Besucherströme bei „Kultur im Dorf“

Einrad-Performance auf der Marktstraße.
 
Chorfestival in der Brelinger Kirche.

Insbesondere der Sonntag stellte alle Erwartungen der Veranstalter in den Schatten

Brelingen (awi). In Anlehnung an den Eurovision Song Contest würde die Brelinger Mittel als Veranstalter von „Kultur im Dorf“ am Pfingstwochenende mit Sicherheit zwölf Punkte bekommen – die Höchstpunktzahl für eine supertolle und vielseitige Veranstaltung, mit der sich die Mitwirkenden bei der fünften Auflage regelrecht selbst übertroffen haben.
Musik, Kunst, Theater, Lyrik, Geschichten erzählen, Handwerk und Fantasie – nichts kam zu kurz bei diesem Event der Extraklasse, in das das gesamte Dorf eingebunden war. Zentrum war natürlich die Brelinger Mitte mit Kaffeestube und Geschichtenerzählerin Renate Löhr innen, gesperrter Marktstraße, Bühne, Kaffeezelt und Imbissbude draußen. Mekka der Musik war nicht nur die Bühne vor der Brelinger Mitte, auf der der schwedischer Sänger Christian Kjellvader am Sonntagabend das fünfte „Kultur im Dorf“ ausklingen ließ, sondern zwei Tage lang auch die Martini-Kirche, wo es fast Musik nonstop zu hören gab. Ob Chorfestival am Sonnabend oder Konzert mit Violine und Klavier am Sonntag – eine tolle Idee, die Fluktuation zuzulassen, die Musikliebhaber hinein- und hinausgehen zu lassen, wie sie es wollten. Der Qualität der Musikdarbietungen tat das keinen Abbruch. War doch genau das der Reiz der Veranstaltung: die Möglichkeit, frei und ungebunden durchs Dorf zu flanieren, den einzelnen Programmpunkten in loser Folge einen Besuch abzustatten, zur Führung auf dem alten Friedhof mit Friedel Bernstorf dazuzustoßen, sich der Führung durch das NABU-Biotop anzuschließen, im Sägewerk Bohm den Kindern beim Balancieren auf den Balken und beim Spiel mit den Riesenmikados zuzusehen, das Fachwerkmodell zu bestaunen und ein Holzschaf zu erstehen, auf dem Rückweg beim Hausflohmarkt einen alten Zylinder zu kaufen und dann beim Chorgesang in der Kirche für eine Weile auszuruhen und neue Kräfte zu sammeln, um den Weg zur nächsten Station in Angriff zu nehmen. Denn fast alle Besucher von „Kultur im Dorf“ benutzten ihre eigenen Füße oder das Fahrrad, um von der Marktstraße zur Schmiede von Peter Asendorf im Twegten zu gelangen, wo es eine Kunstausstellung zu bestaunen gab, man dem Schmied beim Hufbeschlag über die Schulter schauen oder bei Mitmachaktionen selbst einmal den Schmiedehammer schwingen konnte. Von dort konnte man weiter zum Eichendamm wandern oder radeln, wo auf dem Hof Martens mit der alten Kornbrennerei Vorführungen von Bettina Arasin und ihrer gelenkigen Einradtruppe zu bestaunen waren, in der Filmjurte alte Filme gezeigt und natürlich auch durch die Kornbrennerei geführt wurde. Übrigens stieß man hier nicht nur auf interessantes Kunsthandwerk, leckere Bockwürstchen und den Förster und Krimiautor Christian Oelschläger samt Jagdhund, sondern auch auf das Kulturklo Süd. Das Kulturklo Nord befand sich im Sägewerk Bohm. Und damit auch jeder wusste, was damit gemeint und wie er es handhaben sollte, gab es überall lustig illustrierte Flugblätter als Gebrauchsanweisung für den „alten Brelinger Brauch der Absonderungen“. Einfach ein Schild „WC“ oder „Toiletten“ aufzustellen, wäre auch wirklich langweilig gewesen! Kleiner Auszug aus der Gebrauchsanweisung: „Begeben Sie sich zum Kulturklo Nord. Notieren Sie alles, was Sie belastet: doofe Gedanken, ungute Gefühle, schlechte Gewohnheiten, Sorgen oder was Ihnensonst noch so in den Sinn kommt, auf einen der bereitliegenden Zettel. Vernichten Sie disen im bereitsstehenden Säurefass. Fühlen Sie sich frei, unbeschwert und entleert. Genießen Sie einen wundervollen Tag auf ihrem Spaziergang durch Brelingen. Essen Sie, trinken Sie und amüsieren sich nach Leibeskräften!“ Wie gesagt, das ist nur ein kleiner Auszug. Wirklich lesenwert! Man könnte noch ganz viel erzählen von diesen zwei Pfingsttagen und der tollen Veranstaltung in Brelingen und würde doch nicht allen Details gerecht werden. Und außerdem sagen Bilder mehr als Worte!