Schuhe ausziehen für die Kunst

Lars Klingbeil ließ sich gern die Projekte der Kinder zeigen.

Lars Klingbeil besucht die Kunstschule PINX in Schwarmstedt

Schwarmstedt. „Du musst jetzt die Schuhe ausziehen," sagt Talina Sölter (zwölf Jahre) zu Lars Klingbeil. „Die Socken auch?" „Ja die auch." Lars Klingbeil gehorcht. Dann stellt er sich vor ein großflächiges Bild: ein Sonnenuntergang über dem Meer. Er legt seine linke Hand auf eine kleine Aluminiumfläche am Rand des Bildes, und dann tritt er mit den Füßen auf die Alufolie vor ihm auf dem Boden. Ein Stromkreis schließt sich und aus einem Lautsprecher ertönt Meeresrauschen. Lars Klingbeil ist beeindruckt. In der diesjährigen Sommerferien-Projektwoche der Kunstschule PINX haben sich 19 Kinder mit dem computergestützten Erfinder-Werkzeug Makey Makey beschäftigt und kreative und interaktive Kunstwerke geschaffen. Dank der Projektförderung durch die VGH Stiftung konnten die Kinder kostenfrei an der Projektwoche teilnehmen und so selbst gebastelte Trommeln und Harfen, aber auch Bilder mithilfe von Stromkreisen mit den unterschiedlichsten Geräuschen verknüpfen. Die Kinder haben die Sounds selbst aufgenommen oder zum Teil im Internet gefunden. „Wir verbinden Physik und die Arbeit mit einem Computer mit künstlerischer Gestaltung" erklärt PINX-Geschäftsführer Henrik Berthold die Arbeit mit dem Programm. „Dabei achten wir wie in allen unseren Kursen darauf, dass wir den Kindern nur den kreativen Raum und das Material anbieten. Sie können sich darin selbst ausprobieren, ohne dass wir das Ergebnis bewerten", berichtet er über das pädagogische Konzept.
Lars Klingbeil informierte sich im Rahmen seiner Sommertour über die Arbeit der Schwarmstedter Kunstschule PINX. Mittlerweile ist die Schule 26 Jahre alt und eine von 40 Kunstschulen in Niedersachsen. Derzeit geben zwölf Dozenten Kurse, die wöchentlich etwa 150 Personen, insbesondere Kinder und Jugendliche besuchen. Dazu werden Kurse in Schulen und Kitas sowie Fortbildungen für Erwachsene im Bereich ästhetische Bildung durchgeführt.
„Die Arbeit ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, insbesondere auch durch Projekte, die mit Bundes- und Landesmitteln gefördert werden,“ sagt der Vorsitzende des PINX-Vereins Sven Quittkat. „Ohne eine hauptamtliche Geschäftsführung wäre das nicht mehr zu leisten.“ „Dadurch schaffen wir es aber auch, dass Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Landkreisen unsere Angebote nutzen können“, ergänzt Henrik Berthold. „Wir können so im ländlichen Raum kulturelle Teilhabe ermöglichen und viele Kinder an künstlerische Ausdrucksformen heranführen.“
Nachdem Lars Klingbeil bei den Jungen noch eine selbst gebaute E-Gitarre und eine Trommel ausprobiert hat, zieht er sein persönliches Fazit: „Es ist gut, dass wir eine solche Institution wie die Kunstschule PINX bei uns im ländlichen Raum haben. Kunst muss hier fest verankert sein. Ihr leistet dafür einen tollen Beitrag!“