125 Jahre: Schützenfest der Superlative

Daniel Poth verteilt die Fahnenbänder an die Gastvereine.
 
Anstoßen beim Bürgerkönig Christian Hargens (links).

20 Gastvereine traten beim Fahnenmarsch am Sonntag auf dem Sportplatz an

Mellendorf (awi). Das waren wirklich drei tolle Tage für die Mellendorfer Schützen, die bei bestem Wetter trotz aller wechselhaften Vorhersagen mit 20 Gastvereinen ihr Jubiläumsschützenfest zum 125-jährigen Vereinsgeburtstag feierten. Schützen halten zusammen. Das wurde an diesem Pfingstwochenende wieder einmal ganz deutlich. Die Bürger bevölkerten zwar am Sonnabendabend und auch am Familientag, dem Montag, auch den Platz, aber beim offiziellen Programm wie Proklamation, Bieranstich, Fahnenmarsch, Gastvereinsempfang und Festessen mit Ehrungen waren die Schützen unter sich.
Der ökumenische Gottesdienst am Montagmorgen war allerdings gut besucht und hier hielten sich Schützen und „normale“ Besucher auch die Waage. Aber bei den Ausmärschen säumten keine jubelnden, fähnchenschwingenden Bürger die Straßen. So etwas kennt man nur noch aus den Erzählungen der „Alten“, ebenso wie festlich geschmückte Straßen. Doch da dieser Trend bekannt ist, waren die Schützen auch nicht enttäuscht, freuten sich über die Beteiligung aus den eigenen Reihen und dass der geplante Ablauf so reibungslos klappte. Bis auf Kleinigkeiten: So sorgten die verzweifelten Versuche von Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas, bei ihrem ersten Bieranstich den Zapfhahn ins Fass zu treiben, für fröhliche Lacher. Als Martin Küker, der den Hahn ans Fass hielt, bereits einen blutenden Daumen hatte und auch Vorsitzender Daniel Poth mit dem hölzernen Hammer scheiterte und dem goldenen Zapfhahn endgültig den Rest gab, erreichte die Heiterkeit ihren Höhepunkt, die allerdings in lange Gesichter mündete, als das Fass mit Freibier erfolglos aus dem Zelt gerollt wurde, weil der Festwirt nicht mit einem Ersatzhahn aufwarten konnte. Doch die Ortsbürgermeisterin wusste Rat, telefonierte ihren Parteifreund Cord-Henning Göing aus Gailhof mit einem nagelneuen Hahn herbei, den der Getränkehändler den Schützen anlässlich ihres Jubiläums auch noch spendierte, und trieb diesen Hahn mit einem einzigen Hammerschlag ins Fass, worauf hin das Bier nun in die Gläser und nicht wie zuvor auf den Zeltboden sprudeln konnte. Aber so hat nun auch Jubiläumsschützenfest seine Anekdote und die schlimmsten Befürchtungen des Vorsitzenden Daniel Poth, dass dieser Auftak ein schlechtes Omen für das gesamte Fest sein könnte, bewahrheiteten sich ganz und gar nicht. Zuvor hatten die Schützen feierlich ihre Majestäten und Preisträger proklamiert: Schützenkönig Stephan Faust, der sich gegen Kevin Schmidt und Rainer Richter durchsetzte, Bürgerkönig Christian Hargens (vor Gerald Schramke und Britta Hargens), Schützenkönigin Renate Winkler (vor Kristina Poth und Anneliese Gagelmann), Jugendkönig Daniel Mußmann (vor Jean-Pascale Schramke und Heiko Ziem) und Kinderkönig und Titelverteidiger Kian Nahme vor Bjarne Borgas und Anya Koslowski. Die Alte Königskette ging an Bernhard Winkler, die Erli-Kette an Daniel Poth, die Damenjubiläumskette an Gisela Zirnsack, die Junggesellenkette an Kevin Schmidt. Der holte sich etliche Likes mit seinem auf Facebook geposteten Video vom Fertigmachen fürs Schützenfest von der Dusche bis zum Binden der Krawatte. Da sieht man eben, wie sich die Zeiten gewandelt haben! Den Jubiläumsteller sicherte sich Klaus Heinke, Damenjubiläumspokal Adeline Kühn, die Zimmercheibe Beste Zehn Rolf Steinmeyer, die Wanderscheibe Bernhards 10 Anneliese Gagelmann, die Zimmerscheibe Tag der offenen Tür Jens Zilling und die Kinderbürgerscheibe Jan Marberg.
Vorsitzender Daniel Poth war begeistert von der guten Beteiligung beim Königs- und Bürgerkönigsschießen in diesem Jahr und hofft darauf, dass der Trend anhält. Er bedankte sich beim CDU-Bundestagsabgeordneten Hendrik Hoppenstedt für das Stiften der Bürgerscheibe und bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Caren Marks für die Jubiläumsscheibe. Die wurde am Wochenende am Schießwagen auf dem Platz ausgeschossen. 18 Scheiben mit akzeptablen Ergenissen landeten beim Vorsitzenden, der am Sonntagabend den zweiten Vorsitzenden der Bissendorfer Schützengesellschaft Jens Thun als Gewinner verkündete. Diese Siegerehrung war das Finale des Empfangs der Gastvereine, die sich zuvor zum Fahnenmarsch auf dem Sportplatz und dann zum Festessen im Zelt getroffen hatten. Hier hörten sie die Grußworte von Marks und Hoppenstedt, von Editha Lorberg, Bürgermeister Helge Zychlinski, den örtlichen Vereinen, Joachim Brandt für Regionssportbund und Landessportbund und von Gaby Dietrich vom NSSV. Alle lobten die Schützen für ihr umfassendes sportliches und gesellschaftliches Engagement. Am Montag nach dem Gottesdienst standen Ehrungen für langjährige Mitglieder im Mittelpunkt des Festessens. Die „Schwarze Scheibe“ bekamen in diesem Jahr, Gisela und Sieghard Zirnsack für ihre Organisation der Senioren-Nachmittage und als „Seele des Vereins“ sowie Hausmeistertätigkeiten im Schützenhaus. Geehrt wurden Adeline Kühn, Caren Marks, Hans Kühn und Rainer Richter (15 Jahre), Ilse Klesper (40 Jahre) und Fritz Pieper (60 Jahre). Für das musikalische Rahmenprogramm an diesem langen Wochenende zeichneten der Feuerwehrmusikzug Wettmar, der Spielmannszug Gümmer, das Musikkorps Langenforth und am Montag das Orchester Leinetal aus Abbensen verantwortlich. Unter dem Strich war es – da waren sich alle einig – ein rundum gelungenes Fest.