Engagement vor der Umsetzungsphase

Gemeinsame Argumentation entwickeln für das Projekt Moorgeest (v.l.n.r.): Jörg Woldenga, Karl-Heinz Müller, Ludwig Uphus, Heinz Didl, Jochen Pardey, Prof. Dr. Axel Priebs, Dr. Matthias Miersch, Folke Hein, Caren Marks, Helge Zychlinski. (Foto: G. Gosewisch)

Projekt Moorgeest soll nicht mit politischem Kalkül aufgehalten werden

Resse (gg). Nach der abgeschlossenen Planungsphase zum Projekt Hannoversche Moorgeest, das den Erhalt und die Renaturierung des Bissendorfer-, des Helstorfer- und des Otternhagener Moores sowie des Schwarzen Moores herstellen soll, wird die Umsetzung vom Bundesministerium für Umwelt in Frage gestellt. Es sind fachliche Feststellungen des zuständigen Bundesamts für Umwelt zum mangelnden ökologischen Wert des Projekts, die zum Stopp vor der Umsetzung geführt haben. Es geht um ein Finanzierungsvolumen von etwa acht bis zehn Millionen Euro, das auf Bundesebene für das Regionsprojekt bewilligt werden soll. Auf Initiative des stellvertretenden Bürgermeisters der Gemeinde Wedemark Helge Zychlinski gab Dr. Matthias Miersch, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, im offenen Gesprächskreis vor Ort in Resse seine Einschätzung zum aktuellen Sachstand. Demnach wird das Projekt in den Fachabteilungen auf Bundes- und Länderebene geprüft. Es werde eine Einschätzung aus dem Niedersächsischen Umweltministerium erwartet, um danach über eine Erörterung in einem Fachgespräch auf Bundes- und Länderebene zu einer abschießenden Beschlusslage zu kommen. „Hier ist Engagement nötig, um Einfluss auf diesem Prozess zu nehmen“, erklärt Dr. Matthias Miersch und begrüßt die Unterstützung der Vertreter der Umweltverbände in der Gesprächsrunde. Ihm geht es um das Einbringen aktueller Erklärungen, um politischen Druck auszuüben. Professor Axel Priebs, Umweltdezernent der Region Hannover bestätigt, dass das Bundesamt für Naturschutz in der Planungsphase zum Projekt eingebunden war. Der zur finanziellen Bewilligung beim Bund eingebrachte Pflege- und Entwicklungsplan ist an eine Flächengröße gekoppelt. Die Größe wurde als Kompromiss festgelegt und entspricht den Wünschen der beteiligten Eigentümer der Flächen. Dass diese Flächengröße vom Bundesamt für Umwelt nun als nicht ausreichend für eine Spitzenförderung durch den Bund festgestellt wird, erfordere eine fachliche Argumentation. Als Vertreter der Umweltverbände erklärt Ludwig Uphus, dass die Größenabgrenzung des Kerngebiets ökologisch sinnvoll ist. Einvernehmen auch mit Ortsbürgermeister in Resse Jörg Woldenga, der klar stellt, dass der vom Bundesamt geforderte so genannte hydrologische Verbund der vier Moore rund um Resse noch nie gegeben war und auch nicht herzustellen sei: „Besiedelt ist Resse, weil es hier eine Geländeerhöhung gibt.“ Sybille Maurer-Wohlatz, Geschäftführerin BUND Region Hannover rät zur Modellrechnung, um den ökologischen Wert darzustellen: „Es geht hier um die CO²-Bindung und die Wasser-Speicherfunktion des Moores. Über Rechnungen kann man Bilanzen aufstellen und aufzeigen, was passiert du welche Kosten entstehen, wenn das Moor nicht erhalten wird.“ Aktionen wie die Unterschriftensammlung des BUND „Wir wollen Moor“ sollen den Bürgerwillen dokumentieren. Auf etwa 800 000 Euro schätzen die Umweltverbände den bisherigen finanziellen Aufwand, der bereits in der Planungsphase des Projekts investiert wurde. „Es geht um die Glaubwürdigkeit der Politik und die Verlässlichkeit für den ehrenamtlichen Naturschutz“, so die Mahnung der Bundestagsabgeordneten Caren Marks und weiter, „Bei der Finanzierung von Projekten geht es immer um eine Prioritätenfrage. Die darf hier nicht der Politik unterliegen.“