Amtshausanbau 270 Jahre alt

Dass das Amtshaus nicht aus einem Stück ist und damit auch nicht nur ein Baudatum hat, war schon vor der Entkernung klar. Aber jetzt haben dendrochronologische Untersuchungen Klarheit gebracht. Archivfotos: A. Wiese

Zweite Untersuchung fördert Erstaunliches zutage

Bissendorf. Das Amtshaus-Kerngebäude in Bissendorf wurde 1580 gebaut, das ergaben die Untersuchungen im Mai dieses Jahres. Offen war immer noch die Frage nach dem Alter des Anbaus. Jetzt steht fest, die Anbauten im Jahr sind aus der Barockzeit und erfolgten 1747, also 167 Jahre nach dem Bau des ersten Hauses. „Das Amtshaus ist nicht in einem Stück gebaut worden, das war sehr schnell augenfällig“, begründete Bürgermeister Helge Zychlinski die zweite Untersuchung. Fensterrahmen oder Übergänge zu anderen Räumen seien mit unterschiedlichen Maßen angesetzt worden. Balken hätten verschiedene Neigungswinkel gehabt, die Untergründe seien anders verdichtet worden.
Es musste nach 1580 ein vier Gebinde umfassender Anbau erfolgt sein. „Wir waren alle sehr neugierig, wie alt die zusätzlichen Gebäudeteile sind. Nachdem das Alter des Kernbaus bestimmt wurde, ergaben sich im Laufe der Sanierung weitere Fragen zu Veränderungen und zur Erweiterung des Gebäudes“, beschreibt Helge Zychlinski. „Es ist gut zu wissen, wie alt das Ensemble tatsächlich ist“, freut sich Bürgermeister Zychlinski. Schließlich sei von der Bissendorfer Amtsvogtei aus das Gebiet der Wedemark lange Zeit verwaltet worden. Auch wenn es in der Gemeinde viele bedeutende historische Gebäude gebe, sei dieser Ort in der Wedemark ein besonderer Identifikationsort. Über die Entstehungszeit des zweiten Gebäudeteils gab es viele Spekulationen. „Über dem Hauptzugang ist am Bau ein Datum vermerkt, welches aber aus verschiedenen Gründen als Baudatum zu recht angezweifelt wurde“, erläutert Dr. Olaf Karlson vom Büro für historische Bauforschung aus Leipzig, der mit der Untersuchung beauftragt wurde. Es habe auch die Annahme gegeben, dass das Datum an den Sandsteinpfeilern der Einfahrt das Entstehungsdatum des Hauses oder zumindest den Teilanbau datieren würde, führt er in seinem Gutachten weiter aus. „Ähnlich wie für die Entstehung des Fachwerks vom Kernbau, gab es auch für den Anbau aus den schriftlichen Quellen bislang keine eindeutige und belegbare Zeitangabe.“ Eine dendrochronologische Untersuchung musste für Klarheit sorgen, wie auch schon vorher beim Kerngebäude. Bohrproben wurden den Holzbalken des Fachwerkes im Anbau entnommen, teilweise im Beisein eines Vertreters des Geschichtsvereins von Bissendorf. Die Auswertung der Jahresringe hatte ein eindeutiges Ergebnis: „Man kann davon ausgehen, dass das Amtshaus im Jahr 1747 um vier Gebinde erweitert worden ist. In dieser Zeit ist sehr wahrscheinlich auch das Dachwerk vollständig erneuert worden“, berichtet Dr. Karlson. Zusätzlich seien auch sämtliche rechteckigen Fensteröffnungen während der Erweiterung des Amtshauses vergrößert worden.