„Türen öffnen…“ für jedermann

Das Team des Diakonieverbandes Hannover-Land um Superintendent Martin Bergau (v.l.) und Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes (v.r.) bietet kostenlos fachlich kompetente Hilfe unabhängig von sozialer Herkunft, Alter, Geschlecht und Religionszugehörigkeit.

Vielfältiges Hilfsangebot des Diakonieverbands Hannover-Land stellt sich vor

Großburgwedel (ak). „Ach, ich wusste ja gar nicht, was die Diakonie so alles macht…“ so oder so ähnlich wird Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes häufig vor Augen geführt, wie viel Informationsbedarf gegenüber der Arbeit des Diakonieverbandes besteht. Bei einem Pressetermin vergangenen Donnerstagvormittag wurde unter dem Thema „Türen öffnen…“ das breite Spektrum der sozialen Arbeit des Diakonieverbandes Hannover-Land vorgestellt, das sich an Menschen aller Altersgruppen unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht und Religionszugehörigkeit richtet.
„Der Kirchenkreissozialdienst sieht sich als erste Anlaufstelle für Menschen in unterschiedlichen Not- und Lebenslagen“, so die betreuende Kraft für diesen Bereich Angela Carld. Hierbei handle es sich um einen „ausschließlich kirchlich finanzierten Dienst, unabhängig von Weisungen Dritter“, welcher kostenlos angeboten wird. Die ergebnisoffene Beratung kann auf verschiedenen Wegen zustanden kommen ob in der offenen Sprechstunde, nach Terminabsprache, im Telefongespräch oder im Bedarfsfall auch bei den Betroffenen zu Hause. Die fachlich qualifizierte Hilfe umfasst ein breites Spektrum angefangen bei der sogenannten „sozialanwaltlichen Unterstützung“, die die Information über gesetzliche Ansprüche und die entsprechende Beantragung sowie sozialrechtliche Fragen beinhaltet. Des Weiteren umfasst das Angebot Beratung und Hilfe in wirtschaftlichen Notlagen, psychologische Beratung, die Raum für persönliche Fragen und Probleme lässt, sowie die Unterstützung bei Anträgen für Familienerholung. Wichtig sei es, betonte Angela Carld, „sich Zeit zu nehmen, zuzuhören, Menschen ernst zu nehmen“, um Unsicherheiten und Ängste abzubauen und Perspektiven zu eröffnen. In 2010 wurden bisher 83 Haushalte in 102 persönlichen Kontakten sowie 82 Telefongesprächen unterstützt. Sind die fachlichen Grenzen der Mitarbeiter des Kirchenkreissozialdienstes erreicht wird an weitere kompetente Stellen verwiesen.
Experten im Bereich „Kurenberatung- und vermittlung“ sind Friedhelm Neumann in Burgwedel sowie seit Juli 2010 Astrid Kempf in Langenhagen. Grundsätzlich habe Frauen wie auch Männer, die Kinder erziehen oder Angehörige pflegen einen Anspruch auf medizinische Vorsorge- und Rehabilitierungsmaßnahmen, die, sofern eine medizinische Indikation des Arztes vorliegt, von den Krankenkassen finanziert werden, was sich in der Praxis jedoch nicht immer so unkompliziert darstellt. Erschöpfungszustände bis hin zum „Burn-out“, Angstzustände, Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen sind Symptome unter denen die Betroffenen zu leiden haben, was eine deutliche „Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben“ mit sich bringe, so Friedhelm Neumann.
Ebenfalls mit Familien beschäftigt sich Dorothee Beckermann, die in Langenhagen für die diakonische Familienarbeit zuständig ist. Dieses Projekt soll Modellcharakter haben und möglichst später auf andere Regionen übertragen werden. „Eltern werden zunehmend unsicherer“, so Dorothee Beckmann, sodass sie Angebote zur Stärkung der Familienkompetenzen anbieten, die Förderung nachbarlicher Netzwerke voran treiben sowie den Zugang zu professionellen Hilfsangeboten fördern, um nur einen Teil des Spektrums zu nennen. Ausgangspunkt dieser Arbeit bilden die Kitas als Orientierungspunkt für die Bedürfnisse der Familien.
An junge Menschen, meist noch Schüler, richtet sich das Projekt der Schuldenprävention durch André Lang. Primär sind Kirchengemeinden und Bildungseinrichtungen Ansprechpartner für dieses Angebot, um im Rahmen von zwei bis drei Schulstunden über die Ursachen von Überschuldung und die Möglichkeiten einer Schuldenregulierung zu sprechen. Mit dem Gymnasium Großburgwedel besteht bereits eine Zusammenarbeit. In einem solchen schulischen Rahmen weißt Lang unter anderem auch auf weitere Beratungsangebote wie die Schwangerenberatung hin, um den jungen Menschen zu zeigen, dass auch sie mit ihren Problemen nicht allein gelassen werden.
Die Fachstelle für „Sucht und Suchtprävention“ vertreten durch Katrin Küster richtet sich an Menschen mit einer bereits bestehenden Abhängigkeit sowie den Missbrauch von Alkohol und Medikamenten. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der ambulanten medizinischen Rehabilitation, die 2 Gespräche wöchentlich über etwa 1,5 Jahre beinhaltet. Eine weitere Möglichkeit bietet eine Behandlung im stationären Rahmen durch die Kooperation mit Fachkliniken. Des Weiteren können Angehörige ein therapeutisches Hilfsangebot in Anspruch nehmen sowie Menschen die in Folge der Sucht ihren Führerschein verloren haben an einer MPU-Schulung teilnehmen. Die Hauptstelle der „Sucht und Suchtprävention“ befindet sich in Burgdorf, wo überwiegend Vermittlungen und Behandlungen stattfinden, in Burgwedel wird einmal wöchentlich eine einstündige Sprechstunde angeboten.
Einen wichtigen Faktor im breiten Spektrum der diakonischen Arbeit stellt der „Pool für Arbeitsangelegenheiten“ dar. Zwei wichtige Maßnahmen stehen bei diesem Projekt unter der fachlichen Anleitung von Holger Hornbostel in Langenhagen im Mittelpunkt: Die Verbesserung von Integrationschancen in den Arbeitsmarkt sowie die Stabilisierung des psychosozialen Umfelds der Teilnehmer, wie Abbau von Existenzängsten und Entwicklung eines positiven Selbstbildes. Die Beratungsstelle bietet derzeit 40 AGH-Plätze an, als sogenannte „Ein-Euro-Jobs“ bekannt, wovon 27 derzeit besetzt sind. Die Vermittlungsquote in Arbeit beträgt etwa 20 bis 25%. Wichtig für Langzeitarbeitslose sei es erst einmal, so Hornbostel, „zu merken, sie werden gebraucht“, wie etwa bei Hilfsarbeiten in Kitas oder bei der Seniorenhilfe. Das Büro des Diakonieverbandes Hannover-Land befindet sich Im Mitteldorf 3 in Großburgwedel. Angela Carld vom Kirchenkreissozialdienst ist telefonisch unter 05139/9976-12 zu erreichen.