Behindertenbeirat sucht noch Mitstreiter

Der aktuelle Behindertenbeirat hat sich konstituiert und würde sich über weitere Mitstreiter freuen. Zurzeit sind dabei der Vorsitzende Gunther Partetzke (hintere Reihe, Vierter von links), die stellvertretende Vorsitzende Gabriele Wolff (vorne im Rollstuhl), Geschäftsführer Klaus Makowka (rechts), Uwe Nautscher und Monika Hoffmeister (Zweiter und Dritte von rechts) sowie Markus Wierzba und Ursel Joswig (Zweiter und Dritte von links). Ganz links die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier. Foto: A. Wiese
 
Gremienbetreuer Daniel Diedrich überreichte der bisherigen Vorsitzenden des Behindertenbeirats, Renate Löhr, einen Blumenstrauß als Dankeschön. Foto: A. Wiese

Interessenvertretung fü 4.295 Menschen mit Behinderungen

Wedemark (awi). Der neue Behindertenbeirat hat sich am Dienstag konstituiert, aber bei der Gemeinde bereits "Nachschlag" eingefordert. Sieben Mitglieder sind zu wenig, um die Arbeit in dem Gremium vernünftig bewältigen zu können, zeigten sich die sieben aktuellen Beiratsmitglieder überzeugt. Der Vergleich mit dem Seniorenbeirat, der ebenfalls aus sieben Mitgliedern besteht, hinke. Im Behindertenbeirat säßen Menschen mit Behinderungen und diese seien eben nicht voll leistungsfähig, betonte Gabriele Wolff, die aktuell zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde und die bereit seit 2014 in dem Gremium die Belange von Behinderten vertritt. Anders als der Seniorenbeirat, dessen Mitglieder aus einer Kandidatenauswahl von allen wahlberechtigten Wedemärker Senioren gewählt werden, werden die Mitgliede des Behindertenbeirats vom Rat ernannt. Bis elf Mitglieder dürfen es laut Satzung sein. Neun hatten sich beworben und waren nominiert worden. Zwei sprangen jedoch direkt ab. Ob sie zu dem Zeitpunkt bereits ordentliche Mitglieder des Beirats waren oder nicht, daran scheiden sich zurzeit die Geisten von Verwaltung und Beirat. Dessen Mitglieder fordern von der Verwaltung die Möglichkeit einer Nachnominierung und rufen alle Menschen mit Behinderungen und einem Prozentgrad ab 30 auf, sich für die Interessenvertretung bei der Gemeinde zu bewerben. Die hat aus der Sitzung am Dienstag die Hausaufgabe mitgenommen, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu prüfen. Die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier sagte die Rücksprache mit dem zuständigen Fachbereichsleiter zu und Gremienbetreuer Daniel Diedrich von der Freiwilligenagentur wird sich dann sofort mit dem neu gewählten Vorsitzenden des Behindertenbeirats, Gunther Partetzke aus Abbensen in Verbindung setzen. Gabriele Wolff aus Wennebostel wurde wie gesagt zur Stellvertreterin gewählt, Klaus Makowka aus Bissendorf zum Geschäftsführer. Weitere Mitglieder des Behindertenbeirats sind Monika Hoffmeister aus Hellendorf, Ursel Joswig ausMellendorf, Markus Wierzba aus Bissendorf und Uwe Nautscher aus Mellendorf.
Mit einem Blumenstrauß und einem herzlchen Dankeschön für ihr Engagement wurde die Vorsitzende des ersten Behindertenrats und Ideengeberin für dieses Gremium in der Wedemark, Renate Löhr, aus Brelingen in der konstituierenden Sitzung des neuen Behindertenbeirats verabschiedet. Sie verfolgte die Sitzung mit großem Interesse und brachte auch immer wieder Anregungen ein. Sie freue sich, dass es mit der Behindertenarbeit weitergehe, so Löhr, und wünsche den neuen Mitlgiedern Geduld, Stehvermögen, Durchsetzungskraft, Engagement und Freude an der Arbeit. Nach der offziellen Verpflichtung der Mitglieder durch die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier und der Wahl der Vorsitzenden und seiner Stellvertreterin wurden die Vertreter in den Fachausschüssen benannt. Die Vertretung in der Abeitsgemeinschaft der Behinderten in der Region Hannover wird Gabriele Wolff übernehmen. Außerdem ernante der Beirat sogenannte Berichterstatter für bestimmte Themen, nämlich Gabriele Wolff für rollstuhlgerechtes Wohnen und öffentlichen Personennahverkehr, Uwe Nautscher für Sehbehinderun, Klaus Makowka und Monika Hoffmeister für Demenz und Lernbehinderung, Monika Hoffmeister für die allgemeine Pflegesituation, und Gunther Partetzke für das Behindertensportabzeichen.
Wie groß die Gruppe derjenigen, die vom Behindertenbeirat vertreten wird, in der Wedemark ist, belegte eindrucksvoll eine Statistik mit Zahlen von 2015, die Klaus Makowka vortrug: Danach gibt es in der Wedemark 4.295 Schwerbehinderte aller Kategoien. 2.514 haben einen Behinderungsgrad von mehr als 50 Prozent. Zu 100 Prozent schwerbehindert sind 546 Wedemärker. Sieben Menschen leiden an einem Verlust von Gliedmaßen, 31 haben eine Einschränkung im Gebrauch der Gliedmaßen, 71 sind blind oder sehbehindert, 145 leiden an einer Störung der inneren Organe, 189 haben sonstige Störungen, 25 sind schwerhörig. 2.390 Menschen mit Behinderung sind 65 Jahre und älter. Danach kommt als zweitgrößte Altersgrupe aber schon die der 45- bis 55-Jährigen mit 609 Menschen.
Unter dem Punkt Anträge stellte Gabriele Wolff den Antrag, den Rat zu bitten, darauf einzuwirken, dass die Parteien ihre Wahlkampfveranstaltungen an barrierefreien Veranstaltungsorten durchführten, damit auch Behinderte die Möglichkeit zur Teilnahme hätten. Die Verwaltung solle aufgefordert werden, den barrierefreien Zugang zu allen Wahllokalen in der Gemeinde zu gewährleisten. Sie komme als Rollstuhlfahrerin ins Feuerwehrhaus Wennebostel zum Beispiel nicht hinein, fühle sich mit der Aufforderung zur Briefwahl aber ausgegrenzt, weil sie sich ihre Entscheidung,wen sie wähle gerne bis um 18 Uhr am Wahltag offenhalte wolle, so Wolff. Die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier versicherte, sie wisse um diese Problematik und sei "dran" an dem Thema.
Die nächste Sitzung des Behindertenbeirats ist für Dienstag, 2. Mai, um 16 Uhr im Bürgerhaus in Bissendorf geplant.