Streit im Rat um Haus am Sande

Schüler aus zwei Klassen der IGS Wedemark verfolgten am Montagabend im Rahmen eines Unterrichtsprojektes die Ratssitzung in Bissendorf. Foto: A. Wiese
Wedemark (awi). Am Haus am Sande, dem früheren Sitz von Kulturamt und Jugendpflege der Gemeinde, schieden sich am Montagabend im Rat die Geister: Eigentlich sollte das Gebäude verkauft werden. 200.000 Euro an Einnahmen sind dafür im aktuellen Haushalt veranschlagt. Doch dann kam es anders: Die Gemeinde muss zusätzliche Krippenplätze schaffen, das will sie in Trägerschaft der Kinderfreunde im Haus am Teich tun. Während das dementsprechend umgebaut wird, sollen die Kinderfreunde mit ihrem Spielkreis sowie die anderen bisherigen Nutzergruppen aus dem Haus am Teich ins Haus am Sande umziehen. Dort müssen daher kurzfristig 140.000 Euro investiert werden. Doch das sind nur vorgezogene Investitionen, die ohnehin notwendig sind, argumentiert die Verwaltung, denn wenn das Haus am Teich fertig ist und die Kinderfreunde dorthin umgesiedelt sind, soll im Haus am Sande ein Familien- und Seniorenzentrum entstehen und dort zugleich die Jugendkunstschule ihr neues Domizil finden, denn das Bademeisterhaus, wo die JuKu seit Jahren residiert, ist das, was man in Fachkreisen als „abgängig“ bezeichnet. Die 140.000 Euro kurzfristige Investition sollte der Rat nun am Montag bewilligen und hat es auch, allerdings nur mit den Stimmen der Ratsmehrheit aus SPD und Grünen plus FDP. WGW und Linke enthielten sich. Die CDU stimmte dagegen. „Diese Übergangslösung ist nur der erste Schritt, um die angegebenen Kos-ten wieder weit zu überschreiten“, argumentierte Jessica Borgas die Ablehnung ihrer Fraktion für die CDU. „Die Veräußerung hätte 200.000 Euro erbracht. Doch davon redet keiner mehr“, so Jessica Borgas. Rechne man Umbau- und Sanierungskosten drauf, sei man bei 700.000 Euro. Die CDU sei sich der Attraktivität eines Familien- und Seniorenzentrums sehr wohl bewusst und der Bedarf stehe außer Frage, erklärte Borgas: „Doch wir können es uns zurzeit nicht leisten“. Man habe eine Schule gebaut, die noch immer nicht fertig sei, ein Rathaus gebaut, das in desolatem Zustand sei, einen Anbau an die Jugendhalle getätigt, der teurer als geplant geworden sei, und das Spiel werde unter Rot-Grün so weiter gehen, befürchtete die CDU-Sprecherin: „Notwendigkeit und Bedarf sind da, es ist eine Bereicherung für die Gemeinde, leider etwas teurer geworden, aber jeder Cent wird es wert sein. Weil wir uns der Verantwortung bewusst sind, werden wir dieser Vorlage und den 140.000 Euro Investitionen in das Haus am Sande nicht zustimmen.“ Diese Art der „Legendenbildung“ lasse er nicht zu, konterte der Bürgermeister. Das Schulzentrum, das die CDU nicht mitgetragen habe, sei keinesfalls teurer als geplant geworden, sondern exakt auf den Cent so teuer wie veranschlagt. Dasselbe gelte für das Rathaus, „und das obwohl dies mit Unkenrufen herbeigefleht wurde, damit man darauf herumhacken kann. Jetzt ist es nicht teurer und man hackt trotzdem darauf herum“, stellte der Bürgermeister fest. Hier gehe es um eine Entscheidung für die Existenz der Jugendkunstschule, die dringend neue Räume benötige, weil die bisherigen nicht mehr tragbar seien. Das Haus am Sande sei für die Jugendkunstschule die günstigste Lösung, das sei durch wirtschaftliche Berechnungen belegt. „Wenn Sie sagen, wir können uns die Jugendkunstschule nicht leisten, kann ich das verstehen, würde es Ihnen aber nicht empfehlen“, wandte sich Bartels direkt an die CDU. Die Gemeinde gebe hier nicht 140.000 Euro für eine Interimslösung aus, sie ziehe lediglich nötige Ausgaben vor. Heiner Peterburs von der SPD kritisierte, vorherige öffentliche Aussagen der CDU, wo diese im Zusammenhang mit dem Haus am Sande von einem „Luxusobjekt“ gesprochen habe. Solche Aussagen seien polemisch und an der Sache vorbei, so Peterburs. Mit dieser In-vestition würden Voraussetzungen geschaffen, dass ganz viele verschiedene Gruppen ihre Arbeitsgrundlage erhalten bliebe. Der Rat stimmte besagten 140.000 Euro mehrheitlich zu.