Angeln für die Wissenschaft

Angler und Biologen beim Aufklaren eines Fischernetzes Sonntagmorgen am Meitzer Baggersee. Foto: B. Stache

Baggerseeprojekt am Meitzer Teich kommt Anglern und der Natur zugute

Meitze (st). Am Sonntagmorgen holten die Wissenschaftler ihren ersten Fang zur Beprobung des Fischbestands im Meitzer Baggersee an Land. Fischereibiologe Sven Matern und Praktikant Leander Höhne vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (Leibniz-Institut aus Berlin) sowie Dr. Matthias Emmrich, Biologe beim Anglerverband Niedersachsen, waren zahlreiche Fische ins Netz gegangen, darunter ein 20,4 cm langer Hecht. Dieser und alle anderen Fische wurden von Studenten der Leibniz Universität am Rande des Baggersees gewogen und vermessen – alles für die Wissenschaft. Bei der Aktion handelt es sich um ein mit 1,9 Millionen Euro gefördertes Projekt zur Sicherung und Förderung der Artenvielfalt in Baggerseen. Dabei liegt der Fokus unter anderem auf Fischen, Vögeln, Amphibien, Libellen und Pflanzen. Die Fördersumme für die Projektzeit von sechs Jahren wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bereitgestellt. Verbundpartner des Baggerseeprojekts sind das Berliner Leibniz-Institut, die Technische Universität Berlin, der Landessportfischerverband Niedersachsen sowie 20 darin organisierte Vereine, zwei Privatpersonen und die Stiftung Naturschutz im Landkreis Rotenburg (Wümme). „Wir unterstützen dieses Projekt. Unser Ziel ist eine gute Hege und Pflege des Fischbestands in unserem Meitzer See“, erklärte Holger Machulla, 1. Vorsitzender des ASV Neustadt am Rübenberge. Der Neustädter Angelsportverein hat zirka 1000 Mitglieder, von denen fast 130 aus der Wedemark kommen. „Dieser Angelteich ist ein gutes Beispiel für einen klassischen, strukturlosen Baggersee. Das Ufer fällt steil ab, es gibt keine Flachwasserzone, die sich als Lebensraum für Fische eignet“, erläuterte Sven Matern die Situation am Meitzer Busch. „Unsere Idee ist, in den nächsten sechs Jahren eine Flachwasserzone in diesem Gewässer zu schaffen. Wir erhoffen uns davon eine Erhöhung der Fischanzahl und Artenvielfalt. Das Projekt ist eine Win-Win-Situation für die Angler und die Natur“, so der Biologe. Große Sorge bereiten dem ASV-Vorsitzenden Holger Machulla ungebetene Badegäste, die auch immer wieder ihren Müll am zertretenen Ufer des Baggersees zurücklassen. „Das Baden im Meitzer See ist nicht nur verboten, es ist auch gefährlich“, machte er mit Hinweis auf die Temperaturschichtung und dem Wechsel von warmem Oberflächenwasser und kühlem Tiefenwasser deutlich. Kälteschock mit Herzversagen kann die Folge sein. Aber auch Sand- und Steinwände können in Baggerseen abstürzen und Badende verschütten.