70 Bewerbungen für Stabsstelle Wirtschaftsförderung

Wirtschaftsförderung hat einen großen Stellenwert in der Gemeinde Wedemark: Hier die Präsentation der Gemeinde auf der Wirtschaftsmesse 2016 auf dem Campus W. Foto: A. Wiese

Ausschreibung trifft auf bundesweites Interesse – Niemann wünscht Nachfolger(in) glückliche Hand

Wedemark (awi). Auf sehr großes Interesse, und zwar bundesweit, ist die Ausschreibung der Gemeinde Wedemark für ihre Stabsstelle Wirtschaftsförderung gestoßen: 70 Bewerbungen zählte Bürgermeister Helge Zychlinski mit Ablauf der Bewerbungsfrist. Jetzt im neuen Jahr wird er sich mit einigen Vertretern aus dem Personalbereich des Rathauses zusammensetzen, die Bewerbungen sichten und eine Vorauswahl treffen. „Gut ist, dass wir bei einer so guten Bewerberlage keinerlei Abstriche machen müssen“, meinte Zychlinski zufrieden. Nur wer die Anforderungen im vollen Umfang erfülle, käme überhaupt in die nächste Runde. Wie schon bei der Besetzung der Stelle der Ersten Gemeinderätin lässt der Bürgermeister keinen Zweifel daran, dass bei gleicher Eignung eine Frau den Vorzug bekommen wird, „denn uns mangelt es noch an Frauen in der Führungsebene“. Unter den 70 Bewerbern sind 19 Frauen, die Chancen, dass die Wedemark demnächst eine Wirtschaftsförderin hat, stehen also gut. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Wirtschaftswissenschaften beziehungsweise die Befähigung zum gehobenen Verwaltungsdienst seien Mindestvoraussetzungen, das habe so auch in der Ausschreibung gestanden. Doch sei es nicht überraschend, dass einige Bewerber solche Vorgaben ignorierten. Bei dieser exzellenten Bewerberlage würde diese sofort aussortiert. Zum allerersten Mal wird die Gemeinde Wedemark ein förmliches Besetzungsverfahren durchführen: Für Ende Januar ist ein sogenanntes Assessment-Center vorgesehen. Dabei müssen sich die ausgewählten Kandidaten diversen Leistungstests, Aufgaben, Interviews und Diskussionen stellen. Das Verfahren wird zugunsten der Objektivität von einem externen, qualifizierten Institut durchgeführt, damit hausinterne und externe Bewerber auf dem gleichen Niveau geprüft werden. Die fünf Bewerber dafür suchen Bürgermeister Helge Zychlinski und sein Team aus dem Fachbereich Personalwesen in den nächsten Tagen sorgfältig aus. „Wir wollen jetzt die Chance nutzen, unsere Wirtschaftsförderung, die als Stabsstelle nur dem Verwaltungsvorstand unterstellt ist, sehr strukturiert aufzubauen. Neben dem üblichen Aufgabenzuschnitt soll ein starker Fokus auf der Neuakquise liegen“, so der Bürgermeister. Dazu müsse zeitgleich natürlich die Entwicklung neuer Gewerbegebiete vorangetrieben werden, damit der neue Wirtschaftsförderer oder die Wirtschaftsförderin auch Grundstücke habe, die er neu anzusiedelnden Firmen oder alteingesessenen Unternehmen, die an einem neuen Standort erweitern wollten, anbieten könne. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Schwerpunkt werde ein Tourismuskonzept für die Wedemark sein, kündigte Zy-
chlinski an. Dass er ausschließlich nach vorne guckt, war bereits bei der Bilanz für 2016 des Verwaltungsvorstandes deutlich geworden, in der er den bisherigen Wirtschaftsförderer Carsten Niemann, der die Funktion seit dem Jahr 2000 innehatte und seit 30 Jahren bei der Gemeinde Wedemark war, mit keinem Wort erwähnt hatte. Niemann, der im September zum Bürgermeister der Samtgemeinde Ahlden im südlichen Heidekreis gewählt und sein neues Amt zum 1. November angetreten hatte, sieht in der aktuellen Gewerbesteuerentwicklung auf 13 Millionen Euro die Bestätigung kontinuierlicher Bestandspflege und nachhaltiger Neuakquise. Betreuung örtlicher Betriebe, überregionales Marketing, stetige Neuansiedlungen und eine damit verbundene Schaffung insbesondere von Facharbeitsplätzen ermöglicht somit Erhalt und Erhöhung der kommunalen Haushaltseinnahmen und schafft damit notwendige Gestaltungsspielräume für die Politik. Viele Ansiedlungen aus früheren Jahren tragen dabei erst jetzt die Früchte des Erfolgs, so wurden von Niemann u.a. bereits ab 2003 die ersten Ansiedlungsgespräche mit den Verantwortlichen der Firmen Giesecke und Rufin geführt, die aktuelle Neubauplanung von Kirsch Pharma Health Care im Gewerbegebiet Bissendorf geht sogar auf erste Kontakte und Teilflächenkäufe bis in das Jahr 2001 zurück. Groß war Niemanns Engagement für den ganzheitlichen Wedemärker Breitbandausbau, einem Thema, an dem er mit Dirk Rapke/TSC und Hendrik Angerstein bereits seit 2004 dran war und letztlich zu einer ganzheitlichen und zukunftsweisenden Breitbandoptimierung durch htp führte. Neben Michael Mertens und Dietmar Reddig war Niemann zudem Mitinitiator und Organisator der ersten großen Wirtschaftsmessen 2005 bis 2013, um die Leistungsvielfalt und Leis-tungsfähigkeit der heimischen Betriebe aufzuzeigen. „Was waren das für tolle Zeiten mit den örtlichen Akteuren aus Wirtschaft und Verbänden, Kampf gegen kommunale Kirchtürme, Wir gemeinsam stark für die Wedemark, den Wohlfühlfaktor für die heimischen Betriebe im Fokus, Wirtschaftsforen, Netzwerkarbeit, Außenwahrnehmung und letztlich mit und unter Tjark Bartels die Marketingstrategie, wo aus unserem zu bespielenden Wohlfühlfaktor für die Betriebe letztlich die Wohlfühlgemeinde als überregionale Marke wurde“, sagte Niemann einmal in einem Rückblick. Heute ist er übrigens hochzufrieden mit seinem neuen Amt als Bürgermeister der Samtgemeinde Ahlden mit Sitz in Hodenhagen: „Ich bin froh, dass ich diese Chance habe nutzen können, bin total begeistert, dieser Job macht riesig Spaß, es gibt große Herausforderungen und enormes Gestaltungspotential“, so Niemann in einer kurzen Bilanz nach den ersten Wochen im neuen Wirkungskreis. Seinem Nachfolger oder Nachfolgerin in der Wedemark wünscht er eine glückliche Hand und ergänzt: „proaktive Wirtschaftsförderung ist ein Personengeschäft, man sollte kreativer Netzwerker sein, sich als interdisziplinärer, pragmatischer Kümmerer für die Unternehmen verstehen und vor allem auch deren Sprache sprechen!“