Attacke gegen Kulturheidelbeeren im MoorUntere Naturschutzbehörde investiert, um heimische Pflanzen zu schützen

Marcel Hollenbach (rechts) vom Team Naturschutz Oster der Region Hannover, und Teamleiter Günter Wendland demontrieren, wie es der wild ausgesamten Kulturheidelbeere im Moor an den Kragen gehen soll.
 
Die Rosmarienheide gehört zu den geschützten heimischen Pflanzenarten im Moor, die durch die Kulturheidelbeere bedroht sind. Fotos: A. Wiese

Untere Naturschutzbehörde investiert, um heimische Pflanzen zu schützen

Region/Resse (awi). Kulturheidelbeeren gefährden die heimischen Pflanzenarten in der Hannoverschen Moorgeest. Jetzt will die Untere Naturschutzbehörde der Region Hannover den von Plantagenbesitzern aus Kanada eingeführten Neophyten, deren Samen von Vögeln im Moor verbreitet wurden, zu Leibe rücken. Die Aktion ist in enger Zusammenarbeit mit der Faunistischen Arbeitsgemeinschaft Moore im Winter bereits angelaufen und wird jetzt mit Schwerpunkt in den besonders wertvollen Bereichen des Moores fortgesetzt. „Alle werden wir nicht entfernen können“, weiß Marcel Hollenbach vom Team Naturschutz. Doch er hofft die Ausbreitung der dominanten Kulturheidelbeere wenigstens solange behindern zu können, bis diese durch die Wiedervernässung im wahrsten Sinne des Wortes „kalte Füße“ und damit schlechte Bedingungen bekommt. Das Problem: Die dicken blauen Früchte sind zwar lecker, haben aber in einer Moorlandschaft nichts zu suchen. „Kulturheidelbeeren gefährden die Artenvielfalt in unseren heimischen Mooren“, sagt Günter Wendland, Leiter des Teams Naturschutz Ost der Region Hannover. Als sogenannte Neophyten vermehren sie sich in Gebieten, in denen sie nicht natürlich vorkommen und zerstören die natürliche Artenzusammensetzung, die sich über Jahrtausende eingestellt hat. „Bis zu drei Metern Höhe kann eine Kulturheidelbeer-Pflanze erreichen und überragt die heimische Heidelbeere, die nur 30 bis 40 Zentimeter groß wird, damit deutlich. „Ihr dichter und hoher Wuchs lässt kaum Licht für die niedrigwüchsige Moorvegetation übrig“, erklärt Wendland. Arten wie die heimische Heidelbeere, die Preiselbeere, Torfmoose, Wollgräser und Rosmarinheide werden auf diese Weise verdrängt. Und damit seien auch Tierarten wie Nachtfalter und Schmetterlinge gefährdet, weil ihnen die Nahrungsgrundlage und Orte für die Eiablage fehlten. Deshalb werden Kulturheidelbeeren in den Moorgebieten jetzt systematisch entfernt. „Wir haben drei Lebensraumtypen im Fokus, in denen wir besonderen Handlungsbedarf sehen“, sagt Marcel Hollenbach: die Moorwälder, die lebenden Hochmoore und die
renaturierungsfähigen degradierten Hochmoore. Insgesamt haben die Naturschützer eine Fläche von 2300 Hektar im Visier – rund 95 Prozent dieser Areale stehen unter Naturschutz. Forstunternehmer und ehrenamtliche Helfer werden die Kulturheidelbeerbüsche kurz abschneiden, ausreißen kann man sie wegen ihrer weit verzweigten Wurzeln nicht, ohne immensen Flurschaden anzurichten. Dabei wird es vorkommen, dass die Helfer auch naturbelassene Moorgrundstücke in Privateigentum betreten, um dort einzelne Büsche zu entfernen. „Im Naturschutzgebiet steht der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt im Vordergrund. Deshalb ist diese Maßnahme im Rahmen der Sozialpflichtigkeit des Eigentums hinzunehmen“, betonte Wendland bei einem Ortstermin mit der Presse am Donnerstag. „Das Problem mit den Kulturheidelbeeren ist nicht unbekannt“, sagt Wendland, „die Bekämpfung dieser Art ist sehr schwierig. Ein einfacher Rückschnitt wird in aller Regel gut verkraftet und führt zu noch dichterem Neuaustrieb. Lediglich ein- bis zweijährige Keimlinge lassen sich sehr gut heraus zupfen.“ Bis zum Verschluss der Moorgräben und dem Bau von Moordämmen werden noch mehrere Jahre vergehen. „Um die weitere Ausbreitung bis dahin zu reduzieren, müssen jetzt die wesentlichen Samenträger zurückgeschnitten werden. Der Fokus liegt dabei auf dem Schutz der wert-
vollsten Flächen im Moor“, betont Wendland. Betroffen sind Areale im Bissendorfer, Otternhagener, Helstorfer sowie im Schwarzen Moor. Ansprechpartner für Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer ist Marcel Hollenbach, Telefon (05 11) 61 62 39 58. Mit den Plantagenbesitzern sei die Region im Gespräch. Theoretisch gebe es die Möglichkeit samenlose Kulturheidelbeeren anzupflanzen, erklärte Hollenbach. Das lehnten die Plantagenbesitzer aber ab, weil die Früchte dieser Kulturheidelbeerenarten lange nicht so wohlschmeckend seien.