Zehn Jahre klingendes Museum

Mit diesem Plakat wirbt Harry Natuschka für seine Jubiläumsverasntaltung.

„Ideell ein Erfolg, aber finanziell ein Kraftakt“

Schwarmstedt. Das klingende Museum in Schwarmstedt feiert am 16. Mai sein zehnjähriges Bestehen und eröffnet an diesem Tag anlässlich des 33. Internationalen Museumstages die Sonderausstellung Pariser Automatenbaukunst. Zum Auftakt der Jubiläums-Veranstaltung um 11 Uhr wird das Drehorgelorchester Hannover für einen „Ohrenschmaus“ im Garten des Museums in der Neustädter Str. 25 sorgen, dazu wird ein kleiner Imbiss vorbereitet. Nach einer kurzen Einführung zur Sonderausstellung werden die Exponate vorgeführt und erläutert. So werden bedeutende Automaten aus den Pariser Werkstätten von Bontems, Roullet & Decamps, Phalibois, Lambert, Renou, Tharin und frisch restauriert eine seltene Affenorgel aus dem Hause Thibouville Lamy zu bestaunen sein. Das goldene Zeitalter dieser Meisterwerke der Automatenherstellung war von 1848 bis 1914. Diese Automaten veranschaulichen in einzigartiger Unmittelbarkeit die künstlerische und kulturelle Atmosphäre einer längst vergangenen Zeit. Der französische Automat des 19. Jahrhunderts ist ein glückliches Zusammenspiel von Künstlern und Handwerkern. Der Automat wird zu einem Kunstwerk, zu dem Skulptur und Malerei, Musik, Textilkunst und Mechanik beigetragen haben. Geburtsort der Automaten sind die engen Gassen des Marais, eines der ältesten Pariser Stadtviertel mit seinen geschickten Kunsthandwerkern. Hier wurden traditionsgemäß die „articles de Paris“ hergestellt. Der Automat war Schmuckstück und Luxusartikel im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens - dem Salon.
In aller Welt waren Automaten Botschafter französischen Geschmacks und Eleganz. Sie wurden nach Nord- und Südamerika, in den Mittleren Osten und nach Indien exportiert. Die dargestellten Themen reichen vom täglichen Leben, wie Näherinnen, Köche, Blumenverkäuferin bis zu extravaganten und theatralischen Figuren der Bühne und des Zirkus wie Akrobaten, Zauberer und dressierte Tiere. Ferner das Thema des „fremdländischen“ und exotischen, in Form von Schlangenbeschwörern, Bauchtänzerinnen oder exotischen Musikanten. In der Endphase wurden Automaten elektrifiziert und als Schaufensterdekoration eingesetzt. Informationen bei Harry Natuschka, Neustädter Straße 25, 29690 Schwarmstedt, Telefon (0 50 71) 91 29 41 (Besichtigungstermine nach telefonischer Vereinbarung).
Ein kurzer Rückblick: Am 1. Juni 2000 erscheint die erste kleine Pressemeldung mit dem Titel „AG 60 plus besucht Kleinod“, am 15. Juni 2000 spricht die Presse von einer überwältigenden Vorführung, schnell verbreitet sich die Neuigkeit, dass Schwarmstedt nun ein „Spieluhrenmuseum“ hat. Das Museum gestaltet den Großraum – Entdeckertag mit. Das NDR Fernsehen macht erste Drehaufnahmen und ist bis heute regelmäßiger Gast, zuletzt am 25. März bei dem Landpartie-Moderatorin Heike Götz zu Besuch im klingenden Museum war. Der internationale Museumstag wird mit einem Tag der offenen Tür und entsprechenden Sonderausstellungen mitgestaltet und das Museum wird in die offizielle Liste der Museen in Deutschland aufgenommen. 2005 erhält das Museum den örtlichen Kunst- und Kulturpreis mit einer Laudatio von Monika Griefahn. Immer steht der Besucher unter dem Motto „ Ihre Ohren werden Augen machen“ im Mittelpunkt einer faszinierenden Klangwelt. Das Motto scheint so gut geeignet, dass es mittlerweile sogar schon von zwei weiteren Museen kopiert wurde. Auch nach zehn Jahren ist das Teilen der Freude beim Lauschen dieser besonderen Instrumentengattung die Hauptmotivation für Harry Natuschka’s unermütliches Tun. Die Stunden für die Suche, Restaurierung und Führung durch die Sammlung lassen sich nach fast 25 Jahren Sammeln nicht mehr zählen. Neben dem hohen persönlichen Einsatz trugen der Familienrückhalt, Presseberichte, Fernsehen und nicht zu vergessen „Mund zu Mund“- Propaganda wesentlich dazu bei, dass sich das Museum einen Namen im norddeutschen Raum gemacht hat. Die vielen ausländischen Gästebucheintragungen belegen sicher auch, mit welchem Stolz einheimische Bürger ihren ausländischen Gästen diese einmalige Sammlung vorstellen. Die Presse berichtet von der „schönsten Sammlung mechanischer Musikinstrumente in Norddeutschland“ und die Überraschung der Besucher über die hohe Qualität dieser Sammlung ist bei fast jeder Führung zu vernehmen. Was man nicht unmittelbar sieht ist, dass diese hohe Qualität eine sehr hohe Kapitalbindung bedeutet - trotz des Ankaufs restaurierungsbedürftiger Exponate. So groß der ideelle Erfolg auch ist, finanziell ist das Museum ein besonderer Kraftakt, der von einer Privatperson kaum noch zu bewältigen ist. Deswegen hängt das Überleben dieser einmaligen Sammlung in der Zukunft nicht zuletzt an Sponsoren, die zu finden in der heutigen Zeit besonders schwer ist.