Auch in der Wedemark Ärger mit dem Müll

In mehreren Ortsteilen der Wedemark sind in den letzten Tagen gelbe Säcke vom Unternehmen Remondis nicht abgeholt worden und stapeln sich am Straßenrand. Foto: Privat

Anwohner sind verärgert – Remondis will Abhilfe schaffen – aha verweist auf Politik

Wedemark (awi). Seit Januar ist nicht mehr aha, sondern die Firma Remondis für die Abholung der gelben Säcke zuständig. Regionsweit hat das bereits zu Problemen geführt. Und auch die Wedemark ist da keine Ausnahme. „Seit diesem Jahr wird die Straße Am Hopfengarten in Hellendorf von der Firma Remondis nicht angefahren. aha hatte auch zwischen den Feiertagen schon keine gelben
Säcke mehr abgefahren“, klagt beispielsweise der Hellendorfer Rainer Knof. Mittlerweile habe er insgesamt fünf Mal bei der Hotline von Remondis angerufen und die Nichtabholung reklamiert, bisher ohne Erfolg. Auch Edin Muminović aus Bissendorf-Wietze beschwert sich, dass bereits am 6. Januar die Gelben Säcke in Bissendorf-Wietze vom Straßenrand nicht termingerecht abgeholt worden seien. Wenigstens dies am nächsten Tag wurde in den späten Nachmittagsstunden nachgeholt. Diese Woche habe sich die Nichtabholung am Mittwoch wiederholt und auf Nachfrage unter der Service-Hotline wurde ihm mitgeteilt, dass eine Abholung diese Woche nicht mehr erfolge, sondern erst nächs-ten Mittwoch. „Dem Umstand, dass die Gelben Säcke, die nächsten Mittwoch abgefahren werden sollen, sich dann verdoppeln werden, trägt sicherlich keiner Rechnung. Und daher ist es abzusehen, dass Müllsäcke wieder zurückgelassen werden“, ärgert sich der Bissendorf-Wietzer: „Auch in unseren Breitengraden machen sich Vögel und andere Tiere an den duftenden Säcken zu schaffen und überall trägt der Wind die Säcke und den rausfliegenden Abfall durch die Straßen. Ein trauriger Anblick, Kinder und Spaziergänger an Müllbergen in unserer schönen Wohngegend vorbeigehen zu sehen.“ Das sei ein unzumutbarer Umstand für alle Anwohner in Bissendorf-Wietze und erinnert an die Bilder der Müllhalden in Neapel vor einiger Zeit. Der Grund sei zwar ein anderer, aber der Blick auf die Straßen sei der gleiche. Muminovic kritisiert, dass das Unternehmen Remondis sich nicht um das Problem zu kümmern scheine und auch bei der Gemeinde Wedemark sei niemand zuständig.
Viele Bürger, die den Zuständigkeitswechsel zum Jahresende nicht mitbekommen haben, wenden sich mit ihren Beschwerden an aha. Die Entsorgung der gelben Säcke ist jedoch nicht Teil der öffentlichen Abfallwirtschaft, sondern es handele sich um ein Sys-tem der Privatwirtschaft, erklärt auf Nachfrage des Wedemark ECHO aha-Unternehmenssprecherin Helene Herich. Also erfolge die Ausschreibung auch nicht durch die Region oder aha. aha habe sich an der Ausschreibung beteiligt, den Zuschlag vom Dualen System Deutschland (DSD) aber leider nicht erhalten und bedauere, den Bürgern der Region Hannover den gewohnt zuverlässigen Service bei der Abholung der Gelben Säcke nicht mehr anbieten zu können, so Herich. aha habe keine Möglichkeit, die Firma Remondis abzumahnen oder hier ersatzweise tätig zu werden. Der Grund hierfür sei, dass die Einsammlung der gelben Säcke als privatrechtliche Entsorgung (daher der Name Duales Sys-tem) im Rahmen der Verpackungsverordnung geregelt sei. Danach seien für die ordnungsgemäße Durchführung der Einsammlung die Dualen Systeme zuständig. Hiervon gebe es zur Zeit elf Stück, erklärt Herich. Diese hätten jeweils entsprechend ihrem Anteil an der einzusammelnden Verpackungsmenge mit Remondis einen Auftrag für die Einsammlung der gelben Säcke abgeschlossen. Das bedeute, dass eigentlich für die gelben Säcke elf Auftraggeber zuständig seien, die ihren Auftragnehmer (Remondis) dazu bringen müssten, ordentlich zu arbeiten. „Im Grunde genommen ist die derzeitige Situation ein Blick in die Zukunft, wie sich die Wertstofferfassung gestalten könnte, wenn der derzeit in Beratung befindliche Entwurf eines neuen Wertstoffgesetzes tatsächlich umgesetzt wird“, stellt die Unternehmensprecherin fest. Nach diesem Entwurf sollen die Dualen Systeme einen wesentlich größeren Zugriff auf die Wertstoffsammlung erhalten, ohne dass die öffentliche Hand hierzu noch eine Gestaltungsmöglichkeit erhält. Gegen diese Überlegung zu einem neuen Wertstoffgesetz gebe es derzeit erheblichen Widerstand, quer durch alle Parteien. Weil an solchen Beispielen – wie der Region Hannover – abzusehen sei, dass eine Entsorgung der Wertstoffe, die sich ausschließlich an finanziellen Interessen orientiere, nicht funktioniere. SPD und CDU auf Regionsebene haben bereits den Ruf nach Neuausschreibung laut werden lassen. Remondis, dessen Unternehmenssprecher Michael Schneider bis Redaktionsschluss für das ECHO nicht selbst zu erreichen war, hat jedoch öffentlich bekundet, so schnell wie möglich Abhilfe schaffen und zusätzliche Mitarbeiter und Fahrzeuge aus anderen Städten nach Hannover ziehen zu wollen. „Ein bisschen Zeit sollte man dem Unternehmen schon lassen. Das Jahr ist ja gerade ein paar Tage alt“, hieß es zu der Problematik aus dem Bereich öffentliche Sicherheit und Ordnung der Wedemärker Gemeindeverwaltung, deren Pressesprecher zurzeit erkrankt ist.