Angelverein besetzt Kiesteich mit Flusskrebsen

Bürgermeister Tjark Bartels und Angelvereinsvorsitzender Holger Machulla beurteilen einen der größeren, etwa dreijährigen Flusskrebse. Foto: A. Wiese
 
Interessierte ließ sich Bürgermeister Tjark Bartels die Flusskrebse vom Angelvereinsvorsitzenden Holger Machulla (r.) und dessen Vater Erich (M. ) erklären. Foto: A. Wiese

Bürgermeister Bartels übernimmt Patenschaft für das Projekt

Meitze (awi). Ein paar ungewöhnliche Neubürger hat Wedemarks Bürgermeister
Tjark Bartels am Sonnabendvormittag begrüßt und zudem die Patenschaft für den Besatz des vom Aussterben bedrohten Deutschen Edelkrebses übernommen.
Der Angelverein Neustadt als neuer Eigentümer des nördlichen Kiesteiches im Meitzer Busch und anerkannter Naturschützer wollen in den nächsten Jahren die Spuren, die der Kiesabbau in Meitze hinterlassen hat, so gut es geht verschwinden lassen, erklärte der Vorsitzende des Neustädter Angelvereins, Holger Machulla.
Erste Maßnahme sei der Besatz des Edelkrebses, der zur Verbesserung der Wasserqualität beitrage und für den Bürgermeister Tjark Bartels die Patenschaft übernommen habe. Der Edelkrebs wurde durch die Krebspest bis auf kleine Rückzugsgebiete in Deutschland fast komplett ausgerottet, erläuterte Machulla. Um ein völliges Verschwinden dieser Art zu verhindern, setzen Fischereivereine seit Jahren mit zum Teil sehr guten Ergebnissen die Krebse in geschlossene Gewässersysteme. Die Krebse dürfen nach ihrem Besatz nicht mehr gefangen werden, da sie nach Bundesartenschutzgesetz strengstens geschützt sind. Früher seien die Flusskrebse in vielen Gewässern vorgekommen. Vor mehr als 100 Jahren waren sie in Europa sogar ein wirtschaftlich bedeutsamer Handelsfaktor. Doch eine aus Nordamerika eingeschleppte tödliche Pilzkrankheit, die Krebspest, führte ab 1860 zum plötzlichen, fast völligen Erlöschen der Bestände. Die Krebspest bedrohe die Restbestände der europäischen Flusskrebsarbeiten mittlerweile in ganz Europa. Zwar seien heute wieder in einigen Gewässern Flusskrebse anzutreffen, es handele sich dabei jedoch fast immer um fremdländische Arten, zumeist aus Nordamerika. Die in Deutschland ursprünglich einzige heimische Art, der Delkrebs, komme dagegen nur noch in wenigen Gewässern vor. Durch unbedachte Weiterverbreitung der nicht heimischen Arten sei sogar das völlige Aussterben des Edelkrebses mit der lateinischen Bezeichnung Astacus astacus zu befürchten. Wertvoll für die Verbesserung der Gewässer ist der Flusskrebs nicht nur als Nahrung für Fische, sondern auch als Aasfresser. 200 Krebse verschiedener Größenordnungen setzten Machulla und Bartels schließlich in dem idyllischen Kiessee aus, in dem das Baden ausdrücklich nicht gestattet ist. Die Krebse stammen aus der Zucht der Familie Göckemeyer in Poggenhagen bei Neustadt, die sich die Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Flusskrebses auf die Fahnen geschrieben haben. Der Angelverein Neustadt ist in der Wedemark nicht nur Eigentümer des Sees bei Meitze, sondern auch bereits seit einigen Jahren des Brelinger Kiesteiches und des Autobahnsees bei Bissendorf-Wietze. Über eine Mitgliedschaft im Angelverein Neustadt können Wedemärker Angler also in Wedemärker Gewässer angeln, währed der Wedemärker Fischereiverein ein Gewässer in der Gemarktung Burgwedel gepachtet habe, erklärt Klaus Rutkowski vom Neustädter Angelverein. Bürgermeister Tjark Bartels gab zu, dass er sich erst einmal von der Wedemärker Umweltbeauftragten Ursula Schwertmann über den Europäischen Flusskrebs habe schlau machen lassen. Er hoffe auf das Gelingen der Ansiedlung in dem Meitzer Gewässer und „dass sich die Neubürger hier wohlfühlen".