Ärzte kündigen Vertrag in Resse

Das ehemalige Sparkassengebäude in Resse wurde vor neun Jahren zum Ärztehaus umgebaut. Eigentümer ist der Verein Bürger für Resse, der das Gebäude zu dem Zweck erworben hatte, dort eine Arztpraxis anbieten zu können. Foto: A. Wiese

Praxis Harder/Maeß schließt ihre Zweigstelle zum Jahresende

Resse (awi). Die Zweigstelle der Bissendorfer Arztpraxis Harder/Maeß im Ärztehaus an der Ecke Altes Dorf/Osterbergstraße schließt zum Jahresende ihre Türen. Das ist seit einigen Tagen einem Aushang im Wartezimmer der Resser Praxis zu entnehmen und von Dr. Olaf Harder und Dr. Martin Maeß gegenüber dem ECHO bestätigt worden. „Leider müssen wir aus betrieblichen Gründen unsere Zweigpraxis in Resse zum Jahresende schließen. Frau Dr. Kern wird in Zukunft in der Bissendorfer Praxis tätig sein. Frau Dr. Kern, Dr. Harder und Dr. Maeß freuen sich weiterhin für Sie in Bissendorf da sein zu können“, heißt es schlicht auf dem weißen Zettel an der Tür zum Wartezimmer.
Natürlich verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer im Ort. Der Ankauf des ehemaligen Sparkassengebäudes zu dem Zweck, dort eine Arztpraxis anbieten zu können, war vor neun Jahren quasi der Startschuss für den Verein Bürger für Resse, als die damals ansässige Ärztin sich zur Ruhe setzte. Der Verein meisterte alle Schwierigkeiten, kaufte das Gebäude, baute es um und fand mit den beiden Bissendorfer Medizinern Dr. Olaf Harder und Dr. Martin Maeß zwei Ärzte, die bereit waren, in Resse eine Zweigpraxis zu betreiben. Resse und sein Ärztehaus wurden daraufhin bundesweit zum Vorzeigeprojekt. Dr. Anja Kern ist als angestellte Ärztin der Praxis im Ärztehaus in Resse tätig. Der Vertrag mit dem Bürgerverein wurde nach Informationen des ECHO zunächst für fünf Jahre geschlossen und dann um weitere fünf Jahre verlängert. Danach läuft der Vertrag noch bis Ende 2018. Ein Gespräch zwischen den Ärzten und dem Vorstand des Bürgervereins, der nach wie vor auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden ist, ist für Mitte nächster Woche anberaumt.
Nach Informationen des ECHO haben die Ärzte auch ihre Anteile an der Genossenschaft „Infrastruktur für Resse“ gekündigt. Es ist noch nicht bekannt, ob Harder und Maeß bereit wären, früher aus ihrem Mietvertrag herauszugehen, um eine zügige Nachfolge in der Arztpraxis zu ermöglichen. Aus terminlichen Gründen waren die Ärzte bisher noch nicht persönlich für eine Stellungnahme erreichbar, teilten aber mit, dass sie die beabsichtigte Schließung ihrer Zweigpraxis in Resse bedauern. Im Resser Frischmarkt Pagel, dem Kommunikationszentrum des Dorfes, gibt es zurzeit kein anderes Thema. Den Ressern geht es vor allem darum, weiterhin einen Arzt direkt im Dorf zu haben. Sie sind überzeugt: „Resse ist ein guter Standort für Ärzte“ und „Es ist doch gut gelaufen“. Namentlich möchte aber niemand öffentlich zitiert werden. Das Thema ist heiß. Immobilienmakler Karl-Heinz Müller, Mitglied des Bürgervereins, sieht es allerdings genauso wie viele Bürger: „Wir haben das letzte Mal einen Arzt gefunden, wir werden auch wieder einen finden. Ich sehe keinen Grund zur Panik in Resse.“ Auch er sieht in dem Ort, der sich in den letzten zehn Jahren stark entwickelt hat, auf jeden Fall Potential für die Praxis eines Allgemeinmediziners. Nach Informationen des ECHO haben bereits mehrere engagierte Resser begonnen, sich umzuhören, ob ein Arzt Interesse an der Praxis in Resse hat. Dafür muss natürlich zunächst geklärt werden, wann die Räume zur Verfügung stehen. Leider war Renate Kolb, die zweite Vorsitzende des Vereins Bürger für Resse, die zurzeit gemeinsam mit dem bisherigen Vorstand die Geschäfte führt, bis ein neuer Vorstand gefunden ist, ges-tern bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme aus Sicht des Vereins als Hauseigentümer erreichbar.