Begriffe wie „Bio“ und „Fair“ kamen gerade auf

Ein Vierteljahrhundert Ökomarkt in der Wedemark

Bissendorf. Vor 25 Jahren veranstaltete eine kleine Gruppe von Grünen und Alternativen einen ersten Markt mit Lebensmitteln und Textilien der besonderen Art: Bio und regional sollten sie auf jeden Fall sein, möglichst auch noch fair erzeugt und gehandelt. Der Anlass dafür waren diverse Lebensmittelskandale, wie belastete Eier in verarbeiteten Lebensmitteln, vergiftetes Olivenöl, Hormongaben bei der Kälbermast und Frostschutzmittel im Wein. Auch waren Obst und Gemüse mit vielen Pestiziden belastet, die heute verboten sind. „Wir wollten ein Zeichen setzten, und zeigen, dass es auch anders geht“ sagt Ute Lucka, Grüne der ersten Stunde und heutige Sprecherin. Die ersten Naturkostläden entstanden um diese Zeit und „Bio“ und „Fair“ waren Begriffe und Siegel, die noch überhaupt nicht etabliert waren. Der erste fair gehandelte Biokaffee schmeckte grauenhaft, wie sich viele erinnern, aber das ist vorbei, heute sind gerade diese Kaffees besonders schmackhaft und bekömmlich und machen nach wie vor ein gutes oder, sagen wir mal, besseres Gewissen. Den Grünen lag aber nicht nur ihr eigenes Wohl, sondern auch die Umwelt und die Natur allgemein am Herzen. Bio-Lebensmittel stehen nicht nur für eine gesunde Ernährung, sondern auch für eine intakte Natur. Der Anbau ohne Pestizide schont die Umwelt. Ein Indikator für das Befinden der Natur ist zum Beispiel das Befinden der Bienen. Gerade in den letzten Jahren wird immer deutlicher, wie die Natur auf die vielen und vielfältigen Belastungen reagiert, die ihr zugemutet werden. Wir erleben einen starken Rückgang der Bienenvölker, bis zu 50 Prozent der Bienenvölker gehen einfach ein. Schuld daran sind nicht einzelne Maßnahmen, sondern die Summe der Belastungen. Die Grünen machen sich, wie auch die Naturschutzverbände, stark für den Schutz der wilden Pflanzen und Tiere. Die Umweltschutzbeauftragten der Gemeinde ist, wie schon oft in der Vergangenheit, auch auf dem Markt anwesend und steht für Gespräche zur Verfügung. Es gibt auf dem diesjährigen Ökomarkt wieder Pflanzen, Heil- und Schmucksteine, Keramikkunst, Kräuter, Tees und Seifen, Objekte und Schmuck aus Filz, Gewürze, Spargel, Marmeladen und Chutneys, Vegetarisches und so weiter - natürlich bio, regional und fair. Auch für Essen und Trinken ist wieder gesorgt: Der Naturkostladen Mellendorf ist mit Kaffee und Kuchen dabei, außerdem gibt es Stände mit Eis, Suppen, Crepes und so weiter. Es sind auch wieder viele Infostände zu den Themen Umwelt, Flüchtlinge und Tierschutz dabei. Ein Imker zeigt den Kindern wie Bienen gehalten werden, man kann sich über Stimmausbildung kundig machen und mit einem Tischler ins Gespräch kommen. Für die Kinder gibt es Ponyreiten, Filzen und Bauen mit Naturholz. Auch für Musik wird wieder gesorgt: „Zum 25. Jubiläum des Ökomarktes haben wir die Balkankapelle 'Schwarzes Meer' engagiert."
„Wir freuen uns sehr, dass der Landesvorsitzende der Grünen, Stefan Körner, da sein wird und für Fragen und Gespräche zur Verfügung stehen wird", so Angela Klingrad von den Wedemärker Grünen. Ist der Ökomarkt nach 25 Jahren überhaupt noch nötig? „Ja, sehr!“sagen die Sprecher der Grünen, Ute Lucka und Horst Menze. „Der Anteil umweltschonend und fair erzeugter Produkte ist nach wie vor viel zu gering. Obwohl es erfreulicherweise inzwischen in jedem Lebensmittelmarkt Biowaren gibt, liegt der Anteil dieser Lebensmittel weit unter zehn Prozent.