Stellungnahme zur Hähnchenmastanlage

Rat Gilten äußert sich erneut gegenüber dem Landkreis Nienburg

Gilten. Der Rat der Gemeinde Gilten hat in seiner jüngsten Sitzung eine Stellungnahme zu den derzeit ausliegenden Unterlagen zum Bau von
zwei Hähnchenmastställen verabschiedet. Die Antragsunterlagen liegen auf Veranlassung des Landkreises Nienburg/Weser noch bis zum 27. Juli öffentlich aus. Interessierte Bürger können diese also derzeit noch im Rathaus von
Schwarmstedt einsehen und eine eigene Stellungnahme abgeben. Über
Einwände und das Bauverfahren entscheidet der Landkreis Nienburg als
zuständige Baubehörde.
Der Rat Gilten hat am Montag nach Beratung folgende Stellungnahme zur öffentlichen Auslegung der Antragsunterlagen beschlossen: Um frühzeitig auf die Bedenken hinzuweisen, hat der Rat der Gemeinde Gilten in seiner Sitzung vom 13. Dezember 2011 einen Beschluss zum geplanten Bau zweier Mastställe in der Gemeinde Rodewald verabschiedet. Der Beschluss wurde dem Landkreis Nienburg/Weser mit Schreiben vom 14. Dezember mit der Bitte übersandt, die Bedenken im weiteren Verfahren zu berücksichtigen. Da das Flurstück, auf dem die beiden Mastställe entstehen sollen, direkt an die Gemeinde Gilten grenzt, ist die Gemeinde in besonderem Maße betroffen. Hinzu kommt, dass die geplanten Ställe in der hauptsächlich vorherrschenden westlichen Windrichtung zu den Ortsteilen Hufe, Nienhagen und Suderbruch der Gemeinde Gilten liegen. Aus den nun offiziell ausliegenden Antragsunterlagen ist nicht erkennbar, dass die vorgebrachten Bedenken der Gemeinde Gilten bisher berücksichtigt wurden. Der Rat der Gemeinde Gilten nimmt die öffentliche Auslegung der Antragsunterlagen deshalb erneut zum Anlass, seine Bedenken in das Verfahren einzubringen, da der geplante Bau der Hähnchenmastställe mit derzeit unkalkulierbaren Risiken für die
Bewohner unserer Gemeinde verbunden ist. Der Rat der Gemeinde Gilten erhebt insbesondere aus folgenden Gründen Bedenken gegen das Vorhaben: Unzureichende Filterung der Abluft. Da keine ausreichenden Filter vorgesehen sind ist davon auszugehen, dass in erheblichem Umfang Keime (u.a. multiresistente Keime, sog. MRSA) in die Ortslagen Hufe, Nienhagen und Suderbruch gelangen. Neben den Bewohnern der Gemeinde könnten hiervon auch die Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe der Gemeinde betroffen sein (u.a. Spezialbetriebe mit erheblichem Flächenumfang an Sonderkulturen wie Heidelbeeren oder Erdbeeren in
Nienhagen, ökologisch wirtschaftende Betriebe in Suderbruch etc.). Die
Unbedenklichkeit des Vorhabens für die Anwohner wie für die landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen ist daher über ein Keimbelastungsgutachten sicher zu stellen. Belastung der in unmittelbarer Nähe liegenden naturnahen Waldflächen
in der Gemarkung Suderbruch durch die starken Ammoniumdepositionen aus
der Abluft der geplanten Hähnchenmastställe. Die Unbedenklichkeit für
die naturnahen Waldflächen ist seitens der Antragsteller nachzuweisen.
Abfluss von durch mit Keimen belastetem Wasser aus dem Dachwasser der
geplanten Hähnchenmastställe in den angrenzenden, ständig Wasser
führenden Graben. Der Graben ist Zubringer für die Alpe. Die Alpe ist
Fischgewässer. Die Unbedenklichkeit für das Fischgewässer ist durch
ein Keimbelastungsgutachten sicherzustellen. Belastung des Hühnertrockenkotes aus den geplanten Hähnchenmastställen mit andernorts festgestellten Antibiotika und nachfolgende Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen. Die äußerst hohe und zum Teil unerlaubte Anwendung von Antibiotika in Hähnchenmastställen wird durch eine am 3. Juli 2012 veröffentlichte Studie in Nordrhein-Westfalen
erneut belegt (siehe hierzu „Antibiotika in der Tierhaltung: Neue
Ergebnisse von Stichprobenuntersuchungen in Nordrhein-Westfalen“). Die
Unbedenklichkeit des Hühnertrockenkotes ist vom Antragsteller zu
belegen.
Fehlender Hochwasserschutz. Das Flurstück ist derzeit nicht
hochwassergeschützt, da der Deich in der Gemeinde Gilten, der auch das
betreffende Flurstück für den geplanten Bau der zwei
Hähnchenmastställe schützt, voraussichtlich erst Ende 2013 fertig
gestellt sein wird.
Beeinträchtigung des Tourismus. In Suderbruch und Nienhagen betreiben
mehrere Familien gut gehende Ferienwohnungen, deren Angebot durch die
zuvor aufgeführten Belastungen gefährdet wird.
Mangelhafte verkehrliche Erschließung, weil die Gemeindestraße
„Hufeweg“ in der Gemarkung Suderbruch als „zweite mögliche
Streckenvariante zur B 214“ wegen der Begrenzung auf 7,5 t
ausscheidet und ausschließlich land- und forstwirtschaftlichen Verkehr
zulässt und auch die Hauptzufahrt nach Westen in Richtung Rodewald
augenscheinlich nicht den notwendigen Ausbauzustand besitzt.
Schlussbemerkung: Die landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebe mit ihren vielfältigen Strukturen sind ein wichtiges Standbein unserer Gemeinde.
Wie in seinem Beschluss vom 13. Dezember 2011 legt der Rat der Gemeinde
Gilten deshalb abschließend Wert auf die Feststellung, dass sich die
oben aufgeführten Einwände aufgrund der besonderen Bedingungen in der
konventionellen Hähnchenmast speziell auf den beantragten Tierstall
beziehen."