Wandern, wo die Schnucke grast

Heidschnuckenweg wird im Juli eröffnet

Heidekreis. 223 Kilometer ist er lang, und über weite Strecken führt er durch Europas größte zusammenhängende Heidelandschaft – der Heidschnuckenweg, der als zertifizierter Wanderweg am 7. Juli dieses Jahres offiziell durch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister im Rahmen eines Bürgerfestes eröffnet wird. Damit hat die Lüneburger Heide dann endlich das, was andere touristische Destinationen schon länger ausmacht und was zehntausende Menschen jährlich lockt – einen ausgewiesenen Wanderweg mit dem Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“, der die Naturräume der Heide erschließt und die Weite Norddeutschlands auf beeindruckende Weise erlebbar macht.
Dass der Wanderweg Wirklichkeit wurde, verdankt er dem besonderen Engagement dreier Landkreise und einer großen selbstständigen Stadt – dem Landkreis Harburg, dem Heidekreis, dem Landkreis Celle und der Stadt Celle. Und weil der Weg über einige Kilometer auch auf dem Gebiet der Hansestadt Hamburg verläuft, ist es sogar ein länderübergreifendes Projekt – gefördert übrigens durch die EU und die Metropolregion Hamburg. „Wir sind also nicht nur glücklich darüber, mit dem Heidschnuckenweg ein tolles Angebot für alle Wanderfreunde in Deutschland vorzuhalten, wir sind auch stolz darauf, ein touristisches Produkt präsentieren zu können, das über die Landes-, Landkreis- und Stadtgrenzen hinweg und mit Unterstützung unserer Städte und Gemeinden die gesamte Lüneburger Heide repräsentiert“, so Landrat Manfred Ostermann, der sich auch sicher ist: „Der Heidschnuckenweg wird sehr schnell und bundesweit bei allen, die gerne wandern, zu einem Begriff werden – denn die, die ihre Wanderschuhe schnüren, um bei uns zu wandern, werden die einzigartige und abwechslungsreiche Landschaft mögen.“
Eine Landschaft, die immer wieder diejenigen erstaunt, die sich unter der Lüneburger Heide nur eine weite, mit Heidekraut bewachsene Ebene vorstellen – eben Flachland, so weit das Auge reicht. Doch die Lüneburger Heide – sie ist landschaftliche Vielfalt, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt. „Hinterm Horizont geht’s weiter“ – Udo Lindenbergs Lebensphilosophie bekommt mit dem Heidschnuckenweg einen neuen Sinn. Denn so weit der Horizont in der norddeutschen Tiefebene mitunter auch zu reichen scheint – langweilig ist die Geestlandschaft mit ihren eiszeitlichen Höhenzügen, den Heideflüssen und Bachtälern, den weitläufigen Wäldern, den Wiesen und Feldern nie.
Und dies zu allen Jahreszeiten! Denn wer auf den weißen Sandwegen inmitten der lila Heideblüte in den Spätsommermonaten unterwegs ist, kommt ebenso auf seine Kosten wie der, der die Heide wintertags im Schnee, unter den weißen Wolkenbänken im Herbst oder im Frühjahr durchwandert, wenn die Lerchen den Frühling besingen und der Kuckuck ruft. Und quasi am Wegesrand wiederum laden die kleinen, aber feinen Heidedörfer mit ihren reetgedeckten Fachwerkhäusern ein zu gemütlicher Rast. Oder anders: Die Heide ist längst ein Klassiker – und der Heidschnuckenweg schon bald ein Traumpfad für Wanderer.
Konzipiert wurde die Wanderstrecke von Hans-Georg Sievers, Planer für Wandertourismus, der unter anderem auch den renommierten „Westweg“ im Schwarzwald geplant hat. Über viele Wochen hat er die möglichen Strecken erkundet und die schönsten und abwechslungsreichsten Wege zum Heidschnuckenweg zusammengeführt – möglichst naturbelassene Wege in schöner Landschaft. Für Hans-Georg Sievers muss der Heidschnuckenweg den Vergleich auch mit namhaften Wanderstrecken wie den Rothaarsteig oder Rennsteig nicht scheuen. „Ob Fischbeker Heide, Brunsberg, Büsenbachtal oder Wilseder Berg im nördlichen Teil des Weges, ob Behringer Heide, der Kreuzberg und Moorlandschaften bei Soltau, ob das wunderschöne Oertzetal, die Lutterloher oder Misselhorner Heide im Landkreis Celle oder die typischen Waldwege der Südheide – wie eine Perlenkette reihen sich Heideflächen und Wälder, Wiesen und Flusstäler aneinander“, so der Wanderexperte.
Für die Zertifizierung – derzeit nehmen im Auftrag des Deutschen Wanderverbandes Bestandserfasser den Weg auf – sind 23 Kriterien maßgeblich. Zu diesen zählen die Wegequalität, das Landschaftsbild, die Ausschilderung und Markierung, Rastplätze, die ÖPNV-Anbindung, Unterkunftsmöglichkeiten und vieles mehr. Derzeit erfolgt die Ausschilderung des Weges mit knapp 100 Wegweiserpfosten und gut 400 Wegweiserblättern durch die Bauhöfe der anliegenden Gemeinden, die Bänke werden Anfang Mai aufgestellt und zehn Informationsportale entlang des Weges im Spätsommer errichtet. Bevor das große Eröffnungsfest am 7. Juli in Wilsede steigt, findet am 6. Juli in Hermannsburg ein Symposium zum Thema „Wandern“ statt – Wanderexperten aus ganz Deutschland diskutieren zu den unterschiedlichen Aspekten des Wanderns wie Tourismus, Gesundheit, Nachhaltigkeit oder Umweltbildung. Der Name „Heidschnuckenweg“ geht übrigens auf eine Umfrage bei den Urlaubsgästen in der Lüneburger Heide zurück – er erhielt mit großem Abstand die meisten Stimmen. Das Logo des Wanderweges wiederum ist angelehnt an das der Tourismusdestination Lüneburger Heide – insofern ist der Heidschnuckenweg ein Markenzeichen mehr für die heimische Tourismusregion.