaden der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern „Kommunale Einzelhandelskonzepte“ heißt es zu dem Thema: „Mit einem Einzelhandelskonzept könnten Kommunen den Wandel im Handel aktiv begleiten und die Ortskerne und andere Einkaufslagen strategisch entwickeln. Allerdings wird diese Möglichkeit leider noch viel zu selten genutzt. So haben aktuell zwei Drittel aller niedersächsischen Kommunen kein oder nur ein veraltetes kommunales Einzelhandelskonzept“, heißt es. Der Landkreis Heidekreis arbeite in dieser Sache eng mit der Samtgemeinde Schwarmstedt zusammen, so Gemeindedirektor Björn Gehrs. Er rechnet auch weiterhin mit einer guten Entwicklung der Samtgemeinde auf Grundlage des nun vorliegenden Einzelhandelskonzepts. Im Anschluss an die BBE-Präsentation gab Udo von Bothmer einen historischen Überblick über das Schwarmstedter Baugebiet Mönkeberg. Dabei erinnerte er auch an die Ansiedlung der beiden Märkte Lidl und REWE. Portfoliomanagerin Yasemin Yilmaz stellte die Weiterentwicklung des Schwarmstedter Lidl-Markts nach aktuellem Konzept vor. Der zuständige Architekt Helmut Klaassen aus Braunschweig erläuterte die Idee, den bestehenden Markt abzureißen und – um 90 Grad gedreht – neu aufzubauen. Die dazugehörigen Parkplätze würden dem größeren Raumbedarf neuerer Fahrzeuge angepasst. David Osthof von ALDI Nord erklärte: „Wir fühlen uns an dem neuen Standort deutlich wohler als am Schienenweg.“ Er berichtete vom großen Investitionsprogramm für alle ALDI-Märkte. Bezogen auf den Standort Schwarmstedt seien keine äußerlichen baulichen Veränderungen am Gebäude geplant, versicherte er. Als dritter im Bunde informierte Torsten Grünhagen als einer der Geschäftsführer des Kaufhauses GNH in Walsrode die Ratsversammlung über Pläne zur Einrichtung einer Filiale in Schwarmstedt. „Wir möchten auch hier mit den anderen Geschäftsleuten zusammenarbeiten und den Standort Schwarmstedt gemeinsam nach vorne bringen“, versprach er. Auf einer Verkaufsfläche von 1140 Quadratmetern plant die GNH GmbH im ehemaligen Penny-Markt-Gebäude zwischen Moorstraße und Kastanienweg mit einem erweiterten GNH-Sortiment zu punkten. So beispielsweise mit einem Spielwaren-Bereich, einer Wäscheabteilung, Schreibwaren und Büchern. Er könne sich vorstellen, zirka zehn Vollzeitmitarbeiter in der Schwarmstedter Filiale zu beschäftigen, erklärte Torsten Grünhagen. Einen Zeitrahmen für den Start der GNH-Filiale konnte er noch nicht nennen. Gemeindedirektor Björn Gehrs zog nach den Präsentationen folgendes Fazit: „Gegenteil von Stillstand ist Schwarmstedt.“