SPD: „Nichts unversucht gelassen"

Maßnahmenkatalog gegen Hausärztemangel

Schwarmstedt. Das Thema Hausärztemangel beschäftigt die Samtgemeinde
und die SPD Schwarmstedt schon seit Jahren. Nichts unversucht wurde
hierbei gelassen, um neue Hausärzte für unsere Region zu finden. Die
Maßnahmen reichen von kommunalen Darlehen zur Praxisgrùndung bis zur
Internetseite www.aerzte-fuer-schwarmstedt.de. Auch Experten der KVN
oder aber der SPD-Bundestagsfraktion standen in Schwarmstedt Rede und
Antwort. Zwar sind vereinzelt Erfolge der gemeinsamen Anstrengungen
vor Ort zu verzeichnen. Die Versorgung mit Hausärzten bleibt aber
nicht nur im Aller-Leine-Tal, sondern auch im Heidekreis ein Problem
und der steht damit in Niedersachsen nicht allein. Nun reagiert auch
die Landespolitik. Die
SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag hat sich diesem Thema
angenommen und macht Druck beim Kampf gegen den ländlichen
Hausärztemangel. "Schon heute leiden zahlreiche Regionen
Niedersachsens beträchtlich unter der Knappheit an niedergelassenen
Landärzten", sagte Uwe Schwarz, stellvertretender Vorsitzender und
sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, am Donnerstag vor
Journalisten in Hannover. Dabei sei die reine Zahl niedergelassener
Ärzte in den vergangenen Jahren nicht gesunken, es sei nach Angaben
der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) sogar eine leichte Zunahme zu
verzeichnen gewesen. "Diese Mediziner haben sich aber zumeist in
bevölkerungsreichen Räumen angesiedelt. Und auch die Zahl der
Fachärzte stieg an. Der Landarzt als erster Ansprechpartner der
Bevölkerung in der Fläche wird langsam zum Auslaufmodell", sagte
Schwarz. Um dieser Entwicklung zu begegnen, schlägt die SPD-Fraktion
ein Maßnahmenbündel vor. „Wir fordern nicht mehr Geld für das System. Es geht um eine Umsteuerung, um eine Verbesserung der Attraktivität des
Landarztberufes. Wir fordern die Landesregierung deshalb auf, ein
Anreizsystem an den Universitäten zu etablieren, um mehr Studenten für
eine Spezialisierung im Bereich Allgemeinmedizin zu gewinnen. Dies
kann etwa in Form eines Stipendienfonds geschehen", regte der
SPD-Experte an. Dieses müsse Hand in Hand gehen mit einem Ausbau der
Lehrstühle für Allgemeinmedizin. An Niedersachsens Krankenhäusern sollten zudem mehr Weiterbildungsstellen für Hausärztinnen und Hausärzte geschaffen
werden. Akademische Lehrkrankenhäuser der Medizinischen Hochschulen
sollten nur noch dann anerkannt werden, wenn in ihnen eine
Mindestanzahl von Weiterbildungsstellen, Praktikums- und
Hospitationsstellen für Hausärztinnen und Hausärzte vorhanden ist.
"Vergütungsunterschiede bei der Weiterbildungsförderung zwischen
ambulantem und stationärem Bereich sind anzugleichen. Auch die
Umschulung von Fach- zu Hausärzten darf künftig kein Tabu mehr sein",
fügte der SPD-Sozialexperte hinzu. „Bei den Ärztekammern werden zahlreiche Mediziner als "ohne Tätigkeit" geführt. Unter ihnen müssen diejenigen Ärztinnen und Ärzte identifiziert und aktiviert werden, die für eine Niederlassung in
Betracht kommen", führte Schwarz weiter aus. Die Kommunen in
unterversorgten Gebieten müssten vom Land Beratung erhalten, wie sie
vor allem Allgemeinmedizinerinnen zur Niederlassung bewegen könnten.
Zudem könne das Land spezielle Programme für Existenzgründerinnen
anbieten, die sich auf dem Lande niederlassen wollten.
„Medizin wird weiblich", sagte Schwarz. Mehr als 60 Prozent der
Studierenden an Medizinischen Hochschulen seien heute Frauen. Damit
verändern sich auch die Entscheidungskriterien für oder gegen eine
Niederlassung als Allgemeinmedizinerin auf dem Lande. Strukturpolitische Maßnahmen der Städte und Gemeinden zur Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur beispielsweise im Kita- und Schulbereich gewinnen deshalb stark an Bedeutung. Hierin liegt für Schwarmstedt eine Chance, erläutert Björn Gehrs, der als Schulausschussvorsitzender die Einführung von Ganztagsschulen mit
vorangetrieben hat. „Mit unseren Krippenangeboten,Ganztagsschulen und
der KGS einschließlich gymnasialen Zweig bietet die Samtgemeinde
Schwarmstedt viel mehr als andere vergleichbare ländliche Kommunen",
ist sich Gehrs sicher.