Tjark Ommen muss seine „Nummer 1“ gehen lassen

Geschenke für die neue Aufgabe gab es für Timo Heiken.
 
Gymnasialzweigleiter Timo Heiken, Gesamtschuldirektor Tjark Ommen und Oberstufenkoordinator Jan Stünkel nach dem ersten Abitur 2011.

Emotionaler Abschied von Gymnasialzweigleiter Timo Heiken

Schwarmstedt. Als Timo Heiken am 2. Februar 2009 sein Amt als Gymnasialzweigleiter an der Wilhelm-Röpke-Schule antrat, war sein wichtigstes Ziel, die Schule auf das erste Abitur im Frühsommer 2011 vorzubereiten. Nicht nur diese Aufgabe hat er mit Bravour erfüllt. Viele Tätigkeiten waren zu erledigen, viele Klippen zu umschiffen, aber letztendlich gelang eigentlich immer alles so, wie es sich Schüler, Eltern und Kollegen gewünscht haben. Timo Heiken war korrekt, kompetent und immer auf Ballhöhe, arbeitete mit allen und besonders mit Gesamtschuldirektor Tjark Ommen, der 2010 die Leitung der KGS übernahm, und mit Oberstufenkoordinator Jan Stünkel vertrauensvoll und effektiv zusammen. Egal wie klein das gemeinsame Büro auch war und wie groß die Herausforderungen.
Aber es gab immer auch einen zweiten Timo Heiken. Den Timo Heiken, der beim Abiball als einer der letzten das Zelt verließ, nicht ohne eine Schar von Abiturienten und Lehrkräften mit nach Hause zu nehmen. Timo Heiken, der als Gary Barlow mit Robby Williams alias Tjark Ommen voller Inbrunst „Shame“ ins Mikrophon sang oder andere unvergessene Lieder, die er als kleiner Junge im Kindergarten nicht vorsingen durfte.
Bemerkenswert war, dass der scheidende Gymnasialzweigleiter die eine und die andere Rolle so komplett voneinander abgrenzen konnte. Und trotzdem alles so perfekt war, sucht Heiken jetzt neue Herausforderungen; er wollte immer schon Schulleiter sein, und als die IGS Langenhagen einen neuen Gesamtschuldirektor suchte, bewarb er sich und wurde, wie sollte es anders sein, auch ausgewählt.
Wie aber verabschiedet man ein so beliebtes und besonderes Schulleitungsmitglied? Natürlich mit einer Party. Heimlich, ohne dass er irgendetwas mitbekam, wurden die Kollegen, die Schüler und die Abiturienten der vergangenen fünf Jahre informiert, die Party konnte steigen. Als seine Frau Ina, die ihn eigentlich zum Bahnhof fahren sollte, ihn zur abgedunkelten Mensa brachte, konnte Timo Heiken nicht glauben, was ihn dort erwartete. Die Mensa war voller Kollegen, Schüler und Ehemaligen, die mit Feuerzeug oder Teelicht in der Hand für ihren Timo Spalier standen und ihn mit der Musik der Serie Star Trek auf die Bühne begleiteten. Auf diese Serie nahm Ommen in seiner Rede auch zunächst Bezug und vergleicht die Szene als Captain Jean-Luc Picard seine Nummer 1 William T. Riker verabschieden musste, weil dieser ein eigenes Raumschiff übernehmen wollte, mit der derzeitigen Situation.
„Das, was sich durch alle Serien und Folgen zieht“, so Ommen, „ist die tiefe innere Verbundenheit und Freundschaft. Der eine würde für den anderen durchs Feuer gehen oder auch mal das Feuer auf sich ziehen. Beide sind sich in vielen Punkten ihrer Persönlichkeit ähnlich, was es auch nicht immer leichter macht. Beide wollen immer nur das Gute für das Schiff, auch wenn sie manchmal verschiedener Ansicht sind.“
Ommen wünschte Heiken im neuen Kollegium Loyalität und Vertrauen, war sich aber sicher, dass er dies mit seiner Mischung aus Charme und Kompetenz sehr schnell aufbauen kann und sein neues Kollegium sich genauso wohl bei ihm fühlen wird, wie es das jetzige immer getan hat.
Sein „alter“ Chef warnte ihn vor der Einsamkeit an der Spitze und bot ihm an, mit ihm gemeinsam einsam zu sein. Er wünschte Ruhe, Gelassenheit, Geduld, Mut und Emotion für seinen Traum als Schulleiter, und eine ganz stabile und dicke Rüstung, die ihn vor Verletzungen bewahren kann. Er machte ihm aber auch Mut für den schönsten Job der Welt. Schulleiter zu sein eröffne die Möglichkeiten, für Kinder und Jugendliche eine Schule zu schaffen, die sie auffängt, die sie trägt, die ein Stück Heimat für sie ist.
Ommen bedankte sich im Namen der KGS Schwarmstedt für die sieben Jahre an der Schule, insbesondere für die Einführung der Oberstufe und des Abiturs, ein Erbe, das er für alle Ewigkeit hinterlassen wird. Im Anschluss erinnerte sich Oberstufenkoordinator Jan Stünkel an die harmonische, effektive Zeit mit seinem Chef. Fünfeinhalb Jahre haben die beiden zusammengearbeitet, ganze drei Jahre lang als „Bürosymbionenten“. Beide Biologie- und Sportlehrkräfte wussten genau, dass Symbiose ein Zusammenleben verschiedener Organismen ist, das für beide Partner vorteilhaft ist. Stünkel bezeichnete es zurückblickend als besondere, außergewöhnliche, abwechslungsreiche, erfolgreiche, erfreuliche, inspirierende Zusammenarbeit, die ihm großen Spaß bereitet hat. Insbesondere die Abiturprüfungsphase sei alljährlich eine große Herausforderung gewesen, immer unter Zeitdruck, „manchmal auch bis in die Nacht und ohne Rücksicht auf die eigenen Ressourcen. Im Ergebnis von unserem Schulleitungsteam, vielen Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern sowie von den Eltern als tolle Leistungen gewürdigt. Insbesondere der Schulleiter hat in seiner Rede anlässlich des ersten Abiturs unsere Arbeitsweise trefflich formuliert: 'in militärischer Präzision'.“
Der Oberstufenkoordinator ging darauf ein, dass im Laufe der Zusammenarbeit nicht nur vom förmlichen „Sie“ zu einem freundschaftlichen „Du“ gewechselt wurde; es entwickelte sich auch eine Freundschaft, die über das schulische Zusammenarbeiten weit hinausging. Stünkel schloss seine immer wieder von Applaus unterbrochene Rede mit den Sätzen: „Imponiert haben mir Deine tolle Persönlichkeit, Dein Pflichtbewusstsein, Deine Konsequenz und Dein Durchhaltevermögen. Es war eine Freude mit Dir zusammenzuarbeiten. Bewahre Dir Deine Tugend! Ich wünsche Dir ein tolles Schulleitungsteam, viele nette Kolleginnen und Kollegen, Fingerspitzengefühl, vor allem aber viel Glück und Gesundheit.“
Kollegin und Schulpastorin Uta Feddersen schloss sich an und Musiklehrer Johnny Groffmann sang und spielte am Flügel „Vielen Dank für die Blumen“. Auch aus dem elften Jahrgang gab es ein Geschenk und die Schülerinnen Jana Marie Schwabe, Xenia Dippel und Jana Gutzeit sangen für ihren Schulzweigleiter. Nachdem die verbleibenden Schulleitungsmitglieder verbunden mit den besten Wünschen einen Füller und eine Aktentasche für den neuen Job überreicht hatten, ergriff Timo Heiken selbst das Wort. Seine Rede hatte er eigentlich für den letzten Schultag vorbereitet; sein Sohn, der eingeweiht war, hatte sie mit in die Mensa geschmuggelt. Heiken berichtete von seinem langjährigen Wunsch, Schulleiter zu werden, von den Herausforderungen in Schwarmstedt, auch mit dem Wechsel der kompletten Schulleitungsrunde um ihn herum. Er resümierte: „Neben dem Abitur haben wir aber auch weitere Großbaustellen in Angriff genommen: Da war die Einführung des Faches Spanisch ab Klasse sechs. Da war der Versuch der Einführung eines anderen Rhythmisierungsmodells. Da war die Einrichtung eines alternativen Praktikums an der Leuphana Universität. Da war die Etablierung einer Berufsorientierung in der gymnasialen Oberstufe mit OBIT und AC. Da war die Aufnahme von Inklusionskindern, Flüchtlingen und die absurde Situation, dass wir fast nicht alle Schwarmstedter Kinder hätten aufnehmen können, weil wir so beliebt sind, dass auch viele landkreisfremde Kinder zu uns kommen sollen.“ Ein großes Pensum, das erledigt wurde, nicht ohne Schrammen, aber letztlich zum Wohle der Schüler. Heiken sprach von den Veränderungen, die ihn erwarteten, dem längeren Schulweg, der Tatsache, dass seine eigenen Kinder nicht mehr auf seine Schule gehen, dass er beim Einkaufen nicht mehr seine Schüler trifft und dass bald keine Schülergruppen mehr an seinem Haus vorbeipilgern, um zu sehen, wo denn der Chef wohl wohnt.
Der Schulzweigleiter resümierte: „Mir ist klar, dass ich sehr viel aufgebe, ich denke aber auch, dass ich sehr viel gewinne. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Sie mir alle viel Glück und Erfolg sowie Zufriedenheit wünschen, und dass Sie mir alle versichert haben, dass Sie mich verstehen können, auch wenn Sie es traurig finden, dass ich gehen werde. Glauben Sie mir, wenn ich sage, ich habe die Zeit mit Ihnen genossen.“
Nach diesen emotionalen Programmpunkten konnte man sich bei einem leckeren Büfett stärken und den Abend genießen. Mit Musik, mit Tanz und natürlich mit den traditionellen Gesangseinlagen. Als Timo Heiken spät in der Nacht als einer der letzten die Mensa verließ, nahm er auch dieses Mal, ein letztes Mal, wieder eine Schar von Abiturienten und Lehrkräften mit nach Hause und feierte dort mit ihnen bis in den frühen Morgen weiter.