Windmühle muss abgebaut werden

Noch einmal gibt es keinen Aufschub: Noch vor dem Winter muss die alte Windmühle in Abbensen abgebaut werden – unter Beachtung denkmalschutzrechtlicher Bestimmungen. Archivfoto: A. Wiese

Denkmalgeschütztes Bauwerk in Abbensen ist nicht mehr zu retten

Abbensen (awi). Jetzt ist es amtlich: Die Mühle am Ende der Straße an der Windmühle in Abbensen muss zurückgebaut werden. Das hat die Gemeinde Wedemark nun offiziell angeordnet. Damit wird die seit etwa drei Jahren intensiv geführte Debatte um den Erhalt der vermutlich 200 Jahre alten, denkmalgeschützten Windmühle vorerst abgeschlossen. Von ihrem jetzigen Standort muss die alte Mühle, die von Monat zu Monat baufälliger wird, jedenfalls verschwinden.
Die Rückbauverfügung wurde notwendig, weil die Windmühle in ihrem derzeitigen Zustand eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt, so Gemeindesprecher Ewald Nagel. Bereits 2011 hatte die Untere Denkmalbehörde dem Abbau der Windmühle auf Antrag der damaligen Eigentümerin zugestimmt. Schon zu dieser Zeit sei die Mühle in einem beklagenswert schlechten Zustand gewesen, sodass ein Erhalt des Bau- denkmals wirtschaftlich nicht mehr zumutbar gewesen sei, so Nagel. Die Mühle wurde seinerzeit jedoch nicht abgebaut. Seit 2014 verfiel sie zusehends und stellte laut Auskunft der Gemeinde eine immer größere Gefahr dar, weil die tragenden Konstruktionen des zentnerschweren Mühlenkopfes und des Mahlwerks durch ständigen Wassereintrag morsch geworden waren. Die Gemeinde erarbeitete gemeinsam mit dem örtlichen Mühlensachverständigen einen Notfallplan zur vorübergehenden Rettung der Mühle. Zum Jahreswechsel 2014/2015 wurden provisorisch Stützen eingezogen, die die Standsicherheit der Mühle noch einmal gewährleisteten. Allen Beteiligten sei jedoch klar gewesen, dass diese Maßnahme nur vorübergehender Natur sein konnte. Auch die 2015 eingezogenen Stützen können die Standsicherheit der Mühle heute nicht mehr garantieren, sodass sich die Untere Bauaufsichtsbehörde und Untere Denkmalbehörde in der Pflicht sah, den Rückbau der Mühle noch vor dem kommenden Winter unter Beachtung denkmalrechtlicher Bedingungen anzuordnen. Beim Rückbau der Windmühle müssen wertvolle und noch wiederverwendbare Teile der historischen Konstruktion beziehungsweise der Windmühlentechnik fachgerecht geborgen und für eine Wiederverwendung witterungsge- schützt gelagert werden. Dadurch besteht weiterhin eine große Chance, den Aufbau einer anderen Windmühle mit wichtigen Bauteilen der Abbensener Windmühle zu realisieren. Die Gemeinde Wedemark hat ihre Unterstützung hierbei zugesichert. „Schade“, kommentiert der stellvertretende Ortsbürgermeister Wolfgang Kas-ten aus Abbensen die Entwicklung. Er hatte sich vor zweieinhalb Jahren mit dafür eingesetzt, Inte-ressenten für eine Rettung der Mühle zu finden. Doch habe sich dies sehr schwierig gestaltet. Heike Süring aus Abbensen engagierte sich weiterhin, suchte nach einem Grundstück, wo man die Mühle möglicherweise wieder hätte aufbauen können und nach Unterstützern dieser Idee. Als im Frühjahr im Richardt-Brandt-Heimatmuseum die Mühlenausstellung eröffnet wurde, traten Heike Sühring und Mühlenbauer Rüdiger Hagen massiv dafür ein, auch der Abbensener Windmühle noch einmal eine Chance zu geben. Doch bisher ohne Erfolg. „Wenn die Eigentümer einverstanden gewesen wären, dass die Mühlen am ursprünglichen Standort funktionstüchtig wieder aufgebaut werden könnte, hätte sich wohl ein Mühlenverein gegründet“, meint Wolfgang Kasten. Aber die Suche nach einem neuen Grundstück hätte die Sache nicht nur deutlich verteuert, sondern auch das Generieren von Fördermitteln erschwert, hatte bereits zum Anfang der Diskussion Rüdiger Hagen zu bedenken gegeben. Der bauliche Zustand der Holländermühle, deren Ursprungsjahr nicht hundertprozentig feststeht, aber auf Grund einer Inschrift möglicherweise auf 1822 datiert werden kann, ist besorgniserregend, erklärte Holger Zorn von der Bauaufsicht der Wedemark bereits vor drei Jahren. Die Mühle ist seit 1918 außer Betrieb. Auf mindestens 400.000 Euro hatte Hagen eine Restaurierung beziffert, die mit 90 Prozent einem Neubau gleichkommen würde, so dass die Mühle dann auch ihren Denkmalstatus verlieren würde.
Die Abrisskosten schätzte er bereits vor drei Jahren auf 30.000 Euro, da so abgetragen werden müss-te, dass die Teile vorsichtig auseinandergenommen und sortiert würde, was möglicherweise für andere historische Mühlen noch zu gebrauchen wäre. Denn die Abbensener Mühle enthält durchaus Bestandteile, die einmalig seien, bestätigte Gutachter Hagen. Nun sind jedoch zumindest von Seiten der Behörden die Würfel gefallen und die Eigentümer müssen kurzfristig tätig werden.