Toter Deutscher auf Madagaskar ermordet?

Heidekreis. Eigentlich polizeilich eine Routinesache: Ein Deutscher stirbt im Ausland, Angehörige sind hier zu benachrichtigen. Wurde er dort umgebracht, sind weitere Formalitäten abzuklären. Soweit so gut. Was aber, wie in diesem Fall, wenn
festgestellt wird, dass der jetzt auf Madagaskar in seinem Haus erstochene 62-jährige Mann bereits 2010 hier im Heidekreis gestorben ist? Die Recherchen der Polizei bringen schließlich Licht in die Angelegenheit. Vor über 20 Jahren war der jetzt 55-jährige Ermordete straffällig geworden und hatte andere Ganoven bei der Polizei schwer belastet. Um ihrer Rache zu entgehen half ihm sein Bruder sinngemäß: „Nimm meinen Reisepass und geh dahin, wo der Pfeffer wächst!“ So
wanderte der Mann mit den Personalien seines Bruders nach Madagaskar aus. Dort fuhr er Busse und führte Touristengruppen, kaufte Land, machte einen kleinen Laden auf, baute ein Haus, heiratete eine Einheimische, bekam Kinder... Der Bruder hier in Deutschland starb 2010 nach schwerer Krankheit. Im Januar wurde nun der andere in seinem Haus auf Madagaskar erstochen. Ein ermittelter Tatverdächtiger aus dem Nachbardorf ist inzwischen festgenommen und geständig. Die deutsche Gründlichkeit brachte es nun an den Tag. Sterbe- und Geburtsurkunden der Gebrüder sind den Behörden auf Madagaskar zugeleitet worden. Hoffentlich sind die dortigen Ermittlungsbehörden mit dieser verwirrenden Geschichte nicht überfordert.