Brutergebnis 2010: 58 Storchenjunge erfolgreich aufgezogen

Ein junger Weißstorch an seinem Nest

Jahresbericht des Beauftragten für die Weißstörche in der Region Hannover

Region. Die ersten Jungstörche haben bereits Ende Juni ihr Nest erstmals verlassen. In Kürze werden auch die letzten Jungen ausgeflogen sein, sodass jetzt eine Bilanz des Storchenjahres 2010 für die Region Hannover gezogen werden kann. Im vergangenen Winter hat es erstmals keine „Winter-Störche“ mehr in der Region gegeben. Die Ursache hierfür liegt an dem Versiegen der Futterquelle „Mülldeponie“ (Kolenfeld, Burgdorf), da nach gültiger „Abfallablagerungsverordnung“ seit dem 1. Juni 2005 die Deponierung von unbehandelten Abfällen verboten ist. Der Restmüll wird heute in Hallen abgekippt, sodass es Vögeln (Rabenvögel, Möwen, Greife, Störche) kaum mehr möglich ist, an Nahrungsreste heranzukommen. Daneben war aber auch der lange, sehr kalte Winter kaum dazu angetan, am Brutort zu verbleiben. Die Mehrzahl der „Westzieher“ fliegt heute nicht mehr über Gibraltar hinaus nach Westafrika sondern überwintert in Südspanien oder auch schon im südfranzösischen Raum (Camargue). Diese Störche kommen wegen der geringeren Distanz Winterquartier – Brutort früher zurück. In diesem Jahr sind die ersten Störche trotz Schnee und Frost bereits in der letzten Februar-Dekade eingetroffen (erster Storch am 22. Februar in Stelingen). Die Rückkehr der „Ostzieher“, deren Zugweg über den Bosporus und den Vorderen Orient ins östliche Afrika führt, erfolgte in diesem Jahr schon ab Ende März und zog sich bis Anfang Mai hin (Eintreffen des letzten Brutvogels am 3. Mai in Brase).
Mitte Mai waren 24 Nester mit Paaren besetzt – die gleiche Anzahl wie 2009. Nicht besetzt wurden zwei Nester in der Südlichen Leineaue (zweites Mast-Nest in den Wülfeler Wiesen und die Kastanie in Alt-Laatzen). In Obershagen kam es zu keinem Brutversuch. Die Nester in Isernhagen-KB und Burgwedel hatten nur kurzzeitigen Besuch. In Frielingen tauchten zwei Störche Anfang Juni auf. In Brelingen behauptete sich wie im Vorjahr ein Einzelstorch, der mehrfach brutwillige Paare abwehrte. In Burgdorf, Mecklenhorst und Brase kam es nach zum Teil jahrzehntelanger Pause wieder zu erfolgreichen Bruten. Die früh heimkehrenden Westzieher haben teilweise schon Ende März/Anfang April mit der Brut begonnen (Grasdorf, Schloß Ricklingen, Idensen, Bokeloh, Wulfelade, Meitze). Entsprechend früh sind dort nach 30-32 Tagen die Jungen geschlüpft – zu einem Zeitpunkt (Ende April/Anfang Mai), als in anderen Nestern gerade erst Eier gelegt wurden (Bordenau, Mecklenhorst, Helstorf, Brase, Niedernstöcken, Burgdorf und Dedenhausen). Die Monate Mai und Juni waren für die Jungenaufzucht eher ungünstig. Es gab wenig Regen. Damit standen die für die frühe Jungenaufzucht so wichtigen Regnwürmer nur begrenzt zu Verfügung. Weiterhin war es vor allem nachts mit Temperaturen deutlich unter minus zehn Grad Celsius vielfach zu kühl. Derartige Witterungsbedingung führen bekanntermaßen zu erheblichen Verlusten bei den exponiert sitzenden Jungstörchen. Überall dort, wo nur ein Jungstorch ausgeflogen ist (fünf Nester: Schloß Ricklingen, Mecklenhorst, Wulfelade, Helstorf und Hänigsen) sind vermutlich drei und mehr Nestgeschwister Jungen abgeworfen worden. Aber auch bei den Zweier-Bruten (neun Nester: Alt-Laatzen, Blumenau, Bordenau, Brase, Niedernstöcken, Stöckendrebber, Stelingen, Meitze, Immensen ) haben vermutlich mehrere Jungstörche nicht überlebt. Trotz der großen Zahl an Nestern mit nur ein bzw. zwei ausgeflogenen Jungen ist der Bruterfolg in der Region Hannover insgesamt sogar außergewöhnlich gut! Das lag zum einen daran, dass es überhaupt keinen Ausfall gegeben hat. Alle Brutpaare hatten Bruterfolg! Zum anderen gab es fünf Nester mit je drei Jungen (Bokeloh, Neustadt, Schulenburg, Arpke, Burgdorf) und auch fünf Nester mit je vier Jungen (Grasdorf, Wülfel, Luthe, Idensen, Dedenhausen). Dieser vergleichsweise gute Bruterfolg ist dadurch zu erklären, dass in den frühen Entwicklungsphasen wohl relativ günstige „Witterungs“-Zeitfenster genutzt werden konnten. So ein Erfolg steht aber auch immer in Zusammenhang mit der biologischen Fitness der Eltern. Der entscheidende Grund dürfte aber das diesjährige Massenvorkommen der Feldmaus gewesen sein. In „Mäusejahren“ gibt es erfahrungsgemäß immer mehr Jungstörche, weil dann auch die Nesthäkchen ausreichend mit Nahrung versorgt werden können. Das Brutergebnis 2010 ist wie folgt zusammenzufassen: In den 24 Nestern sind in diesem Jahr 58 Junge erfolgreich aufgezogen worden: 17 mehr als im vergangenen Jahr. Alle Paare hatten Bruterfolg, was sehr selten vorkommt. Pro Paar sind 2,42 Jungstörche erbrütet worden. Ein Wert, der deutlich über dem langjährigen Mittel von 1,76 liegt. Am Ende der Brutsaison sammeln sich jetzt die Störche. Die ersten Trupps mit den Jungen, die bereits vor vier Wochen ausgeflogen sind, sind schon beobachtet werden. Die übrigen Jungstörche werden noch bis Mitte August vor Ort verbleiben. Sie werden das Fliegen und die Nahrungssuche unter Aufsicht der Eltern soweit vervollkommnen, dass sie anschließend fit sind für den Flug in die Winterquartiere in Südeuropa oder Afrika. Die diesjährige Reproduktion trägt zur Stabilisierung des Storchenbestandes bei – vorausgesetzt, es bleibt der Lebensraum erhalten. Ab 2013 ist mit den ersten Rückkehrern des Jahrganges 2010 zu rechnen.