136 Totholzbündel für die Natur

Während Thomas Klefoth den Ansichtsplan für die Aktion „Totholzeintrag Kiesteich Brelingen“ erläutert, erwarten fleißige Helfer zu Wasser und zu Lande ein weiteres Totholzbündel. Foto: B. Stache

Forscher und Angler hoffen auf Vermehrung der Fische im Kiesteich Brelingen

Brelingen (st). In einer kräftezehrenden Aktion haben am Sonnabend 20 Mitglieder des Angelsportvereins (ASV) Neustadt a. Rbge. mit ihrem Vorsitzenden Holger Machulla 136 Holzbündel im vereinseigenen Kiesteich Brelingen versenkt. Die Totholzbündel bestehen aus dünnen und dicken Baumkronenästen mit einem Volumen von je zirka 1,2 Kubikmeter Holz – hauptsächlich Buche – und bringen jeweils um die 300 Kilogramm auf die Waage. Die Aktion dient der Aufwertung des Uferbereichs und ist eine Maßnahme von BAGGERSEE, einem Gemeinschaftsprojekt des Anglerverbands Niedersachen e.V., dem Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der TU Berlin. Niedersachsenweit beteiligen sich daran 20 Angelvereine. Das Projekt, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird, läuft noch bis Mai 2022. Unter Anleitung des Biologen Thomas Klefoth vom Anglerverband Niedersachsen e.V. transportierten Trecker die mit Jutesäcken beschwerten Holzbündel am Nordwestufer des Brelinger Kiesteichs ans Wasser. Dort wurden sie einzeln längsseits an Booten angebunden und zu ihren Absenkorten gefahren. Insgesamt fünf Boote waren im Einsatz, um die Totholzbündel an vier Stellen von jeweils 100 Meter Uferlinie zu versenken. Die mit Kies befüllten Jutesäcke werden sich innerhalb von zwei Jahren vollständig zersetzen – viel schneller als das Holz, das über viele Jahre hinweg dem See eine neue Struktur geben wird. Die Holzbündel waren in Kooperation mit den Niedersächsischen Landesforsten hergestellt worden. Eigens für dieses Projekt wurde eine alte, schon ausgediente Holzbündelmaschine reaktiviert. „Bei einem Workshop im Mai 2017 haben wir mit dem ASV abgesprochen, wo das Totholz eingebracht werden soll“, berichtete Thomas Klefoth. „Wir wollen mit der Maßnahme die Artenvielfalt fördern. Auf dem Holz siedeln sich erst Algen an, es folgen wirbellose Tiere wie Libellenlarven und krebsartige Tiere.“ Die Holzbündel bieten Jungfischen Nahrung und Versteck zugleich – auch andere Artengruppen wie Vögel werden dadurch gefördert. „Das Projekt richtet sich gezielt auf die Vereinbarkeit von Schutz und Nutzung der Seen“, erklärte Biologe Thomas Klefoth. „Wir wollen nachweisen, dass von solchen einfachen strukturverbessernden Maßnahmen sowohl der Mensch als auch die Natur profitieren kann!“ Ziel ist es auch, dass sich die Fischpopulation aus eigener Kraft erhält und steigert. Im Kiesteich Brelingen leben vor allem Barsch und Zander. Wenn das System mit den Totholzbündeln funktioniert, könnte der ASV in Zukunft bei einigen Arten auf kostenintensiven Fischbesatz verzichten. 2016 hatte eine erste Fischbesatz-Erhebung stattgefunden, 2020/22 soll die Nacherhebung erfolgen, kündigte Thomas Klefoth an.