Amtshaus wird keine Elbphilharmonie

Bau-Fachbereichsleiter Kay Petersen (links) und Bürgermeister Helge Zychlinski begutachten den Stand der Sanierungsarbeiten im entkernten Amthaus in Bissendorf und ziehen eine zufriedene Zwischenbilanz. Foto: A. Wiese

Bürgermeister betont: „Wir liegen bei Sanierung im Zeit- und Kostenplan“

Bissendorf (awi). Das Bissendorfer Amtshaus wird keine zweite Elbphilharmonie: Weder ein Überschreiten des Kosten- noch des groben Zeitplanes zeichne sich zurzeit ab, betonten am Donnerstag bei einem Ortstermin Bürgermeister Helge Zychlinski und Bau-Fachbereichsleiter Kay Petersen. Atemberaubend soll es trotzdem werden, wenn es Anfang 2018 fertig ist: Kernsaniert mit Standesamt und Trauzimmer im Erdgeschoss, zwei Büroeinheiten im ersten und zwei Wohneinheiten im zweiten Stock.
Es gibt Förderer für die Sanierung des historischen Gebäudes – den Bund mit 150.000 Euro und die Bingo-Stiftun mit 20.00o Euro – und schon daher ist die Gemeinde gehalten, den Sanierungsfortschritt regelmäßig öffentlich zu dokumentieren, erklärte der Bürgermeister. Er nutzte die Gelegenheit aber auch, um auf „Herausforderungen im Objekt“ hinzuweisen. Der Zustand des Holzes im Innenbereich sei nämlich doch schlechter als vermutet. Insbesondere die Schwellen wiesen fast alle gravierende Feuchtigkeitsschäden auf, räumte Fachbereichsleiter Petersen ein. Doch einen kleinen Puffer habe man in der Gesamtinvestitionssumme von zwei Millionen Euro selbstverständlich eingerechnet, so Petersen und Zychlinski, die mit dem Verlauf der Arbeiten sehr zufrieden sind. Zurzeit sind die Handwerker immer noch mit dem Rückbau und der Erfassung der Schäden beschäftigt. Außerdem laufen die Vorbereitungen für den neuen Dachstuhl, der im Frühjahr gemacht werden soll. Dafür läuft zurzeit gerade eine neue Ausschreibung, den der Betrieb, dem dieses Gewerk ursprünglich zugefallen war, ist mittlerweile insolvent. Zychlinski geht allerdings nicht davon aus, dass die Nachvergabe das Projekt verteuert. Kurzfristig sei ein anderer Betrieb eingesprungen, um das Dach dicht zu machen und die Bewerberlage sei so gut, dass er sich eine Verteuerung in diesem Bereich nicht vorstellen könne. Zwar habe nicht wie ursprünglich geplant im Dezember Richtfest gefeiert werden können, doch werde dies jetzt spätestens im April klappen und für den Fortgang der Arbeiten sei diese Verschiebung unerheblich. Über die verkleidete Treppe kann man jetzt auch wieder gefahrlos in den ersten Stock gelangen. Hier fällt jetzt, wo der Fußboden herausgenommen und die Fachwerkbalken freigelegt sind, besonders das Gefälle von Nord nach Süd im Gebäude auf. Es beträgt fast 50 Zentimeter. Durch das Einziehen einer zweiten Decke soll das ausgeglichen werden. Die alten Deckenbalken sollen jedoch im insgesamt rund 170 Quadratmeter umfassenden ersten Stockwerk sichtbar bleiben. Für den Aufgang in den zweiten Stock entsteht ein neues Treppenhaus, das alte bleibt als „Schmucktreppenhaus“ erhalten. Eine Barrierefreiheit kann die Gemeinde aus Kostengründen im sanierten Amtshaus nicht herstellen und musste sich daher auch von einer öffentlichen Nutzungn in den beiden oberen Stockwerken verabschieden. Ein Außemfahrstuhl wurde verworfen. Er hätte den Kostenrahmen gesprengt. Um die auch von der Politik gewünschte Altersbestimmung des Amtshauses konkretisieren zu können, sammeln die Zimmerleute von allen alten Balken Holzproben. Sie werden einer dendrochronologischen Untersuchung unterzogen, die vermutlich das tatsächliche Baujahr des Amtshauses dann näher eingrenzen wird.