Ein außergewöhnliches Konzertereignis

Erhu-Solistin Ma Xiaohui und Rezitator Wolfgang Menzel präsentierten sich als Erfolgsduo

Ma Xiaohui und Wolfgang Menzel gastierten im Bürgersaal

Wedemark (sch). Ein in vielfacher Hinsicht außergewöhnliches Konzertereignis begeisterte am Sonntag die Besucher des Bürgersaals der Gemeinde Wedemark. Die international gefeierte Erhu-Solistin Ma Xiaohui präsentierte westliche und östliche Kompositionen, die von Lesungen des Brelinger Literaturprofessors Wolfgang Menzel begleitet wurden. Außergewöhnlich war bereits die Entstehung dieser Veranstaltung, die von der Gemeinde gemeinsam mit dem ECHO organisiert wurde. Bürgermeister Tjark Bartels verwies in seiner Begrüßung auf den Delegationsbesuch aus der chinesischen Region Luan, den er am 14. September in die Wedemark eingeladen hatte. In einem Nachbereitungstreffen dieses Kontaktes ergab sich kurzfristig die Möglichkeit, ein Gastspiel mit chinesischer Musik von Weltrang im Bürgersaal zu realisieren. Außergewöhnlich darf man den Mut der Gemeindeverwaltung nennen, ein so exotisches Programm in ländlicher Umgebung anzubieten. Außergewöhnlich mag auch allemal die Ankündigung geklungen haben, mit Ma Xiaohui eine Interpretin von Weltrang in die Wedemark einzuladen. Schließlich ist es keineswegs einfach, eine Musikerin, die in so namhaften Konzertsälen wie der ehrwürdigen Carnegie Hall aufzutreten gewohnt ist, für ein Gastspiel in den Bürgersaal nach Bissendorf zu locken. Außergewöhnlich sollte schließlich auch die Premiere einer Symbiose zwischen Lesungen deutsch-chinesischer Prosa und Lyrik mit den Klängen des traditionellen Instrumentes aus dem Reich der Mitte werden. Hierfür hatte Professor Wolfgang Menzel gemeinsam mit ECHO-Verlagsleiter Thorsten Schirmer eine abwechslungsreiche Auswahl von Texten zusammengestellt, die dem Publikum eine Brücke zum tieferen Verständnis des ostasiatischen Denkens und Fühlens schlagen sollten. Dieses Konzept erwies sich als Glücksgriff und gab dem Konzertabend einen außergewöhnlichen Rahmen vor, der vom Publikum begeistert angenommen wurde. Mit fesselnder und lebendiger Erzählweise trug Menzel seine Texte vor, die locker zwischen die Solodarbietungen der chinesischen Interpretin eingestreut waren. Ma Xiahui begnügte sich gleichfalls nicht allein mit der Inszenierung Ihres Erhuspiels, sie verstand es auch ausgezeichnet, in fließendem Englisch das Publikum in die Welt der klassischen Musik Chinas einzuführen. Mit großer Bühnenpräsenz und viel Charme kokettierte sie dabei mal mit den Besuchern, mal mit ihrem kongenialen Partner, den sie in Wolfgang Menzel gefunden hatte. Beide zogen mit ihren Darbietungen das Publikum in ihren Bann und kreierten einen höchst abwechselungsreichen wie unterhaltsamen Dialog. Was Ma Xiaohui dabei aus ihrem bescheidenen, nur zweisaitigen Instrument an Klangfülle und emotionaler Tiefe herauszuholen imstande war, hatte allemal das Prädikat „weltklasse“ verdient. Dies wurde nicht nur für die vielen Zuschauer, denen die Erhu bisher noch gänzlich unbekannt war, spürbar. Auch eine kleine Schar musikbegeisterter Chinesen, die aus der ganzen Region Hannover ihren Weg nach Bissendorf gefunden hatten, zeigte sich tief beeindruckt. „So ein großartiges Erhu-Spiel habe ich noch nie erlebt“, brachte es eine Mitarbeiterin des Konfuzius-Instituts aus Hannover auf den Punkt. Ma Xiaohui ließ ihr Instrument dabei in allen Klangfacetten glänzen. Lautmalerisch imitierte sie mal das vielstimmige Vogelgezwitscher in der Bergwelt Chinas, mal galoppierende Pferde im mongolischen Grasland. Mit zwei Zugaben verabschiedete sich das neu geformte Duo Ma Xiahui und Wolfgang Menzel von seinem begeisterten Publikum. Dazu lockte die Erhu-Solistin den gestandenen Literaturprofessor in eine geradezu unglaubliche Improvisation. Ohne die deutschen Texte zu verstehen, gelang es ihr, ausschließlich an der Stimmlage Menzels den vorgetragenen Textzeilen eine passende musikalische Improvisation gegenüber zu stellen, die vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert wurden. Am Ende eines wirklich außergewöhnlichen Konzertabends waren sich alle Beteiligten einig, ein absolutes Highlight im Veranstaltungskalender der Gemeinde Wedemark erlebt zu haben.