Bauleitplanung für Bissendorf-Wietze

Die Wietze und der Wald prägen den Charakter von Bissendorf-Wietze. Foto: A. Wiese

Raum quillt vor interessierten Zuhörern über – weitere Sitzung im Bürgerhaus avisiert

Bissendorf-Wietze (awi). Das Flüsschen Wietze und der Baumbestand prägen den Wedemärker Ortsteil Bissendorf-Wietze, der aus kleinen verstreuten Häusern im Wald entstanden und dessen Entwicklung nicht homogen sei. Um diese unkontrollierte und ungeordnete Entwicklung in den Griff zu bekommen, habe man sich 2009 zu der Bauleitplanung entschlossen.
Mit diesen Worten führte Fachbereichsleiter Kay Petersen bei der fünften Sitzung des Ortsrates Bissendorf-Wietze in den Tagesordnungspunkt „Informationen zur Bauleitplanung“ ein. Das Problem: Der Raum im Landhaus Wietze konnte die vielen Zuhörer nicht fassen, die die Ausführungen der Verwaltung zu diesem Thema hören und zugleich ihre Meinung dazu äußern wollten. Das hatte nicht nur ein denkbar stickiges Raumklima zur Folge, sondern auch von Beginn an viele sichtlich schlecht gelaunte Zuhörer, die die auf die Leinwand projizierten Grafiken und Pläne schlecht oder gar nicht sehen, die Ausführungen zum Teil auch nicht verstehen konnten und ihrem Unmut auch darüber immer wieder durch im Ton unangemessene Zwischenrufe Luft machten. Immer wieder musste Ortsbürgermeister Daniel Leide einschreiten und die Bürger zur Ordnung rufen, die eigentlich erst nach dem Vortrag von Petersen und Planer Oliver Schulz das Wort haben sollten, dies aber immer wieder ignorierten. Gleich zu Anfang hatte Fachbereichsleiter Petersen versichert: „Dies ist nicht die letzte Sitzung zu diesesm Thema und die nächste sollte wenn irgend möglich im Bürgerhaus in Bissendorf stattfinden, damit alle Interessierten vernünftig Platz finden und sehen können.“ Dabei brachten die Ausführungen von Petersen und Schulz zunächst nicht unbedingt neue Erkenntnisse, denn die vom Planungsbüro erhobenen Daten zu den Grundstücksgrößen und die daraus hervorgehende, farblich gekennzeichnete Einteilung war bereits vor Gründung des eigenen Ortsrates in den Fachausschüssen öffentlich präsentiert worden. BfW-Mitglied Manfred Kleinke folgerte per Zwischenruf daraus allerdings, dass das gesamte Verfahren neu aufgerollt und von vorne begonnen werden müsse, da der seit 2011 bestehende Ortsrat Bissendorf-Wietze sich ja mit den ersten Planungsschritten gar nicht habe befassen können. Das hatte allerdings seinerzeit der Ortsrat Bissendorf getan, in dem Bissendorf-Wietze durch mehrere Mitglieder verschiedener Parteienzugehörigkeit vertreten war. Petersen und Schulz sprachen über Grundstücksteilungen und angestrebte Mindestgrundstücksgrößen in den drei Teilen des Plangebietes, nämlich Natelsheideweg, Am Wietzestrand und Bussardweg. Es gehe um ein „gemeinsames Maß baulicher Nutzung“, so Petersen. Jeder solle mit Abschluss der Bauleitplanung genau wissen, „das darf ich, das darf ich nicht“.
Alle betroffenen Grundstücksbesitzer aus Bissendorf-Wietze könnten die Pläne jederzeit im Internet runterladen oder in der Verwaltung einsehen beziehungsweise mit ihm einen Termin für ein persönliches Gespräch vereinbaren, versicherte Planer Oliver Schulz am Ende der Vorstellung des Teils Strukturanalyse, als er darauf hinwies, dass der „Waldcharakter nach und nach verlustig geht“. Jeder könne darüberhinaus weitere Anregungen zur Planung geben. Die jetzt ausliegende Planung sei nur eine von insgesamt zwei Bürgerbeteiligungen zuzüglich der Ortsrats- und Fachausschusssitzungen. Zur Erschließung von Bissendorf-Wietze, so Schulz, diene als Hauptachse die Burgwedeler Straße, unterstützt von Natelsheideweg und Bussardweg. Darüberhinaus handele es sich größtenteils um kleine Privatwege. Bei den Grundstücksgrößen habe die Bestandsanalyse ergeben, dass es auf den Grundstücken über 2.500 Quadratmeter mehr als 60 Prozent Gehölzanteil gibt, bei den Grundstücken zwischen 1.900 und 2.500 Quadratmetern zwischen 50 und 60 Prozent, zwischen 1.300 und 1.900 Quadratmetern 40 bis 50 Prozent, zwischen 900 und 1.300 Quadratmetern 20 bis 40 Prozent und bei weniger als 900 Quadratmetern nur noch höchstens 20 Prozent Gehölzanteil. Fast überall solle reines Wohngebiet ausgewiesen werden, erläuterte Planer Schulz weiter. Ausnahmen seien nur im Bereich des Supermarktes Kärgel und Am Wietzestrand vorgesehen. Dort werde im Plan dann ein allgemeines Wohngebiet festgesetzt. Die Dichte der Bebauung solle über die Grundflächenzahl geregelt werden. Klarer Auftrag für die Planer sei jedoch, die Mindestgrundstücksgrößen zu definieren. Im Rahmen der Planung könne aber zwischen den einzelnen Grundstücksgrößen noch differenziert werden, immer mit dem Ziel, den Baumbestand zu erhalten und den Anteil der Grünflächen festzusetzen. Eine Idee der Planer sei, Verbindungen zwischen den Privatwegen zu schaffen und einen Fußweg entlang der Wietze anzulegen. Diese Äußerung von Schulz stieß allerdings auf lautstarken Protest aus dem Zuhörerraum. „Nichts passiert sofort“, lenkte Schulz daraufhin ein. Man wolle die „Wietze ja nur erlebbar machen“. Alle Vorschläge der Planer kämen noch einmal auf den Prüfstand. „Warum greift die Gemeinde ein, wo der Bürger schon prima was gemacht hat?“, lautete dazu der Kommentar von Manfred Kleinke von der BfW.