Anlieger kämpfen für Spielstraße

Anlieger aus dem Dieter-Mysegades- und dem Ursula-Greve-Weg hatten am Sonnabend Editha Lorberg in ihrer Funktion als CDU-Landtagsabgeordnete eingeladen und trugen ihr ihre Argumente gegen eine für Autos offene Verbindung mit dem neu geplanten Baugebiet Diersrahe. Foto: A. Wiese
 
Der Dieter-Mysegades-Weg an einem ganz normalen Mittwochnachmittag: Die Kinder nutzen die Straße zum Skaten und Spielen, Erwachsene stehen in Grüppchen zusammen und klönen. So soll es bleiben, wünschen sich die Anwohner, die unter dieser Prämisse vor fünf Jahren hierhier gezogen sind. Foto: A. Wiese

CDU-Landtagsabgeordnete: „Ursachen von Schleichverkehr abstellen“

Bissendorf (awi). Mit der Hoffnung auf eine Perspektive für eine dauerhafte Änderung der unbefriedigenden Verkehrssituation im Westen Bissendorfs inklusive der beiden neuralgischen Kreuzungen an der
L 190 in Scherenbostel und Schlage-Ickhorst und eine für alle Seiten akzeptable Lösung im Bereich der Baugebiete Bissendorf-West und Diersrahe nach dem umstrittenen Ortsratsbeschluss für eine autobefahrbare Verbindung sind am Sonnabend die Mitglieder der neu gegründeten Interessengemeinschaft kinderfreundliches Bissendorf-West und die CDU-Landtagsabgeordnete Editha Lorberg nach einem Ortstermin und einem längeren Gespräch auseinandergegangen.
Lorberg nahm den Eindruck mit, dass allen Anliegern die Befürchtung, die Spielstraßen Dieter-Mysegades-Weg und Ursula-Greve-Weg könnten von verkehrsberuhigten Tempo-30-Straßen zu Rennstreck-en für einen Durchgangsverkehr vom Gewerbegebiet Bissendorf zur Scherenbosteler Straße werden schwer auf der Seele liegt und die rund 70 Kinder die Straße tatsächlich als Lebensraum nutzen. Sie zeigte Verständnis für die Situation der Anwohner, die ihr ein Positionspapier und einen symbolischen Poller überreichten, denn eine Pollerlösung wie zwischen Erikaweg und Bissendorf-West scheint den Anwohnern zum jetzigen Zeitpunkt die einzige gangbare Lösung zu sein. Sie nahmen aber auch mit, dass die Landtagsabgeordnete zwar mit ihren CDU-Kollegen im Ortsrat und in der Ratsfraktion im Gespräch ist, ihnen aber keinesfalls in den Rücken fallen werde. „Wir haben die gute Tradition, dass die Ortsräte die ersten Ansprechpartner für solche Themen vor Ort sind. Wir vertrauen darauf, dass sie die Gegebenheiten am besten kennen und die für den Ort verträglichste Lösung beschließen werden.“ Wenn wie jetzt in Bissendorf die Meinungen auch innerhalb des Ortsrates auseinandergingen – wie berichtet hatte sich die SPD für eine Sperrung für den Autoverkehr zwischen dem neuen Gebiet Diersrahe, das eine Anbindung an das Gewerbegebiet bekommen soll, und dem bestehenden Baugebiet Bissendorf-West ausgesprochen, CDU und AfD diesen Antrag aber abgelehnt und die Öffnung für den Autoverkehr befürwortet – und die Anlieger sich an übergeordnete Instanzen wandten, müsse man miteinander reden, so Lorberg. Die Anlieger hatten angekündigt, alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen zu wollen, um eine Verkehrsdurchlässigkeit über Fußgänger, Radfahrer und Rettungsfahrzeuge hinaus, zu verhindern. „Notfalls bis zum Klageweg. Allerdings will das keiner von uns“, so die Sprecher der Anlieger am Sonnabend, Jens Döring, Eugen Henze und Oliver Sohst. Eine Delegation der Anlieger hatte am Mittwoch bereits Bürgermeister Helge Zychlinski aufgesucht und ihm ihre Argumente dargelegt. Auch der Bürgermeister habe Verständnis gezeigt und weitere Gespräche angekündigt, erklärte Jens Döring. „Ich denke, letztendlich sind alle gar nicht weit voneinander entfernt“, nährte Editha Lorberg die Hoffnung auf einen tragfähigen Kompromiss. Die Anlieger hatten zu diesem Zeitpunkt bereits von sich aus für nächsten Donnerstag einen Gesprächstermin mit Susanne Brakelmann vereinbart, die dann auch das Thema erneut in ihrer Ratsfraktion besprochen haben werde, wusste Lorberg von bereits vereinbarten Gesprächen. Die Landtagsabgeordnete überzeugte die Anlieger, dass weiter gedacht werden müsse als bis zum Poller zwischen Diersrahe und Bissendorf-West.
Die Argumentation der CDU im Ortsrat, es müsse eine zusätzliche Verbindung vom Gewerbegebiet zur Scherenbosteler Straße geschaffen werden, greife ja nur deswegen, weil an den Kreuzungen der Haupterschließungsstraßen für den Westen Bissendorfs, nämlich die K 101 und die L 190 sowie die Scherenbosteler Straße Stau und Chaos an der Tagesordnung seien. Genau das versuche sie aber gemeinsam mit der FDP und der Gemeindeverwaltung beim dafür zuständigen Verkehrsminister des Landes zu ändern – bisher leider ohne sichtbaren Erfolg. „Werden diese Kreuzungen durch andere Ampelschaltungen und eine Linksabbiegespur in Schlage-Ickhorst durchgängiger, führt das automatisch auch zu einer Entlas-tung des Westerfeldweges und dann wird auch niemand, der nicht direkt zu einem Haus im Dieter-Mysegades- oder Ursula-Greve-Weg muss, sich mit Tempo 30 durch eine Spielstraße schlängeln“, ist Lorberg überzeugt. Sie regte daher an, das Anliegen der örtlichen Politiker für Änderungen an den L190-Kreuzungen mit einer Petition an den niedersächsischen Landtag zu unterstützen. „Die Situation war seit Jahren absehbar. Die Kreuzungen sind ein Nadelöhr. Hier muss jetzt eine Lösung her und die muss dann halt auch mal Geld kosten“, verdeutlichte die CDU-Landtagsabgeordnete den für nicht so im Thema Steckende nicht auf den ersten Blick erkennbaren Zusammenhang zwischen der Sorge, die die Anlieger von Bissendorf-West im Fall einer Verbindung über Diersrahe mit dem Gewerbegebiet umtreibt mit dem Thema Verkehrsprobleme auf der L 190. Die Vertreter der Interessengemeinschaft kinderfreundliches Bissendorf-West erfassten die Zusammenhänge aber sehr wohl und
sicherte der Landtagsabgeordneten zu, sich sofort mit der Petition
auseinanderzusetzen. Unabhängig davon sollen natürlich weiterhin Gespräche für eine für alle Seiten akzeptable Verkehrsführung in den Wohngebieten fortgesetzt werden. „Die vielen Kinder, die hier an diesen beiden Straßen leben, alle zusammen zu sehen und zu erleben, wie sie die Straße als Lebensraum nutzen, hat mich schon beeindruckt“, räumte Lorberg ein. Sie stellte ganz klar heraus: „Es geht mir nicht um Parteipolitik, sondern um eine Lösung, die allen gerecht wird, Ihnen und meinen Ortsratskollegen, die ihren Ort gut kennen und sich Gedanken darum machen.“ Ob sie denn zu den Worten aus ihrem Internetauftritt stehe, dass die Wedemark so gestaltet werden müsse, dass sich alle, auch die Kinder hier wohlfühlten“, wollte Judith Irion von der Interessengemeinschaft wissen, in deren Haus die Abgeordnete und die Vertreter der Interessengemeinschaft nach dem Ortstermin auf der Straße noch zum Gespräch zusammengekommen waren. Das versicherte Editha Lorberg natürlich, diesen Satz habe sie selbst formuliert. Sie wolle auch gern vermittelnd zur Verfügung stehen, trete jedoch sofort in die zweite Reihe zurück, wenn die Interessengemeinschaft eine Gesprächsbasis mit dem Ortsrat und der Ortsbürgermeisterin gefunden habe. Sie werde sich verstärkt für eine Verkehrsentlastung für den Westen Bissendorfs einsetzen, denn natürlich gehe es nicht an, dass der Druck auf den Haupterschließungsstraßen so groß sei, dass Schleichverkehr durch die Wohngebiete zu der von den Anliegern gefürchteten Situation führe, dass Verkehr aus dem Gewerbegebiet zur Scherenbosteler Straße durch den Ursula-Greve- und Dieter-Mysegadesweg fließe und das viel schneller als die erlaubten 30 km/h. „Wir müssen eine Lösung finden, dass ihr nicht umgefahren werdet“, versprach Lorberg auch den auf der Straße spielenden, mit Kreide malenden und Roller fahrenden Kindern. Lorberg habe bei den Anwohnern zunehmend Vertrauen geschaffen, dass eine Lösung greifbar sei“, bedankte sich Jens Döring im Namen der Initiative bei der Abgeordneten.