MIT in der Region informiert sich

Wolfgang Stoltmann (v. l.), Kreisvorsitzender Hannover-Land; Mirco Zschoch , Stadtverbandsvorsitzender Burgdorf; Oswald Metzger, Präsidiumsmitglied der Bundes-Mittelstandsvereinigung.

Oswald Metzger referiert vor Mittelständlern in Beinhorn

Region. Über 70 Teilnehmer waren der Einladung der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) in die „Moormühle“ in Beinhorn zur Mitgliederversammlung und anschließendem Vortrag gefolgt. Als Referent zu drängenden mittelstandsrelevanten Fragen konnte Oswald Metzger, früherer haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, gewonnen werden. Metzger, aus Bad Schussenried in Baden-Württemberg, gehört seit einigen Jahren der CDU an und ist im Bundespräsidium der MIT. Die Teilnehmer - unter ihnen die Landtagsabgeordneten Prof. Emil Brockstedt und Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens und der Vorsitzende der FDP Burgdorf Armin Pollehn - wurden begrüßt vom Vorsitzenden der MIT Burgdorf, Mirco Zschoch, und vom Vorsitzenden der MIT Hannover-Land, Wolfgang Stoltmann. Zschoch und Stoltmann leiteten den Abend mit der thematischen Überschrift „Reformen und Veränderungen in einer älter werdenden Gesellschaft“ ein. Es komme darauf an, verlorenes Vertrauen in die Politik mit Lösungen zurück zu gewinnen. Oswald Metzger unterstrich, dass der Begriff „Reform“ sich schon zu einem Unwort entwickelt habe. Statt Euphemismus seien ehrliche Aussagen über die tatsächlichen Umstände im Land angebracht. Metzger ging auf die sog. „Rentengarantie“ ein. Zweidrittel der bezogenen Rente seien nur noch durch das Beitragsaufkommen gedeckt. Ein Drittel würde bereits schon heute vom Steuerzahler aufgebracht. Rentenbezieher seien für Metzger ausdrücklich keine „Raffkes“. Auch dürften Junge nicht gegenüber Alten ausgespielt werden. Wer länger lebe, könne nicht kürzer arbeiten und früher in Rente gehen. Metzger zitierte Ludwig Erhard mit den Worten, dass Wohltaten, die die Politiker versprechen, vom Volk erarbeitet werden müssten. Gutgläubige hätten in unterhaltungsjournalistischen Talk-Shows die Mehrheit, getreu auch dem Motto, dass der Betroffene immer recht hätte. Dabei sei die sozialpolitische Diskussion aus dem Ruder gelaufen. Wirkliche Aufklärung sei nicht gefragt. Es habe etwas mit Menschenwürde zu tun, wenn sich Menschen anstrengten, auf eigenen Füßen zu stehen. Die Gesellschaft müsse auch Menschen aus prekären Verhältnissen eine bildungspolitische Chance geben. Statt „viel hilft viel“ sollten eingesetzte Mittel zielgenauer platziert werden. Hilfe zur Selbsthilfe in Verbindung mit familiärer Unterstützung bedeute einen deutlich besseren Weg. Jede Generation müsse ihre eigene Lebensleistung erbringen. In erster Linie komme es auf die Vererbung der Ausbildung und der Talente an. In diesem Zusammenhang sprach sich Metzger für eine Flattax für alle Einkommensarten aus. Metzger zeigte sich überzeugt, dass in den Herzen und Köpfen der Menschen ein hohes Erkenntnispotential stecke. Der Bürger könne „abgeholt“ werden. Wer authentisch und stimmig rüberkomme, wer mit Leidenschaft und einem brennenden inneren Feuer bewusst gegenüber der Sache argumentiere, werde überzeugen. Auch komme es darauf an, vorgefasste Meinungen kritisch zu hinterfragen. Auf eine Politik mit Augenmaß komme es an. Ein guter Politiker müsse ein Menschenfreund sein, so der 55-jährige Publizist abschließend.