11,4 Millionen Euro für die Moorgeest

Umweltminister Dr. Stefan Birkner (M.) verkündete gestern Vormittag gemeinsam mit Regionspräsident Hauke Jagau die gute Nachricht: Die Renaturierung der Hannoverschen Moorgeest ist gesichert. Birkners Parteifreund vor Ort, FDP-Ratsherr Erik van der Vorm, nahm diese Nachricht hochzufrieden zur Kenntnis. Foto: A. Wiese
 
Umweltminister Dr. Stefan Birkner und Regionspräsident Hauke Jagau wagten sich fürs Pressefoto ins Moor. Foto: A. Wiese

Umweltminister Dr. Stefan Birkner: Der Kurswechsel zur EU brachte den Durchbruch

Resse (awi). Gute Nachrichten überbringt Niedersachsens Umweltminister Dr. Stefan Birkner gerne persönlich, dazu noch in seinem Landtagswahlkreis, und so verkündete er gestern vormittag im Moorinformationszentrum in Resse gemeinsam mit Regionspräsident Hauke Jagau „einen vorläufigen guten Zwischenstand einer langen Geschichte“: Die Europäische Union beteiligt sich mit rund 8,5 Mio. Euro aus ihrem Life+ Programm an der Hannoverschen Moorgeest, dem neuen Naturschutzprojekt im Norden Hannovers.
„Damit können wir einen der am besten erhaltenen Hochmoorkomplexe in Niedersachsen und Deutschland entwickeln und sichern“, freut sich Umweltminister Stefan Birkner über den Förderbescheid aus Brüssel. Die dazu gehörenden Moore Helstorfer Moor, Otternhagener Moor, Schwarzes Moor und Bissendorfer Moor liegen in der Region Hannover in den Gemarkungen der Städte Neustadt, Langenhagen und Garbsen sowie der Gemeinde Wedemark. „Das ist ein großer Erfolg für die Landesregierung. Wir betrachten das als Auszeichnung für den besonderen Einsatz des Umweltminis-teriums“, so der Minister weiter, „mein ganz persönlicher Dank geht an alle, die wir vor Ort für dieses Projekt gewinnen konnten. Am Ende wird eine Umsetzung der Renaturierung der Hannoverschen Moorgeest nur gemeinsam mit den Grundstückseigentümern erfolgen können“. Für Birkner ist es das zweite Jahr in Folge, dass sein Ministerium erfolgreich eine millionenschwere Finanzspritze aus dem Life+ Programm bekommt. LIFE+ ist ein spezielles Finanzierungsinstrument der EU zur Förderung der europäischen Umweltpolitik. Aus der Antragsrunde 2011 werden in Deutschland insgesamt sechs Naturschutzprojekte mit einem Finanzvolumen von fast 20 Millionen Euro gefördert. Davon gehen allein 8,5 Millionen Euro in den nächsten elf Jahren nach Niedersachsen für die Hochmoorrenaturierung. Dies ist das größte Einzelprojektvolumen aller 2012 genehmigten deutschen LIFE+ - Projekte, machte Birkner deutlich. Träger des Moorschutzprojekts ist seit dem Kurswechsel vom Bund zur EU das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, das 20 Prozent der Gesamtkosten übernimmt. Die Durchführung der Renaturierung wird an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) übertragen. Projektpartner ist die Region Hannover, die sich mit fünf Prozent an der Finanzierung beteiligt. Für Regionspräsident Hauke Jagau ist die Förderzusage der EU „ein sehr gutes Ergebnis der langjährigen Vorarbeiten in seinem Haus.“ Die Region werde sich zusammen mit den anderen Partnern auch weiterhin engagiert für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes einsetzen. Das Bissendorfer, Helstorfer, Otternhagener und Schwarze Moor der ‘Hannoverschen Moorgeest‘ gehören zu den naturnahsten Hochmooren Niedersachsens. Eine große Zahl von bundesweit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wie Kranich, Sumpfohreule, Moorfrosch oder Sonnentau sind hier zu finden. In den kommenden elf Jahren Projektlaufzeit soll der gestörte Wasserhaushalt in den vier Mooren regeneriert werden. So kann das Moor wieder wachsen und es können sich moortypische Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Bisher wird dem Moor durch tiefe Entwässerungsgräben das zum Wachstum notwendige Wasser entzogen. Projektziel ist es, das Regenwasser wieder ganzjährig im Moor zu halten und den Wasserhaushalt vom Grundwasser abzukoppeln. Dies soll durch Verschluss, Verlegung oder Neubau der aus dem Moor herausführenden Gräben sowie den Bau von Ringwällen im Inneren des Moores erreicht werden. Dabei habe „die Kooperation zwischen Landnutzern und Naturschutz für das Projekt eine besondere Bedeutung“, betonte Birkner. Derzeitigen Bewirtschaftern von Grund und Boden sowie privaten Anliegern sollen durch die Renaturierung keine Nachteile entstehen. Zur Umsetzung werde noch in diesem Jahr durch das Amt für Landentwicklung ein Flurbereinigungsverfahren eingeleitet. auch Ludwig Uphues vom Aktionskreis Hannoversche Moorgeest jubelte
gestern: „Es ist geschafft! Die EU-Kommission hat den im September letzten Jahres eingereichten LIFE+-Antrag genehmigt.“ Das sei aus Sicht der regionalen Natur- und Umweltschutzverbände eine hocherfreuliche und längst notwendige Entscheidung zugunsten der Biodiversität und des Klimaschutzes, so Uphues gestern in einer Pressemitteilung des Arbeitskreises. Das erste Verfahren des Bundesumweltministeriums von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung, das die Planungsgrundlagen für das LIFE+-Verfahren in vierjähriger Arbeit erst geschaffen habe, sei daran gescheitert, dass die Landwirtschaft keine Grünlandflächen als Kranz um die Hochmoore zur Verfügung stellen oder sich entwickeln lassen wollte. Wenn man dabei aber bedenke, dass bereits 1997 die erste Projektskizze beim Bundesamt für Naturschutz eingereicht worden sei, seien seitdem 15 Jahre vergangen. „Es werden noch „dicke Bretter zu bohren“ sein“, prophezeit Uphues. Das geplante Flurbereinigungsverfahren werde dabei helfen, die Kauf- und Tauschinteressenten von Moorflächen herauszufinden und mit denen, die nicht verkaufen wollten, Gestattungsverträge für die nächsten elf Jahre abzuschließen. Der Aktionskreis bittet ebenso wie der Umweltminister und der Regionspräsident alle Beteiligten ausdrücklich um eine zügige Umsetzung des Projektes.