6. Ausgabe der Hannover Filmklappe 2012 Und der Gewinner ist…: Preise des Kurzfilmwettbewerbs für Kinder und Jugendliche aus Region Hannover und Landkreis Celle verliehen

Region. Ein Hauch von der großen, glamourösen Welt des Kinos lag am 2.6. in der Luft, als in den Hochhaus Lichtspielen am hannoverschen Steintor zum sechsten Mal die Preise der „Hannover Filmklappe 2012“ verliehen wurden. Der Kurzfilmwettbewerb für Kinder und Jugendliche der Medienzentren der Region Hannover und des Landkreises Celle ist die größte Konkurrenz ihrer Art in Niedersachsen – erneut wurden knapp 60 Beiträge eingereicht. Die strahlenden Siegerinnen und Sieger in den verschiedenen Alterskategorien kommen in diesem Jahr aus Hannover, Burgwedel, Hemmingen, Laatzen, Lachendorf, Neustadt, Springe und Uetze.
„Film – egal ob kurz oder lang – ist nach wie vor das wichtigste und einflussreichste Medium zur Unterhaltung und Information“, sagte Bildungsdezernent Ulf-Birger Franz von der Region Hannover zur Begrüßung der nominierten Nachwuchsregisseurinnen und -regisseure im Kinosaal. „Daher bleibt es eine wichtige Aufgabe, das Filmverständnis von klein auf medienpädagogisch zu schulen. Das geht natürlich am besten, wenn man selbst einmal die Kamera in die Hand nimmt und merkt, wie die Sprache des Films funktioniert. Deshalb freue ich mich, dass auch in diesem Jahr so viele junge Menschen an der ’Hannover Filmklappe’ teilgenommen haben.“

Prämiert wurden elf Filme in fünf Kategorien – jeweils die besten Beiträge in den Altersstufen Kindertagesstätten/Grundschulen, Förderschulen, Klassen 5-7, Klassen 8-10 und Klassen 11-12/BBS. Eine fachkundige Jury aus medienpädagogischen Beratern, Mitarbeitern in der Filmbranche sowie jungen Filmschaffenden haben die Beiträge nach Originalität, schauspielerischer und kreativer Inszenierung sowie dem Einsatz filmgestalterischer Mittel ausgewählt. Als Gewinn erhielten die Erstplazierten jeweils 200 Euro, die Zweitplazierten einen Kinobesuch mit Freigetränk für die ganze Filmcrew. Zusätzlich nehmen die 1. Sieger automatisch an der „Niedersachsen Filmklappe 2012“ teil.

Inhaltlich orientierten sich die Wettbewerbsbeiträge auch in diesem Jahr vorwiegend am realen sozialen und gesellschaftlichen Kontext der Kinder und Jugendlichen, so Filmklappen-Organisator Uwe Plasger vom Medienzentrum der Region Hannover: „In teils sehr eindringlichen Dramen verarbeiteten die jungen Filmemacherinnen und Filmemacher Themen wie Liebe, den Umgang mit dem eigenen Körper, etwa an den Beispielen Magersucht oder Schönheit, Gefahren im Internet, Umweltschutz und 'Mobbing', einem Dauerbrenner der vergangenen Jahre.“ Ebenfalls von weiterhin hoher Beliebtheit: die Genres Horror, Science Fiction und Kriminalfilm.

Als erfreulich bewertet Plasger den Trend zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der filmischen Bildsprache und Bildgestaltung. „Besonders beeindruckend in dieser Hinsicht ist der Beitrag von Kilian Scholz und Nils Lampe in der Kategorie der Klassen 8 bis 10, die mit einer digitalen Spiegelreflexkamera und wenigen Hilfsmitteln ihre dramatische Geschichte in Bildern mit gängigen ’Film-Look’ erzählen. Absolut überzeugend arbeiten auch Jan Littelmann und seine Filmcrew in der obersten Alterskategorie, dessen Kameraführung mit Kran- und Dollyfahrten sowie gekonnte Schnitttechnik durchaus mit professionellen Filmproduktionen mithalten kann.“

Die meisten der 59 zum Wettbewerb eingereichten Filme kamen von Gymnasiasten in den Klassenstufen 8 bis 10. Den Grund dafür sieht der medienpädagogische Berater vor allem in der Einbindung der handlungsorientierten Filmarbeit in den gymnasialen Curricula. „Film wird immer häufiger das Seminarfach angeboten, zudem entstehen immer mehr Film- oder Medien-AGn. In manchen Schulen in der Region Hannover ist praktische Filmarbeit zu einem regelrechten Schwerpunkt geworden – so wurden allein von Schülerinnen und Schülern des Matthias-Claudius-Gymnasiums in Gehrden 18 Beiträge für die ’Hannover Filmklappe’ eingereicht.“

Gesamt gesehen beobachtet Uwe Plasger auch in der sechsten Ausgabe der Hannover Filmklappe ein weiter steigendes Interesse bei Kindern und Jugendlichen für die Arbeit mit dem Medium Film, was sich auch im qualitativen Niveau der Wettbewerbsbeiträge widerspiegelt. „Das sind sicher auch Früchte der umfangreichen Anstrengungen der Filmbildung in Niedersachsen. Die Medienzentrum der Region Hannover und des Landkreises Celle werden die Entwicklung, über praktische Filmarbeit ein wichtiges Stück Medienkompetenz zu vermitteln, weiter fördern.“ Durch die „Hannover Filmklappe 2012“ haben sich rund 300 Kinder und Jugendliche aktiv mit dem Medium Film auseinander gesetzt.

„Ich hoffe, dass es für viele von Euch nur der erste Film war und weitere folgen“, sagte Ulf-Birger Franz zu den Preisträgerinnen und Preisträgern und den Nominierten. Der Bildungsdezernent erinnerte daran, dass auch die Karrieren großer Filmkünstler wie Buster Keaton, David Lynch, Martin Scorsese, Lars von Trier oder Wim Wenders einst mit kurzen Filmen begonnen haben.

Seit dem Jahr 2007 gibt es den jährlichen Kurzfilmwettbewerb „Hannover Filmklappe“. Organisatoren der diesjährigen Ausgabe sind die Medienzentren der Region Hannover und des Landkreises Celle. Kooperationspartner sind die Hochhaus-Lichtspiele, das Kino am Raschplatz, die Kammer-Lichtspiele Celle, die Neue Schauburg in Burgdorf, das Andere Kino in Lehrte sowie das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung.

Die Preisträger der Hannover Filmklappe 2012

Kategorie: Kindertagesstätten/Grundschulen

1. Platz
„Computer ganz groß" (Stop-Motion-Trickfilm, 9 Min.)
Trickfilm-AG der Grundschule "Am Storchennest", Hänigsen
Leitung: Andreas Stäcker

Inhalt: Eine Gruppe von Schülerinnen fragt sich, wie ein Computer funktioniert und sie würden ihn gerne einmal von innen genauer betrachten. Im Film nichts leichter als das. Wie von Geisterhand geschrumpft finden sie sich als Playmobil-Figuren in einem PC wieder, erkunden auf unterhaltsame Weise die Hauptbauteile eines Computers und erläutern deren Funktion.
Der Trickfilm ist ein gelungenes Beispiel für die Kombination von Wissensvermittlung und Filmbildung bei Kindern!

2. Plätze:
„Tödliche Krümel" (Realfilm, 3 Min.)
Videoprojekt vom Kulturtreff Bothfeld mit Kindern der Kindertagesstätte Rohdenhof
Leitung: Matthias Schmidt

Inhalt: Wie kommt der Ton in den Film? Und was kann man mit ihm alles machen? 12 Kinder zwischen 6 und 8 Jahren haben Tönen, Geräuschen und Musik im Film gelauscht. Sie haben genau hingehört, vieles über Klänge und deren Wirkung im Film gelernt, anschließend eine eigene kleine Filmidee umgesetzt und natürlich auch selbst vertont.
Eine tolle Idee für Filmpraxis mit Kindern im Grundschulalter!

„Haltet den Dieb" (Lego-Stop-Motion, 8 Min.)
Bela Lieder, Eichendorff-Schule, Hannover-Linden

Inhalt: Der Lego-Trickfilm zeigt einen umtriebigen Bösewicht, der mit Tricks und Raffinesse Leute bestiehlt und Fahrzeuge zerstört, immer auf der Flucht vor der Polizei. Das Ganze mit einer rasanten Musik und Geräuschen unterlegt. Am Ende aber siegt die Polizei und der Gangster findet sich im Lego-Gefängnis wieder.
2245 Einzelbilder zu einem Trickfilm zusammenzufügen, ist als Einzelarbeit eines Grundschülers eine beachtenswerte Leistung!


Kategorie: Förderschulen

1. Platz
„Herzenswärme 2 – Prof. Hermanns Friedensmittel" (Realfilm, 15 Min.)
Video-AG der Pestalozzi-Schule, Burgwedel
Leitung: Nils Haunert

Inhalt: Die "Sequel"-Methode ist nun auch bei Schülerfilm-Produktionen angekommen: Der Siegerbeitrag der Pestalozzi-Schule Burgwedel ist die Fortsetzung ihres preisgekrönten Films vom letzten Jahr. Dem Weltraumforscher Prof. Hermann ist es gelungen, den grünen Friedensschleim der Aliens aus Teil 1 in seinem Labor künstlich herzustellen. Ein aus dem Wilden Westen der Vergangenheit kommender Cowboy stiehlt dieses Friedensmittel, um den Krieg zwischen Cowboys und Indianern zu beenden.
Praktische Filmarbeit mit Schülerinnen und Schülern kennt keine Grenzen bei Schulstufe und Schulart. Toll!


Kategorie: Sekundarbereich Klassen 5-7

1. Platz
„Fang im Netz" (Realfilm, 9 Min.)
Jannika Weidner, Judith Weidner, Kooperative Gesamtschule Neustadt/Rbge.
Hannah Zieseniß, Otto-Hahn-Gymnasium Springe

Inhalt: Das Mädchen Aly verliebt sich beim Chatten in einen Jungen. Dabei vergisst sie andere wichtige Dinge im Leben, interessiert sich nicht mehr für die Schule und vernachlässigt ihre beste Freundin. Als der unbekannte Junge ein Treffen vorschlägt, bemerkt Aly zu spät, dass man im Internet nicht jedem trauen kann.
Ein aktuelles und jugendgerechtes Thema mit filmgestalterischen Mitteln gekonnt umgesetzt!

2. Platz
„Die Rückreise" (Realfilm, 14 Min.)
Simon Friedrich und Jakob Levin Pantermüller, Realschule Lachendorf

Inhalt: Das 129 Jahre alte Space-Shuttle „Discovery" soll einen außerirdischen Politiker zur Erde bringen. Auf einmal versagt die Energie. Wie das Problem gelöst wird und was dahinter steckt, zeigen die beiden jungen Filmemacher auf gekonnt humorvolle und nicht erst zu nehmende Weise mit einer ganzen Anzahl von "Spezialeffekten".
Die Jury der Hannover Filmklappe ist gespannt, wie sich das Duo filmisch weiterentwickelt und freut sich auf zukünftige Produktionen der Pantermüller-Brüder!


Kategorie: Sekundarbereich Klassen 8-10

1. Platz
„Verloren" (Realfilm, 10 Min.)
Kilian Scholz, Nils Lampe, KGS Hemmingen

Inhalt: Marcel hat seine Eltern durch einen Autounfall verloren. Sein bester Freund Niklas versucht ihm zu helfen. Doch die Angst, in ein Kinderheim zu kommen, ist stärker und Marcel flüchtet. In seiner Verzweiflung sieht er keinen Ausweg mehr.
Ein Film mit einem ernsten Thema, filmgestalterisch äußerst beeindruckend umgesetzt!

2. Plätze
“Without Memory" (Realfilm, 10 Min.)
Antonin Brünner, Leonard Brünner, Julius Ott, Lukas Hoffmann, Jonas Mevenkamp, Florian Lange, Paul Castel, Hölty Gymnasium Wunstorf

Inhalt: Nach einer Mission kann sich ein Agent nicht mehr daran erinnern, was passiert ist. Er weiß nur noch, dass sein Partner bei dem Einsatz erschossen wurde. Auch der Leiter der Operation scheint ebenso wenig zu wissen, wie der Agent selbst. Doch ein Hinweis bringt seine Erinnerungen langsam wieder zurück.
Ein Film, dem man ansieht, dass die Filmemacher die genretypischen Merkmale eines Agententhrillers genau kennen!

„Lego-Jahresrückblick 2011" (Lego-Stop-Motion, 3 Min.)
Moritz Hasse, Albert-Einstein-Schule Laatzen

Inhalt: Ein "Brickfilm" der ganz besonderen Art: Bedeutsame Ereignisse des Jahres 2011 mit der Legowelt nachgestellt, akustisch unterlegt mit den jeweiligen Originaltondokumenten aus den Fernsehnachrichten. In Nachbildung und Detailtreue kaum zu überbieten!


Kategorie: Sekundarbereich Klassen 11-12 / BBS

1. Platz
„Time to choose" (Realfilm, 15 Min.)
Marc Platschek u.a., Seminarfach Film, Albert-Einstein-Schule Laatzen

Inhalt: Es ist die Geschichte des Online-Zockers Dennis, der so in seiner virtuellen Welt gefangen ist, dass seine Familie, die Schule und seine realen Freunde keinen Platz mehr in seinem Leben haben. Eines Tages wird Dennis von der gleichaltrigen Jessy im letzten Moment vor einem dramatischen Verkehrsunfall bewahrt. Als sie ihm nicht mehr aus dem Kopf geht, die beiden sich sogar treffen, und dadurch sein "Zocken" beeinträchtigt wird, ruft das die vermeintlichen Freunde aus der "Zocker-Gilde" auf den Plan.
Eine altersgerechte und immer noch aktuelle Thematik mit einer bemerkenswerten schauspielerischen, dramaturgischen und filmgestalterischen Leistung absolut sehenswert umgesetzt!

2. Platz
„Blumentopf" (Realfilm, 15 Min.)
Jan Littelmann u.a., Carl-Friedrich-Gauß Schule Hemmingen

Inhalt: Lennart hat keinen Bock mehr auf Deutschland und will mit seinem Kumpel Momo in die USA abhauen. Das Geld dafür hat er sich auch schon "besorgt". Doch als Lennarts Mutter beim Aufräumen unwissentlich den Umschlag mit dem Geld vernichtet, scheint der Traum von der großen Freiheit vorerst geplatzt. Wäre da nicht noch ein wenig "getrocknetes Gras" in der Garage seines Freundes. Doch Kreditgeber und Flugzeug warten nicht und nichts läuft so, wie es laufen sollte …
Schauspiel, Kameraführung und Schnitt würden selbst Profis in Staunen versetzen!