Wo man singt da lass`Dich ruhig nieder

Der Kant-Chor begeistert immer wieder die Zuschauer.
 
Der Kant-Chor beim Rundgang durch Schwarmstedt vor dem Uhle-Hof.

A-Cappella-Gesang des russischen Kant-Chores vom Feinsten

Schwarmstedt. Die St. Laurentius-Gemeinde in Schwarmstedt feierte den 500. Geburtstag ihrer Kirche und machte sich selbst dazu ein eindruckvolles, klangvolles Geschenk. Schon zum wiederholten Male war der Kammerchor Kant aus Russland im Rahmen seiner Deutschlandtournee zu Gast. Der Chor kommt aus Gusev, dem ehemaligen Gumbinnen aus der näheren Umgebung von Kaliningrad, ehemals Königsberg. In diesem Jahr wohnten die Chormitglieder drei Tage bei ihren Gasteltern, mit denen sie schon eine enge und freundschaftliche Beziehung verbindet. Neben den Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Kirchengeburtstag nahmen sich die Gäste die Zeit, „Harrys klingendes Museum“ in Schwarmstedt zu besuchen und einer älteren Aussiedlerin zu ihrem 85. Geburtstag ein Ständchen aus mehreren russischen Volks- und Trinkliedern zu bringen. Außerdem machten sie von Schwarmstedt aus einen Abstecher nach Mellendorf, um auch dort ein Konzert zu geben. Die mehr als dürftige Resonanz dort war für den Chor eine herbe Enttäuschung. Der Chor war aus Hohenhameln angereist und begeisterte dort im Rahmen des Programms „Nacht der Kirchen“ das Publikum. Die Schwarmstedter Initiatoren hatten den Chor zur dortigen Teilnahme empfohlen und ernteten dafür Dank und Anerkennung. „Sie haben uns mit dem Kant-Chor wahre Perlen des Gesanges vermittelt.“ Die Presse im Raum Hildesheim war des Lobes voll und beurteilte den Auftritt als „Chorgesang vom Feinsten und auf hohem Niveau.“ Der Kammerchor, nach dem Philosophen Emanuel Kant benannt, verfügt über hervorragende Stimmen und singt sein umfangreiches Programm auf Russisch, Deutsch und ein wenig auf Englisch. Der 1974 gegründete Chor wird gekonnt und kaum merkbar von seiner Dirigentin Tatjana Matweewa geleitet. In den Gesangpausen führt die gut deutsch sprechende Dolmetscherin Vera Kurnosova beschwingt durch das Programm und berichtet über das Geschehen um den Chor in der Heimat und über umfangreiche Aufbaumaßnahmen in Gusev. Der russische Staat investiert derzeit horrende Summen in die Entwicklung der Infrastruktur, in den Bau von Mehrfamilienhäuser und Sporthallen, in den Ausbau der Straßen und Fußwege der Stadt und vorrangig in die Verbesserung des örtlichen Gesundheitswesens. Der Kant-Chor nimmt häufig die Gelegenheit wahr, sich auf internationaler Ebene mit anderen Chören zu messen. Die Dolmetscherin berichtete mit sichtlichem Stolz von zahlreichen Auszeichnungen und goldenen Zertifikaten. Der Auftritt des Kammerchores war eines der Höhepunkte Im Rahmen der Schwarmstedter Festtage. Die Spenden der Zuhörer dieses Benefizkonzertes, die anstelle eines Eintrittsgeldes von den Zuhörern erbeten worden waren, spendete der Chor in vollem Umfang der ortsansässigen Ostpreußenhilfe „Brücke nach Kaliningrad“ und es ergab sich eine ansehnliche Summe für diesen humanen Zweck. Im Verlauf des Konzertes vermittelten die Sängerinnen und Sänger wieder einmal einen Eindruck in die russische Seele und Mentalität, aber auch darüber, wie gern man in Russland singt und feiert. Der Chor hatte sein ohnehin schon umfangreiches Repertoire noch erweitert. Festlich gekleidet sangen die Mitglieder im ersten Teil Kirchenlieder, „Vater unser“, „Mutter Gottes freue Dich“, „das Abendmahl“, „Zar des Himmels“ und zum Schluss von einer Solisten vorgetragen „Amazing graze“ in englischer Sprache. Es folgten lyrische Lieder, die von den ehemaligen Flüchtlingen, von den Aussiedlern und auch von den Einheimischen sehnlich erwartet wurden. Das Ostpreußenlied „Land der dunklen Wälder“, „Ännchen von Tharau“, „die Gedanken sind frei“, ein deutsches Gospel „komm, sag es allen weiter“, „Rendezvous in Moskau“ sangen die Akteure in deutscher Sprache, „Falling in love with You“ der Song von Elvis Presley, folgte in Englisch. Wie immer ein Höhepunkt in diesem Block war das südamerikanische „Ave Maria no morro“. Zum abschließenden Teil des Konzertes mit russischen Volksliedern hatten sich die Chormitglieder umgezogen, die Männer trugen Kosakenkittel, die Frauen leuchtend orangefarbene Folklorekleider. Juri begleitete diesen Teil auf einem Knopfakkordeon. Bei der Liedfolge „Petersburger Straße entlang“, „russische Stiefelchen“, „Dreiergespann am Winterabend“, „ Tamburiza“ ein Lied aus Kroatien, „das Dorf“ und „ein ukrainisches Kosakenlied“ ging das Temperament der Künstler sofort auf die Zuhörer über. Anhaltender Beifall und etliche Zugaben verlängerten den musikalischen Genuss. Die annähernd 400 Zuhörer in der Schwarmstedter Kirche waren gleichermaßen bewegt wie begeistert, die Mitglieder des Kant-Chores waren sichtlich erfreut und beeindruckt über die einmalig große Anzahl der Zuhörer, wohl die größte Anzahl auf ihrer diesjährigen Tournee durch Deutschland.