Europäische Nerze sollen am Steinhuder Meer wieder heimisch werden

Europäischer Nerz
 
Europäischer Nerz

Rüde „Erwin“ macht den Anfang

Region Hannover. Was haben Schneeleoparden,
Eisbären und europäische Nerze gemeinsam? Alle drei Tierarten sind
nach Einschätzung der Weltnaturschutzorganisation IUCN weltweit als
„stark gefährdet“ eingestuft. Jetzt soll der Nerz am Steinhuder
Meer wieder heimisch werden. Dr. Stefan Birkner, Staatssekretär im
Niedersächsischen Umweltministerium und der Umweltdezernent der
Region Hannover, Prof. Dr. Axel Priebs, haben am Freitag, 25. Juni „Erwin“, das erste männliche Exemplar, in ein Eingewöhnungsgehege im Meerbruch eingesetzt, aus dem es in etwa einer Woche in die Freiheit entlassen werden kann.
Trägerin des Projekts zur Wiederansiedlung der europäischen Nerze
ist die Region Hannover. Die Umsetzung liegt in den Händen der
Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) und dem Verein
Euronerz. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt. Unterstützt wird
es vom Niedersächsischen Umweltministerium und der Wild- und
Artentierschutzstation Sachsenhagen. Die Tiere, die nun am
Steinhuder Meer ihr neues Zuhause finden, stammen aus der
Erhaltungszucht des Vereins Euronerz mit Sitz in Hilter bei
Osnabrück. Der seltene europäische Nerz ist nicht zu verwechseln
mit dem Amerikanischen Mink, der oft fälschlich als Nerz bezeichnet
wird und als Pelztier auf Farmen gezüchtet wird.
"Der Europäische Nerz gehört zur Fauna unserer heimischen Still-
und Fließgewässer, ebenso wie Otter und Biber", betonte der
Staatssekretär des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und
Klimaschutz, Dr. Stefan Birkner. Durch starke Bejagung standen
diese Arten in Mitteleuropa kurz vor dem Aussterben und haben sich
durch Schutzmaßnahmen wieder erholt. "Unser Ziel ist es, auch den
Europäischen Nerz in Niedersachsen wiederanzusiedeln", sagte
Birkner. Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt und
Klimaschutz hat das Auswilderungsprojekt in der Höhe von 28.000
Euro gefördert. Weitere 8.000 Euro kommen von der Region Hannover.
Prof. Dr. Axel Priebs, Umweltdezernent der Region Hannover, hob die
Bedeutung des Steinhuder Meeres für den Erhalt von Flora und Fauna
hervor: „Der Nerz gehört zu den am meisten gefährdeten Säugetieren
in Europa. Am Steinhuder Meer findet er heute wieder einen
großflächigen Lebensraum vor, der die Voraussetzung für eine
erfolgreiche Rückkehr dieser Art ist. Obwohl der Naturpark auch ein
Erholungsgebiet ist, stehen hier Mensch und Natur nicht in
Konkurrenz.“
Der Lebensraum des Europäischen Nerzes besteht in der Regel aus
Sümpfen, Bruchwäldern, Mooren und Röhrichten. Solche Gebiete sind
am Steinhuder Meer vorhanden und geschützt. Zahlreiche geeignete
Lebensräume entstanden durch Naturschutzmaßnahmen.
Das Wiederansiedlungsprojekt des Europäischen Nerzes am Steinhuder
Meer ist zunächst auf fünf Jahre ausgelegt. In diesem Zeitraum soll
der Europäische Nerz im Naturpark wieder heimisch werden. Dazu
werden jährlich etwa 20 Nerze ausgewildert. Die Tiere stammen aus
dem Zuchtprogramm des Vereins Euronerz, der sich seit Jahren um die
Erhaltungszucht dieser seltenen Tierart bemüht, und aus
unterschiedlichen Zoos und Wildparks, wo sie unter der Koordination
von Euronerz e.V. ebenfalls gezüchtet werden.
Die erste Generation der ausgewilderten Tiere stammt ausschließlich
aus Gefangenschaft, da eine Entnahme wildlebender Nerze aufgrund
ihrer Seltenheit nicht möglich ist. Die Tiere sind auf eine
selbstständige Nahrungsbeschaffung trainiert und sind in der Lage
sich „draußen“ zu ernähren. Anders als in Freiheit aufgezogene
Jungtiere haben einige der Nerze keine Angst vor Menschen, so dass
es möglich ist, dass die Tiere auf der Suche nach einem eigenen
Revier auch kurzzeitig Siedlungen durchlaufen. Die Tiere sind
ungefährlich, ernähren sich hauptsächlich von Mäusen und anderen
Kleintieren. Von Steinmardern, Iltissen und Hermelinen sind sie gut
zu unterscheiden. Nerze sind einfarbig dunkelbraun und an Ober- und
Unterlippe schneeweiß gefärbt. Man sollte die kleinen Nerze aber
nicht greifen.
Weitere Informationen zum Nerz-Projekt: Thomas Brandt,
Wissenschaftlicher Leiter der ÖSSM, Telefon (0 50 37) 96 73