Der Kultursommer 2010: Das musikalische Hoch in der Region Hannover erlebt seine 13. Auflage

Region Hannover. Kubanische Klassik in der Kirche, Blue Notes im Bürgersaal, Neue Musik im Steinbruch, Jazz im Schafsstall, Nachtklänge in Hannovers City, Rotfront in Isernhagen: auch die 13 Auflage des "Kultursommers" der Region Hannover ist für Überraschungen gut. Insgesamt 33 besondere Musikereignisse stehen im Juli und August auf dem Programm, und nicht wenige finden unter freiem Himmel statt. Niedernstöcken im Norden der Region wird dabei ebenso zu einem Veranstaltungsort wie Devese, Eldagsen oder Wilkenburg. 29 lokale Kulturinitiativen und -vereine - unterstützt von der Stiftung Kulturregion Hannover - engagieren sich für den "Kultursommer". In Kirchen, Kulturscheunen, Kornbrennereien, Gärten, Parks und Schlössern wird Musik gespielt, die keine Rücksicht auf Genre-Grenzen nimmt.
Der Kultursommer 2010 in der Region Hannover beginnt am 4. Juli: Mit Classica Cubana kommt eine Gruppe in die Bennigser St. Martinskirche, die das Terrain zwischen Folklore, Latin und Jazz mit den Mitteln und den Instrumenten der kubanischen Volksmusik erkundet. Eine Liebeserklärung an die Karibikinsel "Charmant wie lauschiges Kammerkonzert" sei ein Konzert des Quintetts, schwärmt die Kritik. Der lässige Cubana-Groove wurde im letzten Jahr mit dem Echo-Preis in der Kategorie "Klassik ohne Grenzen" ausgezeichnet.
Julia Hülsmann hat Gesangstars wie Roger Cicero und Rebekka Bakken am Piano begleitet und inspiriert. Auch ohne prominente Vorsänger hat sie Sitz und Stimme in der deutschen Jazz-Szene. Am Instrument und als Komponistin ist sie eine Lyrikerin: Sie sucht die knappe Form mit langem Nachhall. Auch vor Popsongs schreckt sie nicht zurück. Seals "Kiss From A Rose" erblüht in der Julia-Hülsmann-Trio-Jazz-Version besonders apart (am 8. Juli im Schloss Landestrost, Neustadt).
Ein Geburtstagsständchen für Klassik in der Altstadt stimmt am 9. Juli in der hannoverschen Marktkirche Helen Donath an. Die bekannte Kammersängerin eröffnet mit ihrem Auftritt den zehnten Durchgang der gediegenen Veranstaltungsreihe. An den Samstagnachmittagen 10., 17. und 24. Juli geht es zwischen Markt, Museum und Kreuzkirche weiter.
Ein "Best-of-Programm" versprechen Quadro Nuevo für ihren Auftritt am 22. Juli im Neustädter Schloss Landestrost. Mit Saxophon oder Klarinette, Gitarre, Bass, Akkordeon und Percussion interpretieren die vier Musiker alte italienische Canzones, Balkan-Swing, Klassiker der zwanziger Jahre, zackig-strenge Tangos oder konzertante Milongas. Dazu mischen sich elektrisierende Eigenkompositionen, die vom Vagabundenleben der vier spielsüchtigen Virtuosen erzählen.
Doldinger, Dauner, Schoof - drei German Jazz Masters vereint auf einer Bühne in der Konzertkirche St. Martini in Brelingen (am 31. Juli). Nur alle Jubeljahre trommelt Klaus Doldinger seine Old Friends für eine Konzerttour zusammen. Jedes Bandmitglied ist ein Star: Manfred Schoof gilt als der große Romantiker unter den deutschen Jazztrompetern, er war maßgeblich an der Entwicklung des Free-Jazz in Europa beteiligt; der Pianist Wolfgang Dauner gehört zu den Pionieren des elektronischen Avantgarde-Jazz und gründete das United Jazz & Rock Ensemble mit. Bandboss Doldinger schließlich ist nicht zuletzt wegen zahlreicher Filmmusiken (Das Boot, Tatort) der wohl bekannteste und erfolgreichste deutsche Jazzmusiker.
Hübscher Name für eine Band: Langfristige Entwicklung des Universums. Das Trio hat sich auf Biegen und Brechen der Blasmusik verschrieben. Sinnvoll-sinnlich wird Neue Musik, Improvisationen, Jazz und Weltmusik zusammengepuzzelt. Auf vermittelnde Erklärungen wird verzichtet, nicht aber auf das Vergnügen, dem Original Egerländer Musikanten Ernst Mosch neues Leben einzuhauchen. So skurril wie das Programm ist auch der Auftrittsort am 1. August: ein Steinbruch im Park des Hermannshofs in Völksen.
In ihrer Heimat Portugal füllen sie Konzertsäle, in der Region Hannover werden sie den Hof der Kronbrennerei Warnecke in Wennigsen am 7. August zu ihrer Bühne machen. Live sind die Musiker von Oquestrada überall ein Erlebnis. Mit schier grenzenloser Energie spielen sie einen rauen, tanzbaren Mix aus afrikanischen Rhythmen, portugiesischem Fado, Ska, Flamenco und Hip-Hop.
Wer die Bigband-Version des Wir sind Helden-Schlagers "Aurelie (Die Deutschen Swingen Sehr Subtil)" kennt, wird die Qualitäten des Arrangeurs und Musikers Christoph Van Hal auch in ureigener Sache, der Double High C Bigband, zu schätzen wissen. Seit 2004 ist der Wahlhannoveraner Van Hal der scattende, steppende und singende Frontmann der 13-köpfigen Swing-Formation. Eine echte Rampensau, die übrigens neben Jobs für Victor Lazlo, Emmy Lanford und Marquess auch noch Zeit als Sänger und Trompeter für die gefeierten "Tanner" ("Am Arsch vorbei") hat. Bei Double High aber swingt es. Satt im Sound und hoch professionell. Von Van Hal arrangierte Klassiker wie Chet Bakers "Time after time", der Dschungelbuch-Kracher "Mit Ruhe und Gempütlichkeit" oder das ewig frische "Sunny" wechseln mit eigenen Kompositionen. "SummerSwing" am 11. August, Amtshof in Großburgwedel.
Ob nun Kitty Hoff tatsächlich eine "Annett Lousian für Erwachsene" ist, mögen die Kritiker unter sich abmachen. Tatsächlich ist sie aber die erste deutsche Künstlerin, die bei dem legendären Jazz-Plattenlabel Blue Note unter Vertrag steht. Ihre Minutendramen setzt sie ausdrucksstark in Szene. Zuhause heißt das neue Album der Berliner Chansonette, auf dem sie zusammen mit ihrer Band Foret-Noire wieder ihr Bestes gibt: Ob orchestraler Glitzerpop, rumpeliger Kirmes-Blues, lyrische Walzerballade oder sommerlicher Off-Beat alles ist möglich am 12. August im Bürgerhaus Bissendorf.
Die Berliner Band Rotfront bläst mit ihrem Emigrantski Raggamuffin den Monokulturen den Marsch. Russendisko Miterfinder Yuriy Gurzhy und seine Crew sorgen für den Soundtrack zur Globalisierungsparty. Rap, Rock, Balkanpop ertönt, dazu galoppieren Punk und Polka, erklingen Klezmerklänge und Reggae-Rhythmen. Rotfront werden auch bei ihrem Auftritt im Isernhagenhof am 20. August schnell die Barriere zwischen Bühne und Tanzfläche überwinden.
Alle Informationen über die insgesamt 33 Veranstaltungen im Kultursommer 2010 der Region Hannover fasst das 64-seitige Programmheft zusammen. Die Broschüre liegt in den Städten und Gemeinden der Region Hannover sowie bei den Mitveranstaltern aus.
Der Kartenvorverkauf findet in den üblichen Vorverkaufsstellen der jeweiligen Veranstaltungsorte statt. Die Adressen sind mit Telefon- und Telefaxnummer bzw. E-Mail im Programmheft unter der Veranstaltung genannt.
Weitere Informationen zum Kultursommer gibt das Team Kultur der Region Hannover unter Telefon (05 11)61 62 20 73, E-Mail: kultur@region-hannover.de. Das Kultursommerprogramm ist auch unter www.hannover.de einzusehen bzw. herunterzuladen.