Umsetzung der Moorgeest in Frage gestellt

Ist das Naturschutzprojekt Hannoversche Moorgeest gestorben?

Naturschutzgroßprojekt: Bundestagsabgeordnete sollen helfen

Langenhagen/Wedemark. Das Naturschutz-Großprojekt Hannoversche Moorgeest hat mit dem erfolgreichen Abschluss der über dreijährigen Planungsphase einen wichtigen Meilenstein erreicht. Um die vorgesehenen Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der vier Hochmoore im Norden der Region in den nächsten Jahren umsetzen zu können, ist nun weitere Überzeugungsarbeit beim Bundesamt für Naturschutz und beim Bundesumweltministerium nötig. Regionspräsident Hauke Jagau bittet deshalb alle Bundestagsabgeordnete mit Wahlkreis in der Region Hannover um ihre Mithilfe. Die Nachrichten aus Bonn, Sitz der zuständigen Stellen des Bundes, sorgen für Beunruhigung in Hannover: Die notwendigen Fördermittel in Millionenhöhe scheinen dem Projekt Hannoversche Moorgeest noch lange nicht sicher. Beim Bund, mit 70 Prozent der Fördermittel immerhin Hauptgeldgeber für das Projekt, tut man sich schwer mit dem um etwa 700 Hektar verkleinerten Kerngebiet. Die Region Hannover ist aber überzeugt, die Naturschutzziele auch auf einer kleineren Fläche verwirklichen zu können: „Das Moorgeestprojekt erfüllt nach wie vor alle Förderkriterien des Bundes. Wir werden alles dafür tun, die geplanten Maßnahmen so zeitnah wie möglich umzusetzen. Schließlich sichern wir damit nicht nur vier bedeutsame Moore mit vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten, sondern tun gleichzeitig auch viel für die Klimaschutzziele der Region“, sagt Prof. Dr. Axel Priebs, Umweltdezernent der Region Hannover. Mit der Vorlage eines detaillierten Pflege- und Entwicklungskonzepts und einer sozioökonomischen Studie ging die Zeit der Bestandsaufnahmen und Maßnahmenplanung zu Ende. Mit der Zustimmung der Projektgremien und der Regionsversammlung schien der Weg bislang offen für eine zügige Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen. Bis es aber tatsächlich soweit ist, muss anscheinend noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Deshalb erhalten die zwölf Bundestagsabgeordneten aus der Region in diesen Tagen Post vom Regionspräsidenten. „Ein Scheitern des Projekts in dieser entscheidenden Phase hätte verheerende Folgen und würde zu einem erheblichen Glaubwürdigkeitsschaden und einem Vertrauensverlust für lange Zeit führen, da insbesondere von den betroffenen Nutzergruppen und der Bevölkerung viel Zeit und persönliches Engagement in das Gelingen investiert wurden und das Projekt vor Ort mittlerweile eine breite Zustimmung erfährt“, warnt Regionspräsident Jagau und wirbt deshalb um Unterstützung durch die Repräsentanten der Region in Berlin.
Wir haben gute Argumente – fachliche wie auch politische -, die alle für das Projekt sprechen. Der Blick nach Russland – wo seit Tagen die trockengelegten Moore rund um Moskau brennen – zeigt auf dramatische Weise wie wichtig solche Renaturierungsmaßnahmen sind“, ist auch Axel Priebs überzeugt. „Deshalb gehen wir davon aus, dass wir das Moorgeest-Projekt am Ende doch wie geplant umsetzen können.“ Damit die Akteure im Projekt über den aktuellen Stand umfassend informiert werden , hat die Regionsverwaltung die Projektbegleitende Arbeitsgruppe für den heutigen Tag (12. August) noch einmal zu einem Gespräch eingeladen. „Uns ist es wichtig, die gute und offene Atmosphäre mit den beteiligten Nutzergruppen zu pflegen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie wir das Moorgeest-Projekt erfolgreich umsetzen können,“ bekräftigt Reinhild Muschter, Projektleiterin, „Ich bin sicher, auch diese Schwierigkeit werden wir gemeinsam meistern und den Bund von unserem Projekt überzeugen.“ Trägerin des Projekts Hannoversche Moorgeest ist die Region Hannover. Das Ziel: vier Moore nördlich der Landeshauptstadt nicht nur zu erhalten, sondern wieder in ihrenursprünglichen Zustand zu versetzen. Die Ausgangslage ist gut: Industrielle Abtorfung hat in diesem Bereich nicht stattgefunden, viele Tier- und Pflanzenarten sind dort nach wie vor heimisch. In den folgenden Jahren soll – wenn das Projekt fortgesetzt wird – das Regenwasser im Moor gehalten werden, um das Wachsen neuer Torfschichten zu ermöglichen – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, denn Torf bindet Kohlendioxid. In den vergangenen Jahren haben Experten den Bestand registriert, aber auch zahlreiche Gespräche mit Eigentümern, Anliegern und anderen am Projekt Interessierten geführt. Dabei ging es auch um die Sorge, dass Häuser oder anderes Eigentum geschädigt werden könnte, wenn der ursprüngliche Wasserhaushalt wieder hergestellt wird. „Wir haben zahlreiche wertvolle Anregungen bekommen, wurden aber auch mit vielen Zweifeln konfrontiert“, sagt Projektleiterin Reinhild Muschter. Die Planer haben berechtigten Bedenken Rechnung getragen und das Vorhaben angepasst. „Natürlich ist unser Ziel, dass niemand durch das Projekt zu Schaden kommt“, sagt Muschter. Deshalb sei der Wille zur Zusammenarbeit eine wichtige Grundlage für die Umsetzung. Geplant ist zum Beispiel, Entwässerungsgräben zu verschließen und Moordämme zu bauen, um das Wasser im Moor zu halten und nicht mehr abzuleiten. Mit 70 beziehungsweise 20 Prozent würden Bund und Land den Großteil der Projektkosten in Höhe von zehn Millionen Euro tragen. Die restlichen zehn Prozent werden von der Region Hannover bereitgestellt.