Aktive Sommerschule bringt Ferienspaß

Helmut Höcker (v. l.), Angelina, Annika, Jana, Nicole, Till und Kiki mit dem selbst gebauten Mammut. Foto: B. Stache
 
Raavi (v. l.) hat mit Rotkohl geforscht, Mark gestaltete die Eislandschaft mit Mammuts und Barbara Kies freut sich über das Engagement der Schüler. Foto: B. Stache

Mammuts und Eiszeitmenschen leben in Gailhof wieder auf

Gailhof (st). Ihre ganze Kreativität brachten die 16 Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren in die zweiwöchige „Aktive Sommerschule“ ein: beim Bau eines 1,50 Meter großen Mammuts, beim Experimentieren mit Rotkohl und Gestalten einer Eislandschaft mit Mammuts in der Forscherwerkstatt oder beim Anfertigen von filigranem Halsschmuck aus Tierknochen und fossilem Mammut-Elfenbein. Auf dem vielfältigen Programm der Ferienfreizeit für Kinder mit Lern- und Konzentrationsproblemen (ADHS) standen darüber hinaus Rechnen, Schreiben und Lesen, aber auch Sport- und Bewegungsangebote sowie das Anlegen von Feuerstellen und Kochen auf offenem Feuer. Das Konzept der Sommerschule im Jugend-, Gäste- und Seminarhaus Gailhof habe sich bereits in den Sommerferien 2012 bewährt, erklärte Helga Wienecke, Leiterin des Teams Jugendarbeit der Region Hannover: „Wissen spielerisch und über sinnliche Erfahrungen zu vermitteln hat bei den Kindern zu Lernerfolgen geführt. Bei allen war eine Veränderung zu sehen: Sie waren aufgeweckter, experimentierfreudiger und verbesserten teilweise sogar ihre Schulnoten.“ Für die Umsetzung des Projektes, das in diesem Jahr unter dem Motto „Mammuts und Menschen in der Eiszeit“ stand, hatte die Region den gemeinnützigen Verein „Die Kulturmacher“ aus Wennigsen beauftragt. „Jedes Kind ist neugierig. Wir regen den natürlichen Forscherdrang der Kinder und Jugendlichen mit Mitteln an, die sie aus dem alltäglichen Schulalltag nicht kennen“, erklärte Kulturmacher-Geschäftsführer Thomas Haubrich. Entsprechend kreativ gestaltete die Biologin Barbara Kies, Projektkoordinatorin vom Verein „Die Kulturmacher“, die Forscherwerkstatt, in der beispielsweise Mark (10) seine selbst gestaltete, eindrucksvolle Eislandschaft mit Mammuts und einem Mammutjäger verwirklichen konnte. In der Knochen- und Mammutwerkstatt leitete Vero Schmolinski, Elfenbeinschnitzermeisterin aus Heiligkreuzsteinach bei Heidelberg, unter anderem die elfjährigen Chantale und Robin beim Anfertigen von Halsschmuck für „Mammutjäger" aus Naturmaterialien an. An einer weiteren Station baute Diplom-Künstler Helmut Höcker mit Teilnehmern der „Aktiven Sommerschule“ das große Mammut: aus einem Holzgestell, das mit Stroh gefüllt und mit Fellstoffen bezogen sehr naturgetreu wirkte – nur etwas kleiner als das Original. Angelina, Annika, Jana, Nicole, Kiki und Till hatten bei einem Fototermin mit ihrem Mammut großen Spaß. „Die Jugendlichen leben mit unseren Betreuern hier wie in einem Dorf zusammen. Allein dadurch entsteht eine Vertrauensatmosphäre. Die Kinder setzen sich selber Regeln“, erläuterte Thomas Haubrich das pädagogische Konzept des Camp-Projektes, das sich ganz am Humboldtschen Bildungsansatz orientiere: „Es geht um soziale, emotionale und kognitive Kompetenz, das heißt, es geht um einen ganzheitlichen pädagogischen Ansatz. Wir legen großen Wert auf Gemeinsamkeit.“ Ganz in diesem Sinne hatten drei Jungs am Sonntagmorgen um sieben Uhr aus eigenem Antrieb die Feuerstelle hergerichtet und für alle Campteilnehmer, die wegen der Streiche-Nacht vom Vortage ausschlafen durften, Pfannekuchen gebacken, berichtete Haubrich begeistert. Für die Teilnahme an der „Aktiven Sommerschule“ haben die Eltern je Kind 150 Euro bezahlt. „Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Sparkasse Hannover wäre dieses Projekt nicht möglich gemacht worden“, machte Anna Ferdinand, Pressereferentin der Region Hannover deutlich. Für das auf drei Jahre angelegte Projekt habe die Sparkasse einen Betrag von 40.100 Euro gespendet. Am gestrigen Freitag haben die Eltern ihre Kinder aus der „Aktiven Sommerschule“ in Gailhof abgeholt – dabei hatten sie erstmals Gelegenheit, die kreativen Arbeiten der Campteilnehmer in Augenschein zu nehmen.

AD(H)S steht für Aufmerksamkeits(hyper)defizitsyndrom, eine neurobiologische, anlagebedingte Funktionsstörung des Gehirns, die sich durch eine beeinträchtigte Aufmerksamkeit sowie mangelnde Impulskontrolle, emotionale Instabilität und mitunter Hyperaktivität bemerkbar macht. AD(H)S ist häufig Ursache von Verhaltensstörungen und schulischen Leistungsproblemen bei Kindern und Jugendlichen. Konzentrations- und Wahrnehmungsprobleme, Desorganisiertheit, Unaufmerksamkeit, Tagträumerei sowie Vergesslichkeit sind häufige Symptome von ADS. Diese können zu Stimmungsschwankungen, niedriger Frusttoleranz, Aggressivität, Depressivität oder auch Antriebslosigkeit führen. Bei ADHS treten innere Unruhe, Bewegungsdrang, Nervosität, Ungeduld, Schlafschwierigkeiten und exzessives Reden auf. Als positive AD(H)S-Merkmale gelten hohe Kreativität, starker Gerechtigkeitssinn, Hilfsbereitschaft, Begeisterungsfähigkeit sowie Ideenreichtum.