Silvia Genz und Nils Rohwer besuchten den Kirchenkreis Walsrode

Vizepräsidentin Silvia Genz (Brasilien), Superintendent Ottomar Fricke und Bischof Nils Rohwer (Südafrika) in der Walsroder Superintendentur
 
Vizepräsidentin Silvia Genz (Brasilien), Superintendent Ottomar Fricke und Bischof Nils Rohwer (Südafrika) im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen
Walsrode. Vor kurzem hatte der Kirchenkreis Walsrode hochrangigen Besuch aus der Ökumene: Silvia Genz, die Vizepräsidentin der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) und Bischof Nils Rohwer von der Evangelisch-lutherischen Kirche im südlichen Afrika/Kapkirche (ELKSA) wollten hier das kirchliche Leben in Deutschland sowie die Organisation und Arbeit in Kirchenkreis und Gemeinden kennen lernen. Sie kamen auf Einladung
des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Hermannsburg, das kirchenleitende Persönlichkeiten aus aller Welt zu gemeinsamen Konsultationen zusammenbrachte. Rückblickend berichtet Silvia Genz von der Einsicht, dass Kirche weltweit sehr unterschiedlich strukturiert sein kann, dennoch bewegen die Menschen vielfach dieselben Fragen, auf welche Christen gemeinsam nach Antworten suchen. Nils Rohwer staunte über das umfangreiche Angebot an fachlich spezialisierter Beratung und Seelsorge. Auf das Diakonische Werk, die Lebensberatung und Krankenhausseelsorge, welche
in Walsrode neben einer evangelischen Kindertagesstätte und dem Geistlichen Rüstzentrum Krelingen auf dem Besuchsprogramm standen, könne man schon neidisch werden, verriet der Bischof. In Südafrika liegen alle diese Aufgaben bei den einzelnen Gemeindepfarrern. Worauf er allerdings nicht neidisch sei, fügte er schmunzelnd hinzu, sei die viele Verwaltungsarbeit, welche die Geistlichen hier zu leisten haben. Ein großer Unterschied liege auch in der Gemeindegröße: Während in der Hannoverschen Landeskirche die Einheiten immer größer werden, so dass ein Pastor mit vollem Dienstumfang mittlerweile für ca. 3000 Gemeindeglieder zuständig ist, solle in Südafrika keine einzelne Gemeinde mehr als 600 Mitglieder umfassen. „Mehr kann ein einzelner Mensch doch nicht im Blick behalten“, so Rohwer. Ein Thema, das alle internationalen Gäste der Herrmannsburger Konsultation diesmal beschäftigte, war die Homosexulität. Bei zahlreichen Partnerkirchen stößt es auf Irritation, wie liberal die deutsche Kirche mittlerweile damit umgeht, während in dem Partnerländern Homosexualität teilweise noch strafrechtlich verfolgt und auch von den Kirchen als Sünde angesehen wird. Doch beide Gäste empfanden es als hilfreich, über die unterschiedlichen Positionen ins Gespräch zu kommen. Superintendent Ottomar Fricke gibt im Gespräch zu bedenken, dass sich die Position der deutschen Kirchen auch im Laufe der gesellschaftlichen Debatte der letzten Jahrzehnte sehr stark entwickelt habe. Silvia Genz kommt zu dem Schluss, dass man sich über alle Grenzen hinweg mehr darüber unterhalten sollte, was sowohl für die Kirche als auch die Welt das Beste ist und wie Menschen miteinander umgehen können. Dies entspricht auch dem heutigen Verständnis christlicher Mission. Anders als in landläufigen Klischees bedeutet Mission längst nicht mehr wie in der Zeit des Kolonialismus, dass der weiße Mann Eingeborenen erklärt, was Richtig und Falsch sei. Mission bedeutet heute, auf einander zu hören und von einander zu lernen. Deshalb lautet das Motto des Hermannsburger Missionswerks: „Partner in Mission“.