Sozialgeschichte des Toten Moores am Steinhuder Meer und Kunstausstellung im Mooriz

Resse. Die Sozialgeschichte des Toten Moores am Steinhuder Meer
und eine Kunstausstellung werden vom 20. August bis 30. September  im Mooriz gezeigt.
Zwischen Steinhuder Meer und Neustadt erstreckt sich das Tote Moor, eine heute weitgehend trockengelegte Landschaft. Bemühungen das Moor zu kultivieren, reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. In der Nähe von Neustadt wurde eine Moorkolonie gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung des Torfabbaus. In den Armutsregionen Europas wurden Tausende von Arbeitskräften – Männer und Frauen – angeworben, um im Toten Moor Torf zu stechen. Torfarbeit war Schwerstarbeit.
Während des Ersten Weltkrieges arbeiteten Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter im Moor. Der Mangel an Arbeitskräften und deren Verteuerung im Zuge der Novemberrevolution 1918 führte zur Mechanisierung des Torfstiches. Dennoch wurden nach wie vor erfahrene Torfstecher zum Beispiel in den Niederlanden angeworben. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kriegsgefangene und Zivilisten aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten im Toten Moor als Zwangsarbeiter eingesetzt. In den 1950er und 1960er Jahren kamen erneut ausländische Arbeitskräfte, die diesmal „Gastarbeiter“ genannt wurden. Heute ist das Tote Moor weitgehend abgetorft und trockengelegt. Inwieweit die Renaturierung gelingt, wird die Zukunft zeigen.
Der historische Teil der Ausstellung, verfasst von Hubert Brieden und Helge Kister vom Arbeitskreis Regionalgeschichte in Neustadt am Rübenberge, dokumentiert eines der interessantesten Kapitel zur Geschichte der Arbeitsmigration in der Region Hannover. Ergänzt und vertieft wird die Ausstellung durch „Impressionen“ von Kerstin Faust, freischaffende Künstlerin aus der Gegend um Neustadt, die sich der „Land Art“, Arbeiten aus Naturmaterialien, verschrieben hat.
Die Ausstellung war schon in Neustadt am Rübenberge und in Mardorf zu sehen. Am Sonntag, 20. August, wird sie im Mooriz  für die Wedemark feierlich eröffnet mit einer Vernissage um 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Am Sonntag, 24. September, findet im Rahmen der Ausstellung eine geführte Radtour unter dem Titel „Heimat der Torffräsen – rund um das Tote Moor“ statt. Start ist um 10 Uhr am ZOB Bahnhofsvorplatz in Neustadt am Rbge. Dauer circa vier Stunden. Es werden circa 30 Kilometer geradelt. Die Kosten pro Person betragen fünf Euro. Anmeldung im Moorinformationszentrum, Altes Dorf 1 b, mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr, Telefon (0 51 31) 4 97 97 44.
Am Sonnabend, 30. September, dem letzten Tag der Ausstellung in der Wedemark, wird Hubert Brieden im Mooriz aus seinem Kriminalroman „Totes Moor“, einer wunderbaren Krimisatire am Steinhuder Meer, einige Kapitel vorlesen. Beginn ist um 19 Uhr, Eintritt acht Euro. Karten sind ab sofort im Mooriz erhältlich.