Thomas Rupf begeistert in Schwarmstedt

Jürgen Hildebrandt (Schatzmeister), Heinz-Jürgen Behrens (jetzt ehemaliger 1. Vorsitzender), Nicole Mittelstaedt (Beisitzerin und PaC Managerin der Samtgemeinde), Referent Thomas Rupf, Sieglinde Wegener (Beisitzerin) und Volker Banschbach (neuer 1. Vorsitzender) freuten sich über den gelungenen Vortrag.

Sehr gut besuchter Fachvortrag des Präventionsrates

Schwarmstedt. Die Nachricht, dass Thomas Rupf in den Uhle-Hof kommt, sorgte dafür, dass der Veranstaltungsraum um 19 Uhr fast komplett besetzt war. Viele Erzieher und Sozialpädagogen, aber auch Lehrkräfte und Eltern wollten wissen, wie man mit kleinen „Wutzwergen“ fertig werden kann, ohne die Nerven zu verlieren.
Kurz davor, die Gelassenheit zu verlieren, waren zu diesem Zeitpunkt allerdings die Vorstandsmitglieder des Schwarmstedter Präventionsrats, die den bekannten Referenten eingeladen hatten, denn er war nicht da. Gab es ein grundsätzliches Problem, vielleicht einen Irrtum beim Termin, oder lediglich eine Verspätung? Schließlich reiste der in ganz Deutschland tätige Diplompädagoge von weit her an. Was wollte man mit den zum Teil auch aus der weiteren Umgebung angereisten Zuhörern machen? Aus einem Buch von Thomas Rupf vorlesen? Das ginge vielleicht zur Überbrückung... Die Gäste bekamen es nicht mit, wie erleichtert die Verantwortlichen waren, als Thomas Rupf um kurz nach 19 Uhr im Uhle-Hof ankam und „nur“ durch die einmal mehr so schlechte Verkehrssituation nicht ganz pünktlich sein konnte.
Heinz-Jürgen Behrens begann dann auch sofort mit der Begrüßung und ließ keine Zweifel daran, dass der Präventionsrat den Gästen nicht nur ein einmaliges Erlebnis mit einem bekannten Referenten bieten will, sondern das Ziel hat, mit seinen vielfältigen Aktivitäten die Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Die Tatsache, dass man dabei ein besonderes Augenmerk auf die Eltern und die Kinderkrippen und Kindergärten wirft, sei nur sinnrichtig, denn dort würden die Grundlagen der Erziehung gelegt. Thomas Rupf solle den Erziehenden helfen, so Behrens, gesund durch den Alltag zu kommen, ihren „Wutzwergen“ Grenzen zu setzen. Rupf erläuterte zu Beginn seines Vortrags, dass Wut, Freude oder Aggressionen gesunde Formen von Emotionen sind. Expressive, angstmotivierte, frustmotivierte, kollektive und autoaggressive Aggression wurden von ihm verständlich analysiert und mit Beispielen und einer gehörigen Portion Humor so vorgestellt, dass die Zuhörer trotz des ernsten Themas oft gelacht haben.
Der Referent machte in seiner eigenen Art, die auch in Schwarmstedt sehr gut ankam, klar, dass alle diese Verhaltensweisen bei Kindern und auch bei den Erwachsenen einfach dazu gehören. Jeder hätte das Recht so zu sein, wie er ist, die Emotionen auszuleben, solange er damit anderen nicht ernsthaft schade. Rupf machte den Gästen deutlich, dass jedes Kind ein kleiner Wutzwerg sei, bei den einen sei es allerdings sofort offen erkennbar, bei den anderen verdeckt. Die ersteren schlagen Türen, schmeißen sich vor der Supermarktkasse auf den Fußboden oder müssen sich übergeben, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen. Verdeckte Wutzwerge weisen Aggressionen wie Ironie auf, sie seien Trödler, reagieren einfach nicht, sagen nichts oder brechen Beziehungen einfach ab. Kinder grenzen einzelne beim Spielen aus, Erwachsene grüßen bestimmte Menschen einfach nicht mehr.
Erziehende müssen diesen Frust aushalten, was nicht immer einfach erscheint, denn die Frustrationstoleranzgrenze ist heute oft sehr niedrig, so dass es manchmal einen Anfall nach dem anderen gibt. Die Kinder müssten lernen, über Wut zu sprechen, mehr auszuhalten. Wenn sie jedoch noch jung sind und im Affekt handeln, muss man als Erwachsener einschreiten, da das Kind nicht erleben darf, dass es mit seinen Wutattacken seine Ziele erreicht; also zum Beispiel an der Kasse eine Süßigkeit „erkämpft“. In solchen Situationen müsse man mit aller Kraft dagegenhalten, so Rupf; ein Nachbesprechen im Anschluss sei hingegen nicht sinnvoll. Die Grenzsetzung müsse klar sein, das Kind darf nicht lernen, mit seiner Wut durchzukommen.
Ganz wichtig sei es dabei, dass die Erziehenden alles, was sie sagen, dann auch umsetzen. Man dürfe nie fragen, ob es in Ordnung sei oder ob man es gemeinsam will, sondern müsse klare Vorgaben machen. Alles andere führe zu einem Autoritätsverlust. Eltern und Erziehende dürften dabei auch selbst wütend sein. Sie müssen unbedingt authentisch sein, aber nie abwertend. Und sie sollten nur mit Dingen drohen, die sie dann auch einhalten können und wollen. Die Kinder und Jugendlichen brauchen Sicherheit. Sie müssen spüren, dass die Erwachsenen wissen, was sie tun. Eine Herausforderung sei es dabei, die Empathiefähigkeit zu steigern, denn durch die PC-Spiele, in denen Blut und Schreie die Handlung begleiten, verwischen die Grenzen dessen, was man ohne Grenzüberschreitung tun darf. Gut sei, wenn die ausgesprochenen Sanktionen einen Bezug zum Fehlverhalten hätten. Wenn das Kind also zum Beispiel durch bewusstes Trödeln vor dem Schlafen gehen die Zeit verstreichen lässt, ist ein Fernsehverbot am nächsten Tag nicht so gut wie das Weglassen der Gute-Nacht-Geschichte gleich danach.
Thomas Rupf schaffte es, die Schwarmstedter in seinen Bann zu ziehen. Große Begeisterung für die so anschaulich und unterhaltsam vorgetragenen Tipps verdeutlichten sich durch lang anhaltenden Beifall, durch viele Fragen und Gespräche nach dem Vortrag und schließlich auch durch die Bitte der Vorstandsmitglieder, doch unbedingt im nächsten Jahr wieder zu kommen.