Absage für Motorsport-Gelände

Gerade für seinen circa 60 Mitglieder starken Jugendbereich ist die Motorsportgesellschaft auf der Suche nach einem Trainingsgelände, der Brelinger Ortsrat lehnte ein solches für Brelingen nach langer Diskussion ab. Archivfoto: L. Irrgang
 
Einstimmig stimmte der Ortsrat gegen die Einrichtung einer Trainingsanlage für den Motorsport in einer Kuhle am Hellendorfer Weg, die Motorsportgesellschaft hatte einen Antrag gestellt, hier Enduro-Motorsport zu betreiben. Foto: L. Irrgang

Hitzige Diskussion: Ortsrat spricht sich gegen Trainingsbahn aus

Brelingen (ig). Der Ortsrat Brelingen hat sich dem Vorschlag der Gemeindeverwaltung angeschlossen und einstimmig eine Einrichtung eines Trainingsgeländes für die Motorsportgesellschaft (MSG) abgelehnt. Der Abstimmung des Ortsrates war eine mitunter hitzige Diskussion zwischen Anwohnern und Mitgliedern der MSG vorangegangen. Der Vorsitzende der MSG, Albrecht Reimann war nach Brelingen zur Sitzung gekommen, um sein Anliegen vorzutragen. Mit Michael Oehlerking von der AMT Ingenieursgesellschaft hatte Reimann einen Sachverständigen für Schallmessungen mitgebracht. Der Ortsrat stimmte einem Vortrag über das Schallgutachten zu, in der daran anschließend sehr emotional geführten Diskussion hatte es der Gutachter, der auch als gerichtlicher Gutachter fungiert und mit seiner Gesellschaft vom Land Niedersachsen als amtlich bekanntgegebene Messstelle in Angelegenheiten des Bundesimmissionsschutzes bestellt ist, nicht leicht. Mehrfach betonte Oehlerking, schon allein aufgrund seiner öffentlich-rechtlichen Bestellung zur Neutralität verpflichtet zu sein, zahlreiche anwesende Gegner des Anliegens der MSG glaubten ihm dies nicht. Mit einem Schallausbreitungsmodell habe man die akustischen Belastungen durch einen möglichen Betrieb des Geländes durch die MSG als Enduro-Trainingsgeländes untersucht, so der Gutachter „und aus schalltechnischer Sicht steht dem nichts entgegen.“ In den als Wohnflächen verbindlich ausgeschriebenen Flächen, und auch für solche, für die zum Begutachtungszeitpunkt Flächennutzungspläne vorlagen, „ergibt sich ein Wert von unter 50 dB und damit unterhalb des zulässigen Höchstwerts.“ Oehlerking wurde daraufhin von den dem Anliegen der MSG ablehnend gegenüberstehenden anwesenden Bürgern persönlich attackiert, so wurde dem Gutachter beispielsweise vorgehalten, selber Motorrad zu fahren.
Die Gegner verglichen den von der MSG geplanten Trainingsbetrieb, bei welchem nach Angaben Reimanns bis zu 40 Maschinen teilnehmen würden, mit dem jährlichen Großevent „Vor den Toren Hannovers“, bei welchem im vergangenen Jahr an beiden Veranstaltungstagen rund 500 Fahrer teilnahmen. „die Veranstaltung einmal im Jahr gerne, aber bitte keinen Dauerbetrieb“, so ein Anwohner. Zahlreiche Anwohner befürchteten eine starke Lärmbelästigung. Gut 30 Anwohner hatten dies mit einer Unterschriftenliste, die dem Ortsrat übergeben wurde, deutlich gemacht. „Wir befürchten Lärm, Staub und die Abgase“, so der die Liste übergebende Anwohner. Auch seien Naturschutzbelange zu berücksichtigen so würden in dem Gebiet die Zauneidechse und Ringelnatter leben, betonte ein weiterer Gegner, der dem Verein attestierte, „geschickt agiert zu haben“. Denn so soll die durch den Verein hervorgehobene Jugendarbeit dazu dienen, „dass die Kinder die Herzen erweichen.“ Der Verein hatte zuvor mehrmals betont, dass gerade für die mehr als 60 aktiven Jugendlichen ein Trainingsgelände gesucht werde.
Mona Achterberg (Grüne) lehnte den Trainingsbetrieb aus Gründen des Lärmschutzes ab, es sei nicht vertretbar, „Lärm zu produzieren für eine Freizeitbeschäftigung, die einige betreiben, die aber viele betrifft.“ Cord-Peter von der Wroge (CDU) betonte , dass man sich im Ortsrat „lange und intensiv mit dem Thema beschäftigt hat“, der Gedanke der Verringerung des wilden Fahrens durch ein legales Motorsportangebot habe durchaus sympathische Aspekte, genauso wie der große Anteil Jugendlicher, die diesem Sport nachgehen würden. Aber eine tägliche Nutzungsmöglichkeit gehe zu weit, „und wir befürchten auch, dass dies dann weite Kreise zieht und Brelingen ein großes Zentrum für den Endurosport werden könnte.“ Auch in Anbetracht eines möglichen Baugebietes in der Nähe des geplanten Trainingsgeländes müsse man dem Anliegen eine Absage erteilen. „Das Gelände befindet sich zu nah am Ort.“ Dies unterstrich Bürgermeisterin Christiana Böttcher, man möchte in Brelingen auch Flächen für eine weitere Entwicklung des Ortes freihalten, „die jährliche Veranstaltung ist sehr schön“, so Böttcher, sie persönlich habe nichts gegen den in Brelingen stattfindenden Motorsport, „mich haben jedoch auch sehr viele Anrufe und emails von Bürgerinnen und Bürgern erreicht, die sich klar dagegen ausgesprochen haben.“


Kommentar:
Emotionen und Manieren

Sowohl die still und heimlich geplante Errichtung der Krippe, als auch die von einem Verein angestrebte Errichtung eines Motorsportgeländes waren Themen, welche die Bürger von Brelinger emotional sehr bewegten. Emotionen zu zeigen ist in Ordnung und kommt in unserer Gesellschaft oftmals zu kurz, doch man sollte trotz aller Emotionen seine Manieren nicht vergessen. Natürlich ist eine Errichtung einer Krippe ohne eine Beteiligung des Ortsrates ein grobes Foul gegen das kommunalpolitische Grundverständnis und diesem Foul gebührt folgerichtig die rote Karte. Diese jedoch lautstark mit persönlichen Angriffen und sachfremden Vorwürfen zu zeigen, wie es einige Einwohner taten, ist unklug und alles andere als zweckdienlich. Gleiches gilt für die Diskussion um die Motorsportanlage. Sachlich ruhig trugen die Antragssteller ihr Anliegen vor, der krasse Gegensatz waren mitunter manche der Gegner im Zuschauerraum. Denn dass die Häufigkeit des Unterbrechens eines Diskussionsgegners, persönliche Angriffe und die Lautstärke, mit welcher Argumente vorgetragen werden, nicht dazu geeignet sind, ihr Gewicht zu verstärken, war leider nicht jedem der Gegner des Trainingsgeländes bekannt.