Abschied von Pastor Thomas Hirschberg

Pastor Thomas Hirschberg wird am Ostermontag im Gottesdienst offiziell in der Christophorusgemeinde in Bissendorf-Wietze verabschiedet. Foto: A. Wiese

Nach 17 Jahren in der Wedemark zieht es den Geistlichen jetzt an die Nordsee

Bissendorf-Wietze (awi). Thomas Hirschberg, Pastor in den Kirchengemeinden Resse und Bissendorf-Wietze, möchte sich noch einmal beruflich verändern: Er verlässt den Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen und tritt eine neue Stelle im Norden an. Für sein 17-jähriges Engagement in Bissendorf, Resse, Gailhof, Scherenbostel und Wennebostel sowie im Kirchenkreis möchten ihm die Gemeinden und Superintendent Holger Grünjes im Festgottesdienst am Ostermontag, 6. April, um 10.45 Uhr in der Christophorus-Kirche in Bissendorf-Wietze danken.
Pastor Thomas Hirschberg ist im Deister in Rodenberg bei Bad Nenndorf groß geworden. Die Pas-torenstelle in Bissendorf-Wietze war 1998 seine dritte Stelle nach Northeim und Langendamm bei Nienburg. Als der alleinerziehende Vater mit seiner Tochter vor 17 Jahren das Pfarrhaus in Bissendorf-Wietze bezog, hatte er eine Dreiviertel-Stelle. Am Anfang gehörte ein Teil Bissendorfs zu seinem Bezirk, außerdem Wennebostel-Wietze und Kleinburgwedel-Wietze. Später kamen dann Gailhof, Scherenbostel und Wennebostel sowie Resse dazu. Als Hirschbergs Kollege Mensching in Resse aufhörte, übernahm Hille de Maeyer Resse und Scherenbostel, Bissendorfs Pastor Volkmar Biesalski betreute neben Bissendorf auch Wennebostel. 2007 wurde Resse Thomas Hirschberg zunächst für ein Jahr zugeteilt, 2008 übernahm er die Kapernaum-Kirchengemeinde ganz. Nach einigen Stundenab- und zuschlägen hatte Hirschberg zuletzt eine volle Stelle inne und ein recht umfangreiches Gebiet zu betreuen. Aber da war die Tochter auch schon groß. Mittlerweile studiert sie in Tübingen. „Am Anfang als alleinerziehender Vater konnte ich etwas Luft gebrauchen“, erinnert sich Thomas Hirschberg, aber später war er mit der Aufstockung seiner Stelle sehr zufrieden.
Und jetzt hat er Lust auf etwas Neues, freut sich auf die Herausforderung, wieder etwas Anderes zu gestalten: Seine neue Pastorenstelle umfasst die drei Gemeinden Ihlienworth, Steinau und Odisheim in der Nähe von Cuxhaven. Hirschberg wird in das Pfarrhaus in Odisheim in direkter Nachbarschaft zur altehrwürdigen St. Jobst-Kirche aus dem Jahre 1803 einziehen. „Ich mag diese kleinen Gemeinden“, sagt Thomas Hirschberg: „Man ist dichter an den Menschen dran. Klar, man hat etwas mehr Verwaltungsarbeit und drei Kirchenvorstände, aber mir sind drei kleine Schiffe lieber als ein großer Tanker.“ Schon dieser Vergleich zeigt seine Affinität zum Meer. Das hat ihn nämlich bei seiner Bewerbung um die Pfarrstelle besonders gereizt. 15 Kilometer ist die Nordsee von seinem Wohnsitz entfernt. „In 20 Minuten bin ich da“, freut sich Hirschberg, der sich in der Wedemark zwar 17 Jahre lang wohl gefühlt hat, den es jetzt aber noch einmal „für die letzten zehn Jahre“ zu neuen Ufern zieht.
Ausschlaggebend sei gewesen, dass er noch zehn Jahre Dienst vor sich habe, erklärte der 55-Jährige im Gespräch mit dem ECHO. „Ich stand vor der Entscheidung, entweder hier zu bleiben oder einen Neu-Anfang zu wagen. Ich habe mich für den Neu-Anfang entschieden.“ Für die Kirchengemeinde in Bissendorf-Wietze und auch die anderen kleinen Kirchengemeinden in den Dörfern sei es auch eine Chance, ist Hirschberg überzeugt. Eine Chance für einen wirklichen Neuanfang, da ja im Herbst auch für Bissendorf mit dem Ruhestand Volkmar Biesalskis eine Ära zu Ende gehe.
Jetzt könnten zwei wirklich neue Pastoren die Kirchengemeinde nach ihren Vorstellungen formen, selbstverständlich in Abstimmung mit dem Kirchenvorstand, der überlegen müsse, in welche Richtung er die Gemeinden jetzt entwickeln wolle. Für Hirschberg kommt ab 1. Mai zunächst einmal eine Vertretung: Pastor Dieter Rudolph-Rodekohr ist ein Springer, der aushilft, wo er gebraucht wird. Zurzeit macht er gerade Vertretung in Burgwedel. Thomas Hirschberg ist offiziell seit 1. April nicht mehr im Amt, wird am Ostermontag, 6. April, offiziell verabschiedet und bereits am 12. April um 15 Uhr in seiner neuen Kirchengemeinde ein Ihlienworth eingeführt. Seine freundschaftlichen Kontatkte zur Wedemark will er jedoch weiterhin pflegen, versicherte der Geistliche, der sich jetzt einfach nur noch auf seinen Umzug, die neue Umgebung und die neuen Gesichter, vor allem aber wie gesagt auf die Nordsee freut: „Ich mag es, wenn es stürmt und tobt!“
So richtig gestürmt und getobt hat es in der Wedemark selten. Die Verschiedenheit der Ortschaften sei das Spannende gewesen, so Hirschberg. Mit großem Interesse habe er in den letzten Jahren die Ortsbildung von Bissendorf-Wietze mit dem eigenen Ortsrat verfolgt, sozusagen die Identitätsbildung als Ort Bissendorf-Wietze. „Und es ist schön, dass die Christophorus-Kirche als Zentrum eingebunden ist. Hier trifft sich der Ortsrat, es können Synergiekräfte genutzt werden. Wir haben die räumlichen Kapazitäten, die wir hatten, immer gerne mit anderen geteilt, wie jetzt zuletzt mit der Tanzgruppe aus Scherenbostel, die aus der Turnhalle raus musste“, erzählt Hirschberg. So müsse ein wickliches Gemeindezentrum sein: mit einem barrierenfreien Zugang und sanitären Einrichtungen und offen für alle, die Platz bräuchten. Eine besondere Herausforderung in Bissendorf-Wietze sei das Miteinander verschiedener wirtschaftlicher Verhältnisse. Die Kirche habe die große Chance, sich zum Zentrum des Ortes zu entwickeln. „Ich habe immer versucht, mich mit meinem Pfarrbezirk zu identifizieren“, berichtet Hirschberg. Er nehme Erfahrungen aus spannenden Prozessen mit, die in seinem Bezirk abgelaufen seien, der immerhin aus Orten mit ganz eigener Prägung bestanden habe. Großen Respekt habe er vor dem, was der Verein Bürger für Resse für seinen Ort auf die Beine gestellt habe und auch die Kirche wolle dazu gerne einen Beitrag
leisten.
Seine Hobbys Basteln und Fotografieren kann Hirschberg auch in seiner neuen Umgebung problemlos ausleben. „Ich bin der kreative Typ“, beschreibt er sich selbst: „Ich überlege immer gerne, ob es auch anders gehen könnte. Aber ich bin auch nüchtern, sehe die Chancen auf der einen und die Risiken auf der anderen Seite. Das hindert mich aber nicht, etwas zu wagen, aber ich stürme auch nicht in jedem Fall mit Hurra voran. Ich kann mich für etwas begeistern und ich setz mich dann auch voll dafür ein.“ Er habe in seinem langen Berufsleben die Erfahrung gemacht, dass es in den wenigsten Fällen ausschließlich um Leben oder Tod oder die Wahrheit gehe. Eins betont Hirschberg noch zum Schluss: die Arbeit mit den kirchlichen Kindergärten habe ihm immer besonderen Spaß gemacht.