Bye, bye Hannover Scorpions – DEL-Lizenz verkauft

Name und Trainer bleiben in Hannover – Eishalle Langenhagen als neuer Spielort im Gespräch

Hannover (awi). Gerüchte schwelten schon länger, doch am Donnerstagabend schlug die Nachricht ein wie eine Bombe, als Scorpions-Sportdirektor Marco Stichnoth in einer Pressekonferenz bestätigte: Die DEL-Lizenz der Hannover Scorpions wird an die Schwenniger Wild Wings verkauft. Seit Mittwoch steht es fest, am heutigen Sonnabend sollen die Verträge unterschrieben werden. Rund eine Million Euro, heißt es, wird Unternehmer Günter Papenburg von den Schwarzwäldern für die Lizenz bekommen. Der Zweitligist werde neben der GmbH der Scorpions auch die bestehenden Spielerverträge übernehmen, so Stichnoth vor der Presse. Betroffen seien voraussichtlich acht Spieler. Die noch notwendige Zustimmung der anderen DEL-Clubs zu dem Lizenzverkauf bezeichnete Stichnoth als sicher. Hintergrund für den Verkauf der Scorpions ist ein bereits seit Jahren schwelender Streit zwischen Unternehmer Papenburg auf der einen sowie der Stadt Hannover und dem Bundesland Niedersachsen auf der anderen Seite. Papenburg kritisiert in einer Pressemitteilung die fehlende Unterstützung der Stadt. Mit dem aktuellen Beschluss des Landes, für die Messe eine neue Mehrzweckhalle in direkter Nachbarschaft zu errichten, sei die Arena Hannover GmbH gezwungen, der Wirtschaftlichkeit oberste Priorität einzuräumen, und das gehe nicht mit dem defizitären Spielbetrieb der Hannover Scorpions. In den letzten Jahren sollen die Arena GmbH beziehungsweise Papenburg selbst rund zwei Millionen Euro jährlich zugeschossen haben. In der Presseerklärung der Hannover Scorpions Eishockey Betriebs GmbH heißt es, „sowohl die Gesellschafterin als auch die Geschäftsführung der Hannover Scorpions Eishockey Betriebs GmbH bedauern außerordentlich die getroffene Entscheidung und die damit verbundenen Konsequenzen sowohl für die Spieler, den Trainerstab sowie allen am bisherigen Erfolg der Hannover Scorpions Mitwirkenden und vor allem die vielen Fans der Hannover Scorpions“. Angesichts der sich abzeichnenden Wettbewerbssituation sei eine Fortführung des Spielbetriebes der Hannover Scorpions in der TUI Arena für die Gesellschaft und deren Gesellschafterin nicht mehr finanzierbar und gegenüber den im Übrigen mit der GP Günter Papenburg AG verbundenen Unternehmen und über 3.000 Mitarbeitern nicht mehr zu verantworten. Auch aus diesen Gründen habe die TUI AG den mit der Hannover Scorpions Eishockey Betriebs GmbH bestehenden Sponsorenvertrag für die Zukunft beendet und ihr insofern die finanzielle Unterstützung entzogen. Auf Nachfrage von Journalisten nannte Stichnoth die Eishalle in Langenhagen neben dem Eisstadion am Pferdeturm als ernsthafte Alternativen und scherzhaft den Maschsee, wenn er denn zugefroren sei, als eine Option für eine künftige Spielstätte, denn sowohl Trainer Igor Pavlow als auch der Name Hannover Scorpions würden erhalten bleiben, es werde eine neue Gesellschaft geben und ein neues Team, das vielleicht in der zweiten Liga unter dem Dach des Deutschen Eishockeybundes spielen werde. Das sei aber noch nicht sicher. Eine Zusammenführung mit den Indians bezeichnete Stichnoth als nicht wahrscheinlich. Die Hannover Scorpions spielen seit 1996 in der Deutschen Eishockey Liga. Nach dem Aufstieg der Wedemark Wildcats in die höchste deutsche Spielklasse wurde die Profimannschaft 1996 als GmbH aus dem 1975 in Mellendorf gegründeten ESC Wedemark ausgegliedert und in Wedemark Scorpions umbenannt. Seit 1997 spielt die Mannschaft unter dem Namen Hannover Scorpions, 2001 zogen die Hannover Scorpions in die Landeshauptstadt um. Ihr bislang größter Erfolg war die Deutsche Meisterschaft 2010. Jochen Haselbacher, Gründungsvater der Scorpions und Vorsitzender des ESC Wedemark Scorpions sagte gestern zu der aktuellen Entwicklung: „Wir haben Eishockey zehn Jahre nach oben gebracht. Jetzt geht es wieder bergab. Wenn man so einen nicht alltäglichen Sport betreibt, muss man das mit dem Herzen tun. Bei Papenburg habe ich immer den Eindruck gehabt, er nutzt das Eishockey, um die TUI-Arena als Veranstaltungsarena bekannt zu machen. Das ist der falsche Weg. Aber wir werden uns da nicht wieder einklinken. Wir machen hier Jugendarbeit und das macht Spaß und damit sind wir erfolgreich.“