Abschluss der 4. Alkohol-Testkaufwelle der Region Hannover

Zuhal Karakas, Leiterin des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit, Lothar Waldeck, Leiter des Teams Allgemeine Ordnungsangelegenheiten, Polizeikommissarin Silke Gottschalk vom Polizeikommissariat Mellendorf, Sicherheitsdezernentin Barbara Thiel und Melanie

„Weiter Druck auf den Einzelhandel ausüben“

Region. Abschluss der vierten Alkohol-Testkaufwelle der Region Hannover: Von Ende Juni bis Anfang September wurde die Einhaltung des Jugendschutzes in 15 regionsangehörigen Städten und Gemeinden kontrolliert. Dazu haben minderjährige Testkäufer in Begleitung des gesetzlichen Jugendschutzes der Region Hannover und der örtlichen Polizei versucht, in insgesamt 262 Supermärkten, Kiosken, Tankstellen und Drogerien hochprozentige alkoholische Getränke zu erwerben. In 95 Geschäften (36,3 Prozent) wurden die Spirituosen an die Jugendlichen verkauft. Damit hat sich die durchschnittliche Quote der Verstöße gegenüber der dritten Testkaufrunde leicht verschlechtert (33,6 Prozent).
„Das Ergebnis zeigt deutlich, dass Jugendliche immer noch viel zu leicht Alkohol kaufen können“, sagte Ordnungs- und Sicherheitsdezernentin Barbara Thiel von der Region Hannover bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag (9.9.). „Wir können und wollen nicht hinnehmen, dass sich immer noch mehr als jedes dritte Geschäft nicht an den Jugendschutz hält. Deshalb werden wir auch weiterhin mit Alkohol-Testkäufen Druck auf den Einzelhandel ausüben“, kündigte Thiel im hannoverschen Regionshaus an.
Komplettiert wurde die vierte Testkaufwelle mit Kontrollen in Neustadt am Rübenberge: 21 Geschäfte (elf Supermärkte, vier Kioske, vier Tankstellen, eine Getränkemarkt, eine Drogerie) in Neustadt und Bordenau wurden am Mittwoch, 1. September, geprüft – elf davon (sieben Supermärkte, ein Kiosk, zwei Tankstellen, ein Getränkemarkt) haben Wodka oder Rum-Mischgetränke an einen 17-jährigen Schüler verkauft. Die Quote der Verstöße hat sich damit in Neustadt gegenüber früheren Testkaufwellen deutlich verschlechtert: Mit 52 Prozent liegt sie deutlich über den Ergebnissen vom November 2009 (37,5 Prozent) und Juli 2009 (42 Prozent).
Auffällig auch in Neustadt: In drei Geschäften wurden die Alkohol-Flaschen verkauft, obwohl der Testkäufer seinen Ausweis vorzeigen musste. „Nach wie vor ist es ein Problem, dass an den Kassen nicht richtig gerechnet wird“, sagte Melanie Wottke vom gesetzlichen Jugendschutz der Region Hannover. Rund 80 Prozent der Kassiererinnen und Kassierer überprüfen das Alter – die Quote der Verstöße liegt jedoch bei 36 Prozent. Das heißt: 16 Prozent der Verkäuferinnen und Verkäufer schauen nicht richtig auf das Geburtsdatum im Ausweis oder verrechnen sich.
„Die Ansätze im Einzelhandel, auf Kassensysteme umzusteigen, die beim Kauf von Alkoholika die Alterskontrolle einfordern, sind ein Schritt in die richtige Richtung, so Wottke. „Auch unsere Schulungen an der Berufsbildenden Schule Burgdorf und der BBS Handel in Hannover greifen das Problem auf und geben den Auszubildenden im Einzelhandel Tipps und Methoden mit auf den Weg, wie man das tatsächliche Alter der Käufer schnell und richtig Alter ermittelt – auch bei Stress und langen Schlangen an den Kassen.“
Erstmals wurde in der vierten Testkaufwelle auch Drogerien überprüft. Auch wenn das Ergebnis für diesen Betriebszweig noch nicht repräsentativ ist – von den sieben aufgesuchten Drogerien sind vier (57 Prozent) der Geschäfte bei den Kontrollen durchgefallen –, zeichnet sich ab, dass das Kassenpersonal hier weitaus weniger aufmerksam für den Jugendschutz ist als im Lebensmittel-Einzelhandel. Am besten haben Kioske abgeschnitten – gesamt gesehen haben drei von vier den Verkauf des Alkohols an die Jugendlichen verweigert.
In der fünften Testkaufrunde will sich der gesetzliche Jugendschutz der Region Hannover vor allem auf Geschäfte konzentrieren, die in den ersten Runden durchgefallen sind. „Wir werden überprüfen, inwieweit die Geschäfte ihre Ankündigung, besser auf den Jugendschutz zu achten, auch umsetzen“, sagte Zuhal Karakas, Leiterin des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit. Auch die Höhe des Bußgelds, das bei jedem Verstoß fällig wird, ist ein weiteres Druckmittel, den Jugendschutz zu beachten. „Bemerken wir, dass ein Gewerbetreibender wissentlich und vorsätzlich Spirituosen an die minderjährigen Testkäufer verkauft, kann die Ordnungswidrigkeit schon mal mit 500 Euro geahndet werden“, so Karakas.
Weiterhin werden vor allem Testkäufer zum Einsatz kommen, die deutlich jünger als 18 Jahre sind. „Wir arbeiten ganz bewusst mit Jugendlichen um die 15 Jahre, weil es nicht unser Ziel ist, das Kassenpersonal mit nahezu volljährigen Testkäufern zum Verstoß gegen den Jugendschutz zu verleiten“, sagte Karakas. „Der Lerneffekt ist oft viel größer, wenn die Kassiererinnen und Kassierer nach dem Testkauf merken, dass sie gerade einer 15-Jährigen gestattet haben, eine Flasche Wodka mit aus dem Laden zu nehmen.“
Um gemeinsam dem Missbrauch von Alkohol durch Jugendliche entgegenzutreten, hat sich in der Wedemark ein beispielhaftes Netzwerk aus Polizei, Einzelhandel, dem Präventionsrat und der Region Hannover gebildet. Über den gesamten September informieren Stände im Kassenbereich von drei Geschäften und zwei Tankstellen über den Jugendschutz. „Mit der Aktion wollen wir nicht nur Jugendliche, sondern jede Altersgruppe erreichen, da das Thema alle Bürgerinnen und Bürger angeht“, sagte Silke Gottschalk vom Polizeikommissariat Mellendorf. „Nur wenn alle an einem Strang ziehen, können wir im Jugendschutz nachhaltig positive Ergebnisse erzielen“, so die Polizeikommissarin, die auch die Testkäufe in der Wedemark begleitet hat.
Seit anderthalb Jahren überprüft die Region Hannover mit Alkohol-Testkäufen die Einhaltung des Jugendschutzes in Supermärkten, Kiosken, Tankstellen und seit kurzem auch in Drogerien. Zuständig ist der gesetzliche Jugendschutz für 15 der 21 regionsangehörigen Städte und Gemeinden, die kein eigenes Jugendamt haben. In der ersten Testkaufphase von Januar bis Juni 2009 wurden173 Geschäfte kontrolliert, davon haben 53 Prozent gegen den Jugendschutz verstoßen. In der zweiten Welle im Juli 2009 wurden 187 Geschäfte geprüft, davon sind 42 Prozent durch die Kontrollen durchgefallen. In der dritten Testkaufwelle vom November 2009 bis März 2010 betrug der Anteil der Verstöße 33,6 Prozent bei 205 aufgesuchten Geschäften.
Zusammen mit der nun abgeschlossenen vierten Welle, die von Juli bis September 2010 dauerte, sind 827 Testkauf-Kontrollen durchgeführt worden. Die durchschnittliche Quote der Verstöße beträgt 40 Prozent.