ADMV-Wedemark-Rallye sehr gut frequentiert

Wer nicht genau das richtige Tempo hielt, sondern zu schnell oder zu langsam war, hatte Probleme mit dem Wasserhindernis: Einige Autos „soffen“ dabei regelrecht ab, dieser Audi-Pilot machte es richtig.
 
Die Wertungsprüfung Nummer 1 in der Grube von Depping hinter der Gärtnerei Borgas in Mellendorf war für die Zuschauer besonders interessant, denn an der Wasserdurchfahrt (oben rechts im Bild) mussten die Motorsportpiloten ihr Können unter Beweis stellen. Foto: Fresh Breeze
 
Vom Weg abgekommen: Für manches Rallyeteam war die tatkräftige Hilfe der Zuschauer nötig, damit sie wieder Kurs aufnehmen konnten.

„Kompakteste Rallye Deutschlands“ in Erinnerung an Janina Depping und Ina Schaarschmidt

Wedemark (awi/r).„Noch nie waren so viele Teams am Start, noch nie die Teilnehmer so zufrieden, noch nie so viele Zuschauer an der Strecke!“ so fasst Bernd Depping, Vorsitzender des Motorsportclubs Wedemark, die Rallye-Veranstaltung, die am vergangenen Wochenende in der Gemeinde Wedemark stattfand, in einem Satz zusammen,.
Neben bunt gepuderten jungen Leuten rund um die Eissporthalle prägten bunt lackierte Rallye-Autos das Straßenbild. Im Schulzentrum und auf dem Festplatz in Mellendorf schlug der Motorsportclub das Rallyezentrum auf für die Doppelveranstaltung. 69 Rallye-Autos, ebensoviele Transportanhänger und Service-Fahrzeuge sowie Wohnmobile und Zelte verteilten sich auf den Flächen am Fritz-Sennheiser-Platz. Der Start vor dem Rathaus erfolgte für die 10. ADMV-Wedemark-Rallye am S0nnabend ab 11.30 Uhr, für die 11. Ausgabe dann ab 16 Uhr. Bemerkenswert: Vorneweg tuckerten die Trabant mit 60 PS, erst am Schluss des Feldes kamen die favorisierten Autos mit Allradantrieb und mit fast 300 PS unter de Haube. Auf vier Wertungsprüfungen – also abgesperrten Strecken – sollte die Entscheidung fallen. Die Strecken bei Mellendorf, bei Wennebostel sowie im Gebiet der Sand- und Kieskuhlen zwischen Mellendorf, Brelingen und Bennemühlen wiesen Längen zwischen sieben und zehn Kilometer auf, mussten jeweils zweimal schnellstmöglich durchfahren werden und führten zu 60 Prozent über nicht asphaltierte Straßen, also Schotter- und Graswege oder Naturpisten in den Kuhlen. Zwischen den Prüfungen rollten die Fahrzeuge mit gemächlichem Tempo im normalen Straßenverkehr.
„Fester Bestandteil“
„Die Wedemark-Rallye ist bei uns ein fester Bestandteil der Gemeinde“, hatte schon Oberbürgermeister Helge Zychlinski in seinem Grußwort erklärt. Und angesprochen auf Beschwerden, die öffentlichen Straßen würden unter dem Rallyebetrieb leiden, erklärte Zychlinski: „Wir haben wie immer ein Abkommen mit der Firma Heinrich Depping und dem Motorsportclub, dass die Straßen und Wege genauso wieder hergestellt werden. Und darauf können wir uns verlassen. Meistens sind die Straßen hinterher besser als vorher!“ Wie bei vielen Veranstaltungen halfen die Freiwilligen Feuerwehren tatkräftig mit, in diesem Jahr aus Mellendorf, Bissendorf, Wennebos-tel und Bennemühlen.“ Eher ungewöhnlich im Rallyesport: Der Kleingartenverein organisierte eine komplette Wertungsprüfung, bereits zum dritten Mal. In diesem Jahr bekamen die Kleingärtner prominente Unterstützung, denn Mellendorfs Ortsbürgermeisterin Christa Gol-dau hatte sich als freiwillige Helferin gemeldet und war zunächst in den „Mellendorfer Gärten“, danach in der Deppingschen Sandkuhle als Streckenposten im Einsatz. Bernd Depping: „Das haben wir erst hinterher erfahren. Sie hat den ganzen Tag an der Front gestanden, nachmittags im strömenden Regen, richtig in der Pampe. Ich ziehe meinen Hut vor ihr.“ Das Organisationsteam komplettieren Rallye-Spezialisten aus ganz Deutschland. Bernd Depping listet auf: „Rallyeleiter Helmut Eberhardt kommt aus Brandenburg, Büro-Chefin Daniela Pötzsch aus Sachsen, der Technik-Experte Alexander Döhne sowie Jürgen Freund, Verantwortlicher für die Streckensicherung, aus Hessen, der Schiedsrichter Volker Hofsommer aus Thüringen, der Zeitnahme-Obmann Peter Rother aus Westfalen. Aus Berlin kommt alljährlich Alfred Gorny in die Wedemark, der alle Kontakte zu den Fahrerinnen und Fahrern pflegt – von der Werbung über die Vor-Ort-Betreuung bis zur Siegerehrung.“ Auch die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland, denn die drei Rallye-Serien Schotter-Cup, 318is-Cup und Volvo-Original-Cup, die in der Wedemark um Meisterschaftspunkte kämpften, sind sehr populär; allein der Schotter-Cup verzeichnet in diesem Jahr 77 eingeschriebene Teams. Der Großteil davon reiste letzten Freitag an. „Mit 67 Teams lockt die privat organisierte Veranstaltung des MC Wedemark deutlich mehr Rallyefahrer an als die Masters-Rallye Niedersachsen des ADAC im Juli, zu der lediglich 49 Teams angetreten sind,“ freute sich Schotter-Cup-Chef Alfred Gorny über den großen Zuspruch bei der kompak-
testen Rallye Deutschlands.
Die 10. und 11. ADMV-Wedemark-Rallye liefen als Janina-Depping-Gedächtnisrallye, zum Andenken an die Rallyefahrerin aus der Wedemark, die vor Jahresfrist mit ihrer Beifahrerin Ina Schaarschmidt tödlich verunglückte. Da in den vergangenen Jahren alle Fäden der Wedemark-Rallye bei Janina zusammenliefen, hatten ihr Vater Bernd Depping und ihr Ehemann Marcus Hesse sehr lange überlegt, ob sie seelisch und organisatorisch die Veranstaltung verkraften konnten. „Janina hätte es so gewollt“, gab schließlich Marcus Hesses Meinung den Ausschlag. Zur Erinnerung erhielt jeder Teilnehmer einen Krug mit dem Bild der beiden populären Sportlerinnen. Als Norbert Schneider, Organisator des BMW-318is-Cups, bei der Siegerehrung ausführte, wie schwer dieser Schritt für die Familien war, stand der Saal auf und applaudierte minutenlang – als Dank und als Motivierung für Marcus Hesse und Bernd Depping und ihre Familien wie auch als Tribut an Janina und Ina.
Die Janina-Depping-Gedächtnisrallye spornte offensichtlich die Rallyesportlerinnen besonders an, denn immerhin vier Frauen nahmen das Lenkrad selbst in die Hand. Monika Lein und Tina Roscher aus dem Erzgebirge gewannen beide Male den Preis für das beste Damen-Team. Anja Frese aus Essel an der Aller holte sich bei beiden Wedemark-Rallyes die Pokale für Platz zwei im Volvo-Cup (gegen fünf Männer am Lenkrad!). Am eindrucksvollsten wandelte die 25-jährige Tina Damm aus Ulm auf Janina Deppings Spuren: Ihren Serien-Golf mit nur 90 PS – das schwächste Auto außer den drei Trabant – fuhr sie nachmittags durch Regen und Matsch auf einen großartigen Platz 15 in der Gesamtwertung. Auf dem Beifahrersitz sind die Frauen ohnehin voll emanzipiert, in sieben Autos unter den Top Ten hatten die Beifahrerinnen das Sagen. Auch im Siegerauto, wo die erst 17-jährige Schülerin Lara Quast das „Gebetbuch“ – das sind die stenografischen Notizen zu allen Abzweigen, Kurven, Kuppen und Geschwindigkeiten – vorlas.
Den Sieg bei beiden Wedemark-Rallyes erkämpfte sich der 34-jährige Patrick Neidhardt aus Mihla bei Eisenach. Vor dem Start war er noch skeptisch über die Konkurrenzfähigkeit seines Mitsubishi Lancer Evo 6 mit rund 280 PS und Allradantrieb: „Ich fahre mit normalen Reifen, ich brauche ein besseres Fahrwerk, ich wünsche mir einen stärkeren Motor.“ Doch als Pekka Ruokonen, der finnische Schotter-Cup-Champion von 2009, mit defektem Differenzial ausfiel und bei Raphael Ramonat der Turbo schlapp machte, übernahm der Thüringer zur Halbzeit der 10. ADMV-Wedemark-Rallye die Spitze und baute sie bis Ziel deutlich aus. Mit einer enormen Leistung im frontgetriebenen und seriennahen Renault Clio flogen die Schotter-Cup-Titelverteidiger Mark Muschiol (Chemnitz) und Kerstin Munkwitz (Schmiedeberg) auf Platz zwei noch vor dem Allrad-Turbo-Subaru der Zwickauer Thomas Böhm und Nico Lehmann. In der verregneten 11. ADMV-Wedemark-Rallye am Nachmittag feierten Patrick Neidhardt und Lara Quast im Mitsubishi erneut den Sieg. Diesmal driftete das niederbayerische Ehepaar Rudi und Simone Weileder mit einem BMW 318is auf den zweiten Platz vor Björn Becker und Dirk Mürkens aus
Wülfrath im Audi 90 Quattro. Trotz der schwierigen Wetterbedingungen lief die Wedemark-Rallye völlig unfallfrei und mit nur geringer Verspätung ab. Die gute Stimmung unter den Rallyesportlern brachte der glücklose Finne Pekka Ruokonen in gebrochenem Englisch auf den Punkt: „Ich liebe diese Rallye. Ich komme wieder!“ Thema Nummer eins am Abend war das von Bernd Depping persönlich konstruierte Wasserhindernis. Nicht alle bewältigten es beziehungsweise sie kamen zwar durch, aber danach nicht weiter oder nur mit Zwangspause. „Die Fahrer haben mit so etwas einfach zu wenig Erfahrung“, sagt Bernd Depping. Die Durchfahrt sei lediglich 22 Zentimeter tief, ein geschlossener Kreislauf und immer gleichbleibend gefüllt gewesen, betont er. „Das sind Erfahrungen, da müssen die Fahrer durch“, so Depping. Er bedankte sich bei der Siegerehrung noch einmal ausdrücklich bei der Gemeindeverwaltung Wedemark für die großartige Unterstützung in jeder Hinsicht.