Frühe Beratung für besseren Kinderschutz

Stellten im Regionshaus das Konzept der Frühen Beratung vor: Dr. Stefanie Everwien von der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Neustadt, Sozial- und Jugenddezernent Erwin Jordan von der Region Hannover, Christine Schütze v.l.n.r.

Neues Angebot der Familien- und Erziehungsberatungsstellen der Region Hannover

Region. Wenn ein Kind unablässig schreit, scheinbar ohne jeden Grund. Wenn ein Kind nichts trinkt, obwohl es schon ganz schlapp ist. Wenn ein Kind trotzt und bockt und mit Löffeln, Essen oder Bauklötzen nur so um sich wirft – es gibt viele Gründe, warum Eltern von Babys und Kleinkindern in mancher Situation schlicht überfordert sind. Damit sich anfängliche Schwierigkeiten nicht negativ auf die Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind auswirken, bieten die Familien- und Erziehungsberatungsstellen der Region Hannover ab September eine Beratung speziell für Eltern von Kindern unter drei Jahren an.
„Unser Ziel ist, so wie früh wie möglich auf Probleme in den Familien eingehen zu können, um Konflikte zu entschärfen und so von Anfang an Misshandlungen oder Entwicklungsstörungen von Kindern zu verhindern“, sagte Sozial- und Jugenddezernent Erwin Jordan von der Region Hannover bei der Vorstellung des neuen Angebots am Donnerstag, 19.8. in Hannover. Die so genannte Frühe Beratung sei damit auch eine Antwort auf die stetig steigenden Zahlen in der Jugendhilfe: „Das Angebot in den Familien- und Erziehungsberatungsstellen ist Teil unserer Strategie, dem derzeit wachsenden Bedarf an akuten Hilfen für Kinder schon im vorschulischen Alter zu entgegnen und den Kinderschutz maßgeblich zu verbessern“, so Jordan. Im Zuständigkeitsbereich der Region Hannover ist der Anteil der Jugendhilfen für Kinder unter sechs Jahren deutlich gestiegen. In der Spanne von 2006 bis 2009 nahm die Anzahl der ambulanten Hilfen in den Familien für Kinder unter drei Jahren um rund 70 Prozent zu. In der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen fiel der Anstieg der sozialpädagogischen Familienhilfen mit rund 282 Prozent noch deutlich höher aus. Damit geht einher, dass Familien mit Kindern im Vorschulalter nur selten von sich aus Beratung und Unterstützung suchen: Gerade mal elf Prozent beträgt der Anteil von Eltern mit Kleinkindern bis sechs Jahren, die im vergangenen Jahr eine der drei Familien- und Erziehungsberatungsstellen in Barsinghausen, Burgdorf und Neustadt am Rübenberge besucht haben. Das soll sich nun mit der neuen Beratung ändern: „Die Geburt eines Kindes verändert das Familienleben und es entstehen häufig Unsicherheiten und Fragen bei den Eltern“, so Christine Schütze von der Familien- und Erziehungsberatungsstelle in Burgdorf. „Wir suchen gemeinsam mit den Eltern nach Ursachen für die Auffälligkeiten der Säuglinge und Kleinkinder und bieten Erklärungen und konkrete Lösungsvorschläge, die auf die individuelle Situation in der Familie abgestimmt sind." Ein Weg ist, die elterlichen Fähigkeiten zu stärken und damit eine gute und verlässliche Bindung zwischen Eltern und Kind aufzubauen. „Das Angebot zielt darauf ab, die Interaktions- und Erziehungskompetenzen der Eltern zu fördern und damit die Entwicklung ihrer Kinder von Anbeginn an frühzeitig zu verbessern“, so Karin Behling von der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Barsinghausen. „Die Qualität der Bindung hat einen bestimmenden Einfluss auf die Entwicklung der Kinder in den Bereichen der sozialen, emotionalen und auch geistigen Fähigkeiten. Indem wir Eltern stärken, beugen wir negativen Entwicklungsverläufen vor“, ergänzt Dr. Stefanie Everwien von der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Neustadt am Rübenberge. Um gezielt Familien mit Kindern bis zu drei Jahren beraten zu können, haben sich die Mitarbeiterinnen in den Beratungsstellen durch spezielle Fortbildungen qualifiziert. Interessierte Eltern können sich telefonisch oder persönlich in den Beratungsstellen anmelden. Danach wird direkt mit der Fachkraft für die Frühe Beratung ein Termin vereinbart. Die Beratung ist kostenlos, die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht. Die Dauer des Beratungszeitraumes sowie die Anzahl der Termine wird in Absprache mit den Ratsuchenden vereinbart. Anmeldungen und weitere Informationen:
FEB Barsinghausen: Am Waldhof 1, Karin Behling, Telefon: 05105/52 54 60/63
FEB Burgdorf: Spittaplatz 5, Christine Schütze, Telefon: 05136/60 78
FEB Neustadt am Rübenberge: Schillerstrasse 2, Dr. Stefanie Everwien, Telefon: 05032/953 80

Stichwort: Familien- und Erziehungsberatungsstellen (FEB).
Ob aggressives Verhalten, Beziehungs- oder Schulprobleme, Scheidung der Eltern – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Familien- und Erziehungsberatungsstellen helfen einfühlsam und vertraulich vor Ort. Diplom-Psychologen, Kinder- und Jugendtherapeuten, Pädagogen und Diplom-Sozialpädagogen arbeiten dabei als multidisziplinäres Team Hand in Hand. Sie bieten neben der Diagnostik und Beratung unterschiedliche Therapieformen für Familien und Einzelpersonen an. Drei Familien- und Erziehungsberatungsstellen hat die Region Hannover eingerichtet: in Barsinghausen, Burgdorf und Neustadt am Rübenberge mit ihren Außenstellen in Springe, Laatzen, Seelze, Sehnde und Uetze.