60. Sportabzeichen in Gold für Gottschalk

Das 60. Sportabzeichen in Gold erhielt am Mittwoch Karl-Heinz Gottschalk (2. von rechts) im stolzen Alter von 80 Jahren, hier im Kreise seines bewährten Prüferteams: (von links) Bernd Hasselhop-Lex, Lilo Gottschalk, Max Heermann, Klaus Heinke und Ernst Heimann. Foto: A. Wiese
 
Landessportbunddirektor Reinhard Rawe gratulierte Karl-Heinz Gottschalk (links) zum 60. Sportabzeichen. Foto: A. Wiese

LSB-Direktor Rawe: „Ein Vorbild für alle Belange des Sports und in jeder Hinsicht“

Mellendorf (awi). Eigentlich ist er „ausgeehrt“, sagt Reinhard Rawe, Direktor des Landessportbundes: Karl-Heinz Gottschalk (80) aus Mellendorf hat alle Auszeichnungen nicht nur auf sportlicher Ebene bekommen, die möglich sind: allen voran neben dem Bundesverdienstkreuz die niedersächsische Sportmedaille, die höchste Auszeichnung im Land. Dennoch freute sich der aktive Senior ganz besonders, als ihm Rawe am Mittwoch das 60. goldene Sportabzeichnen anheftete und dazu die besondere Ehrengabe des Landessportbundes für solche Ausnahmesportler wie Gottschalk.
Ganz wenige Menschen gebe es nur, die diese sportliche Leistung auch im hohen Alter noch erbringen würden. In Niedersachsen waren es 2014 nur drei, in der Region Hannover ist Gottschalk der einzige. Die Chance, das 60. goldene Sportabzeichen in Niedersachsen abzulegen, hätten im Land dieses Jahr überhaupt nur zwölf Personen, betont LSB-Direktor Reinhard Rawe aus Bissendorf in seiner Laudatio. Gottschalks persönliche sportliche Leistungen beim diesjährigen Abzeichen seien beeindruckend: 20 Kilometer Radfahren in 53 Minuten und 200 Meter Radsprint in 21,7 Sekunden, den zwei Kilogramm schweren Medizinball 8,50 Meter weit geworfen und den ein Kilogramm schweren Schleuderball 23 Meter geschleudert.
Der langjährige Vorsitzende des MTV und heutige Ehrenvorsitzende legt jedoch nicht nur seit 1954 – mit einem einzigen Jahr Pause, als er heiratete und sein Sohn geboren wurde 1957 – jährlich das goldene Sportabzeichen ab, er hat auch das Prüfungsteam in Mellendorf unter sich, das die Abzeichen abnimmt. Und deshalb gab es auch ein Dankeschön in Form der besonderen Briefmarke, die zum Jubiläum des Landessportbundes aufgelegt worden war, für alle Mitglieder des Helferteams von Karl-Heinz Gottschalk, zu denen übrigens auch seine Frau Lilo gehört, die selbst bereits zum 42. Mal das goldene Sportabzeichen abgelegt hat. Die Teammitglieder waren bei der Ehrung im MTV-Clubheim im neuen Sportpark am Mittwoch nicht vollzählig, aber vertreten durch Lilo Gottschalk, Ernst Heimann, Klaus Heinke, Max Heermann und Bernd Hasselhop-Lex. Für Gottschalks vielfältiges sportliches und soziales Engagement gab es lobende Worte nicht nur von LSB-Direktor Reinhard Rawe („Niedersachsen ist das Hauptsportabzeichenland in Deutschland und das geht nur, weil wir Personen haben wie Karl-Heinz Gottschalk“), sondern auch vom Regionssportbundvorsitzenden Joachim Brand und dem MTV-Vorsitzenden Günter Stechmann. Es gab Blumensträuße für Karl-Heinz und Lilo Gottschalk, die ihrem Mann immer den Rücken freihält, und vom Landessportbund neben Urkunde und Ehrenabzeichen die zweibändige Entwicklungsgeschichte des deutschen Sportabzeichens. Rawe selbst berichtete, er habe gerade zusammen mit seinem Freundeskreis am Vortag sein 35. Sportabzeichen bei Karl-Heinz Gottschalk und seinem Team vom MTV abgelegt. Für ihn sei es eine Ehre, die er sich nicht nehmen ließ, diesen ganz besonderen Menschen ehren zu dürfen. Das Sportabzeichen ist im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden, berichtete Rawe bei der Ehrungsveranstaltung für Karl-Heinz Gottschalk am Mittwoch im Clubheim des MTV. Erfinder sei Professor Karl Diem, langjähriger Rektor der Deutschen Sporthochschule, der 1912 Mannschaftsführer für die für 1916 geplanten Olympischen Spiele gewesen sei, die dann nicht stattgefunden hätten. Die Idee für ein Sportabzeichen komme aber aus Schweden. Dort sei das Fitnessabzeichen um die Jahrhundertwende ins Leben gerufen worden, um den schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern. 1912 kam die Idee auf, 1913 wurde das Abzeichen eingeführt. An den Grundvoraussetzungen habe sich seitdem in Deutschland eigentlich nichts geändert, betonte Rawe. Erst 2013 habe es eine grundlegende Reform gegeben. In Deutschland sei das Sportabzeichen nach dem Krieg 1951/1952 wieder eingeführt worden, und zwar von Albert Lepa, dem Präsidenten des Sportbundes. Als Direktor des Niedersächsischen Sportbundes sei er stolz, dass Niedersachsen das Hauptsportabzeichen in der Bundesrepublik sei. Regelmäßig Sport zu treiben sei extrem wichtig, so Rawe, und das könne man – Karl-Heinz Gottschalk sei der Beweis – auch mit zunehmendem Alter. Denn die Bedingungen würden dem Alter angepasst entsprechend erleichtert. Doch an Gottschalk beeindrucke ihn nicht nur dessen eigene Leis-tungsfähigkeit, sondern vor allem wie er den Sport anderen und vor allem jungen Mensche nahebringe. Sport präge nachweislich auch die Persönlichkeit und den Charakter, gab Rawe zu bedenken und führte auch dafür Karl-Heinz Gottschalk als Beweis an. Dieser bedankte sich für die vielen Lobesworte und lobte seinerzeit die gute Zusammenarbeit mit dem Landessportbund. Er habe das Glück gehabt, immer gesund genug geblieben zu sein, um sportliche Leistungen erbringen zu können, aber er denke an diejenigen, die es nicht mehr könnten. Spitzenleistungen habe er nie vollbracht, sein Bestreben sei immer der Breitensport gewesen. Den Polizeiberuf habe er unter anderem deswegen gewählt, weil er hier auf optimale Weise Sport und Beruf habe verbinden können, betonte Gottschalk, der 1954 in den Polizeidienst eintrat und vor 20 Jahren in den Ruhestand ging. Zunächst hatte der Pommerflüchtling eine kaufmännische Lehre gemacht, doch dort seien die Voraussetzungen für den Sport zu schlecht gewesen, erinnerte er sich.