40. Geburtstag der Kontaktgruppen

Diese Kontaktgruppe trifft sich jeden Donnerstagvormittag im Gemeindehaus in Bissendorf – bei schönem Wetter auch sehr gerne im Garten. Die Mütter spielen, singen und musizieren ein wenig mit ihren Kindern und unterhalten sich untereinander. Foto: A. Wiese
 
„Wir stehen hinter unseren Kontaktgruppen symbolisieren Claudia Schwarz (rechts) und Elisabeth Wöbse von der St.-Michaelis-Kirchengemeinde Bissendorf mit diesem Foto. Foto: A. Wiese

Nicht nur aus diesem Anlass wird am Sonntag in Bissendorf groß gefeiert

Bissendorf (awi). Die evangelische St. Michaelisgemeinde feiert am Sonntag, 10. Juni, rund um die Kirche und das Gemeindehaus in Bissendorf ihr Gemeindefest. „Starke Bande – die entstehen bei uns“, sind die Verantwortlichen überzeugt. „Die Kirchengemeinde bringt Menschen zusammen, miteinander und mit Gott.“ Um 11 Uhr läuten die Glocken zum Familiengottesdienst, den dieses Jahr die miniKonfis mitgestalten. Mancher wird eine alte Bekannte wiedersehen – denn im Gottesdienst wird auch Heike Geng-Matthiesen als neue Leitung der Kindertagesstätte Güldener Winkel offiziell in ihre Aufgabe eingeführt.
Anschließend beginnt ein buntes Treiben rund um das Gemeindehaus. Rhythmus und Musik mit der Rasselbande und dem Kinderchor Sternenfänger, Bastelangebote für Anfänger und Fortgeschrittene, Spiele für Kinder und Erwachsene laden dazu ein, sich auszuprobieren. Zwischen Hüpfburg und Crêpetisch steht der traditionelle Weinstand des Kirchenvorstandes. Der Posaunenchor bringt Instrumente zum Ausprobieren mit und am Lagerfeuer des Vogesenzeltlagers gibt es nicht nur Stockbrot, sondern auch eine Singerunde. Zielgenauigkeit ist gefragt beim Wurfspiel des Chores DaCapo und Fingerspitzengefühl an den Riesenseifenblasen – Besucher können aber auch einfach an den Tischen sitzen, ins Gespräch kommen und sich am Kuchenbüfett stärken.
Zwei besondere Angebote feiern in diesem Jahr 40-jähriges Bestehen: Seit vier Jahrzehnten fahren Jugendliche jeden Sommer zum Zeltlager in die Vogesen – zum Gemeindefest werden nun aktive und ehemalige Mitfahrer zusammenkommen, am Lagerfeuer sitzen und Aktionen anbieten. Und ebenfalls seit 40 Jahren finden junge Familien in der Kirchengemeinde Ansprechpartner, vernetzen sich und finden Freunde fürs Leben – die Eltern-Kind-Kontaktgruppen sind immer gut ausgelastet und sozusagen das Aushängeschild der Kirchengemeinde St. Michaelis Bissendorf, freut sich Claudia Schwarz, die die Gruppen koordiniert und zu den Frauen gehört, die dieses ganz besondere Angebot seit vielen Jahrzehnten mit Leben erfüllt hat. Heute leitet ihre Tochter viele der Gruppen und ist von dem Konzept ebenso überzeugt wie ihre Mutter. Viele enge Freundschaften haben bei den Eltern-Kind-Kontaktgruppen ihren Anfang genommen, die seit 40 Jahren verlässliche Anlaufstelle für junge Familien in Bissendorf und darüber hinaus sind. Die Angebote für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern sind trotz tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen attraktiv und nachgefragt, freuen sich Claudia Schwarz und Elisabeth Wöbse.
Die Kontaktgruppen sehen ihre Aufgabe darin, Eltern und Kinder während der ersten drei wichtigen Lebensjahre der Kinder zu begleiten. Sie haben seit 1982 eine zuverlässige Kooperation mit der evangelischen Erwachsenenbildung in Hannover, die unter dem Motto „Gemeinsam wachsen – von Anfang an“ regelmäßig Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen anbieten. Allerdings räummt Claudia Schwarz ein, dass die wenigs-ten Familien noch über volle drei Jahre begleitet werden. Vielen Eltern bleibe nur noch ein kleines Zeitfenster bis zum Wiedereinstieg in den Beruf und so konzentrieren sich die Eltern-Kind-Kontaktgruppen seit einigen Jahren auf die Säuglingsgruppen, die vergleichbar mit DELFI-Gruppen sind. Früher sah das noch anders aus, als der Ausbau von Krippen und Kindertagesstätten noch nicht ganz oben in der Priorität von Politik und Gesellschaft stand, erinnert Schwarz. Vor 40 Jahren waren Kinder unter drei Jahren „Privatsache“, frühe Eltern-Kind-Arbeit ein Randthema und wer initiativ wurde, musste sogar um Akzeptanz ringen. „Aus Liebe zu Kindern“ und dem guten Gespür, was junge Familien brauchen, gründete die Pastorenfrau und Kinderkrankenschwester Inge Onnasch 1978 die Eltern-Kind-Kontaktgruppen in Bissendorf. Ihr durchdachtes Konzept sah regelmäßige Eltern-Kind-Treffen und begleitende Elterngesprächsangebote vor und hat die Arbeit der Kontaktgruppen nachhaltig geprägt. In den Folgejahren wuchs sowohl die Zahl der Gruppen als auch der Mitarbeiterinnen schnell. In den Jahren, wo es so richtig boomte, begrüßten die ehrenamtlichen Gruppenleiterinnen 100 Kinder und ihre Mütter jede Woche im Pfarrhaus, wo die Kleinsten sich trafen, und im Gemeindehaus. Inge Onnasch, die das 30-jährige Bestehen der Kontaktgruppen vor zehn Jahren noch erlebte, verstarb 2010. 1988 hatte sie die Leitung an Gerlinde Bucerius übergeben, die sie ihrerseits zehn Jahre später an Claudia Schwarz weiterreichte. Die ehrenamtlich geleiteten Gruppen orientieren sich an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Eltern. Die Säuglingsgruppen werden regelmäßig von einer Hebamme besucht, die den Eltern Tipps gibt und Fragen beantwortet, erklärt Claudia Schwarz. Sie weiß: „In einer Gruppe mit festem Teilnehmerkreis fällt es viel leichter, sich zu öffnen und Vertrauen aufzubauen. In den Gesprächen spielgeln sich die Freude und Sorgen der Eltern wider und wenn man sie fragt, dann sagen sie immer wieder, wie gut es tut, verstanden zu werden und sich gegenseitig unterstützen zu können“. Erfahrungen austauschen, sich informieren und neue Kontakte knüpfen, das ist den Eltern früher wie heute am Wichtigsten. Doch es hat Themenwechsel gegeben: Die Eltern beschäftigt seit einigen Jahren besonders, wie sie den baldigen Wiedereinstieg in den Beruf schaffen, ob genug Betreuungsplätze zur Verfügung stehen und wie die Eingewöhnung gelingt. Kinder lieben Rituale, weiß Claudia Schwarz, und der vertraute Ablauf gibt ihnen Sicherheit. Bereits die Babys nehmen den hellen, kindgerecht eingerichtetenGruppenraum und die freundliche Atmosphäre mit allen Sinnen wahr und reagieren freudig auf bekannte Lieder und Gesichter. Zusätzliche Angebote wecken ihre Neugierde und machen einfach Spaß. Gefühle gehören dazu und die Erfahrung, dass die eigenen Bedürfnisse, aber auch die der anderen wichtig sind.
Die Kontaktgruppen sind eine eigenständige Gruppe mit einer engen Bindung an ihre Kirchengemeinde. „Als Leitung betone ich immer wieder, dass wir offen sind für Menschen mit und ohne kirchliche Bindung“, ist Claudia Schwarz wichtig. Vor zwei Jahren, als so viele Flüchtlinge in die Wedemark kamen, hat es auch Kontaktgruppen speziell für sie gegeben. Heute laufen im Gemeindehaus noch Sprachkurse. 41 Mitarbeiterinnen, alle selbst Mütter, haben sich über die Jahre sehr motiviert und mit viele Freude ehrenamtlich in der Eltern-Kind-Arbeit engagiert, sich fortgebildet, Verantwortung für ihre Gruppen übernommen, im Team mitgearbeitet, ihre Arbeit hinterfragt, Bewährtes beibehalten, manches verändert und für 40 Jahre Kontinuität gesorgt, freut sich Claudia Schwarz gemeinsam mit Elisabeth Wöbse. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen, damit wir die Angebote aufrechterhalten und möglichst noch ausbauen können“, sagt Claudia Schwarz, die noch ein paar Jahre alle Leitungsaufgaben übernehmen wird. Die Gruppen werden aber ausschließlich von jüngeren Frauen geleitet. Wo es passte kamen Kooperationen mit Fachfrauen dazu. So bietet Elke Engler seit mehr als zehn Jahren Musikgartenkurse für Eineinhalbjährige bis Sechsjährige an, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Und der Rückbildungskurs mit Katrin Timmer erspart den Kursteilnehmerinnen weite Wege. 40 Jahre Eltern-Kind-Kontaktgruppen sind ein guter Grund zurück und nach vorne zu schauen und die Freude über diese bemerkenswert lange Tradition mit anderen zu teilen. Schließlich feiert auch die evangelische Jugend in diesem Jahr „40 Jahre Vogesenzeltlager“ und beide runden Geburtstage lassen erahnen, dass auf dem Gemeindefest der St. Michaeliskirche am Sonntag ein ganz besonders buntes Programm auf die Gäste wartet. Wer jetzt neugierig geworden ist und bei den Kontaktgruppen mitmachen beziehungsweise vielleicht auch eine Leitungsfunktion übernehmen möchte, kann sich bei Claudia Schwarze, Pastorsriede 4, in Bissendorf, unter E-Mail eug.schwarz@t-online.de oder per Telefon unter (0 51 30) 6 02 87 melden.