Wie im Rausch – „KlarSicht“ warnt Schüler vor Alkohol und Zigaretten

Schwarmstedt. Immer häufiger hört man von Jugendlichen, die wegen des Missbrauchs von Alkohol und Zigaretten im Krankenhaus landen, oder schlimmer, am Missbrauch der legalen Drogen sogar sterben. Gerade in ländlichen Regionen wie dem Heidekreis gehören Alkohol- und Tabakmissbrauch quasi „zum guten Ton“ und werden zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem, hinter dem häufig persönliche Tragödien stehen. Umso wichtiger ist eine frühe Aufklärung. Die Wilhelm-Röpke-Schule hat sich genau das zum Ziel gesetzt. Unter der Leitung der kompetenten Schulsozialpädagogin Gabi Wolters öffnete ein Team von Schulsozialpädagogen, Lehrkräften und Elternvertretungen den Jugendlichen des siebten Jahrgangs beim Mitmachparcours „KlarSicht“ die Augen.
Das Thema „Suchtprävention“ stellt einen Schwerpunkt des Konzeptes des Schulentwicklungsprojektes „Soziales Lernen“ für den Jahrgang sieben der Wilhelm-Röpke-Schule dar und ist auch Inhalt einiger Unterrichtsfächer (Biologie, Werte und Normen und mehr). Außerdem gehört „KlarSicht“ inzwischen zu dem „Gesundheitskonzepten“ der Schule und stellt eine passende Ergänzung zu den parallel stattfindenden Sporttagen und dem „Go Sports-Konzept“ dar, da alle drei Veranstaltungen Körperbewusstsein und Gesundheit verbinden. Auch die an der Wilhelm-Röpke-Schule durch Karla Schulz (Lehrkraft und Präventionsfachkraft sowie Vorstandsmitglied des Präventionsrates der Samtgemeinde Schwarmstedt) seit vielen Jahren durchgeführte Klassenaktion „Be smart – don’t start“ gehört zu einem dieser Präventionsbausteine, mit denen die Schule in Kooperation mit dem Präventionsrat der Samtgemeinde Schwarmstedt die Jugendlichen bei ihrer positiven Entwicklung zu „starken Menschen“ unterstützen möchte.
Das Konzept zu „KlarSicht“ stammt von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Es handelt sich dabei um einen interaktiven KlarSicht-MitmachParcours zu Tabak und Alkohol.
Sechs Gramm Alkohol sind in einem 2-Cl-Gläschen Schnaps, in einem 0,3-Glas Bier ist es die doppelte Menge. Wie dadurch die Sicht vernebelt wird und welche Folgen der Konsum von Alkohol haben kann, zeigte das Projekt „KlarSicht“ den Jugendlichen auf sehr anschauliche Weise. Ende Januar durchliefen alle Schülerinnen und Schüler des siebten Jahrgangs den Mitmachparcours und erlebten so bei „klarem Kopf“, welche Auswirkungen der übermäßige Alkoholgenuss hat. Die Rauschbrille simulierte die Sicht bei 1,5 Promille. Die klare Sicht ist vernebelt, man sieht doppelt. Reaktion und Präzision sind stark eingeschränkt, der Gang auf einer Linie wird zum Problem.
„Es geht um den verantwortungsvollen Konsum von Alkohol“, erläutert Christian Biringer, Schulsozialpädagoge und Mitarbeiter der Pestalozzistiftung. Es gebe Jugendliche, die mit der Menge, die sie getrunken haben oder trinken, prahlen. Es herrsche teilweise ein regelrechter Wettbewerb – manch Jugendlicher, der nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus aufwache, frage nicht zuerst, warum er dort sei. Vielmehr wolle er zunächst den Promillewert wissen, um ihn anschließend „stolz“ den Freunden mitzuteilen.
Ein Drittel der 16- und 17-Jährigen trübten einmal im Monat ihren Blick und würden bis zum Vollrausch trinken. Zwölf Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen rauchten Zigaretten. Mit Fakten und Spielen, ohne erhobenem Zeigefinger und klugen Belehrungen, zeigen die fünf Stationen zur Tabak- und Alkoholprävention gesundheitliche, soziale und auch finanzielle Folgen auf. „KlarSicht“ vermittelt Entscheidungshilfen für den Umgang mit Tabak und Alkohol. Zudem reflektieren die Heranwachsenden bei dem Parcours ihr eigenes Verhalten. Staunen gab es bei den Schwarmstedter Schülerinnen und Schülern beispielsweise bei den Kosten: Raucher, die eine Schachtel Zigaretten pro Tag kaufen, geben im Jahr weit über 1.500 Euro für ihre Sucht aus. Wichtiger Aspekt des Parcours ist das Lernen durch Interaktion, wie beim „Drunk-Buster“, der Rauschbrille, die die Wahrnehmung und die Koordination einschränkt. Andere Stationen informieren darüber, ob alkoholhaltige Mixgetränke süchtig machen, welche Inhaltsstoffe eine Zigarette hat und welchen Einfluss die Werbung schon auf Jugendliche im Alter von 14 Jahren hat.
Das Ganze wurde begleitet von Moderatoren, die die Gruppen an den Stationen unterstützten und anleiteten. Bei der „Talkshow“ beispielsweise halfen sie den Schülern, einen fiktiven „Problemfall“ zu entwickeln und die Folgen zu erarbeiten.
Ein besonderer Dank gilt allen, die durch ihr Engagement dieses Projekt ermöglicht haben: Gabi Wolters (Schulsozialpädagogin, Initiatorin und Leiterin dieses Projektes, Christian Biringer (Schulsozialpädagoge und Mitarbeiter der Pestalozzistiftung), Franziska Haase (Praktikantin für Schulsozialpädagogik), Ulrike Fischer (Schulelternratsvorsitzende), Undine Lohmann (Lehrkraft), Ole Semrau (Lehrkraft), Maria Conrad (Lehrkraft), Kathrin Remmers (Lehrkraft), Ines Gildenstern (Lehrkraft), Petra Otte (Lehrkraft) und Hanna Knoop (Lehrkraft). Weitere Informationen finden Interessierte auch unter www.klarsicht.bzga.de.